Jaunerdeutsch

Us der alemannische Wikipedia, der freie Dialäkt-Enzyklopedy
Hops zue: Navigation, Suech
A Taafla vùrnera Beckeryy z Jùu, wa d Spezialitäte uff Jùutütsch òògschrybe sy
Lag va Jùu ìm Grüerschbìzìrk

Jùutütsch (Gsw-jounertütsch-female-Jùutütsch.ogg [ˈjʊu̯tytʃ] , hd. Jaundeutsch, senslertütsch: Jùùntütsch) ìsch d Mùndart va dr Gmìi Jùu (Jaun) mit de bìede Düerfer Jùu ù Fàng (Im Fang) im Kanton Frybùrg. Jùu isch dì enzìgì tütschspraachìgì Gmìi ìm Grüerschbìzìrk (Greyerzerland), ù ds Jùutütsch ìsch ìnnerhaùb va de Tütschschwyzer Mùndarte eppes Appartegs. Dia Mùndartspraach gküert zum Höchstalemannische ùn ìsch fasch mia mitem Berner Oberländisch wa mitem Senslertütsche verwàndt. De Grùnd derfǜǜr ìsch a spraachlìchì Isolation va Jùu: Z desúús (ìm Weschte) ìsch d Spraachgrenza zu de Wäùtsche, wa mù Französisch red, früer Patois, im Norde isch dr Wääg in de tütschspraaìg Sensebezìrk mìt hueje Bäärga versperrta, wa mù nùmme ùber de Nǜischels (Euschelspass) ds Fues drùber chòò. Aber òò dì Kontäkt zum Sǜbetaù (Simmental) ìm Kanton Bärn sì làngì Zyt iender raar gsy, syt ass sì enetem Brùch (Jaunpass) dr Glùube tùsche hìi, aber Jùu katòòlesch blyben ìsch. In däm Artikel wärde d Dialäktbyspìù ì dr Dieth-Schrybeg (glyych wì ìm Senslertütsche Wörterbuech) ù der hüt nò gǜùtege Schryyb-Rìchtlinie va der Tüschfrybùrger Arbìitsgmìinschaft (DFAG) gschrìbe. Wì nüüt àndersch òòggee ìsch, syy dì kursive Byspìùwörter ùff Jùutütsch gschrìbe. Dì Gschìcht „Dr Jouner Geisshirt“ isch nìt òòpassst a dì Dieth-Schrybeg.

Inhaltsverzeichnis

Yyuerneg [ändere]

Alì Tütschfrybùrger Mùndarte gküere zùm Westalemannische. Ìm Gägesatz zùm Dialäkt vam Seebezirk, wo zùm Bärndütsche gküert, wärde ds Senslertütsch ù ds Jùutütsch zùm Höchstalemannische grächnet. Maarggezìiche dervòò sy:

  • Dr Erhaùt va de Monophthong ìm Ussluut ù vùr Vokaù (=fielendì Hiatus-Diphthongiereg): Blyy?/i ‚Blei‘, schnie?/i ‚schneien‘, Buu?/i ‚Bau‘, buue ‚bauen‘, nüü?/i ‚neu‘ ù nüüa?/i ‚neuer‘.
  • D Verschiebeg va mhd. -nk zù ch: triiche?/i/triihe ‚trinken‘ ùn Òòche?/i/Òòhe ‚Anken‘ (Butter).
  • D Luutverbìndeg [rn] isch zù [r] verìifacht: gäär(e)?/i ‚gern‘, muere(e)?/i ‚morgen‘, Gaar(e)?/i ‚Garn‘.
  • Ùnterschìideg va Singular ù Plural bì wyybleche Substantiv: a Zunga - vier Zungì, a Tòòna - vier Tòònì.
  • Unterschìideg va Singular ù Plural bì männleche Substantiv durn a Endsilbevokaù: Taag - Taga.

Abgrenzeg [ändere]

zum Senslertütsch:

  • DMonophthongiereg va ei, ou, öü fieùt ìm Jùutütsch: jùutütsch Mìitlì?/i, Ùug?/i, Bǜüm?/i statt senslertütsch „Miitli“, „Ùùg“, „Bǜǜm“.
  • D Diphthongiereg va lengem ee, oo, öö: jùutütsch Schnia?/i, Chies?/i, gruessì?/i, Bruet?/i, schüen?/i statt senslertütsch „Schnee“, „Chees“, „groossi“, „Broot“, „schöön“.
  • Dr Vokaùl [a] wird vor [n] ù [m] zù [ɔ]: jùutütsch Tòòna?/i, Chòna?/i, Pfòna?/i, Mòò?/i, chò?/i statt senslertütsch „Tana“, „Channa“, „Pfana“, „Maa“, „cha“.
  • D Luutverbìndeg [nd] ìsch plìbe: jùutütsch Chìnd?/i, Lònd?/i statt senslertütsch „Chinn“, „Lann“.
  • Dr Erhaùt va Chùrzvokaù: jùutütsch säge?/i, läbe?/i, chlage?/i, schrybe?/i statt senslertütsch „sääge“, „lääbe“, „chlaage“, „schryybe“.
  • D Rùndeg va Vokaù ìsch z Jùu säùtener va ìm Sensebìzìrk: jùutütsch Tììsch?/i ùn ì nìme?/i statt senslertütsch „Tǜsch“ ùn „i nǜme“.
  • D Luuteg: är hätt kòò?/i/käbe statt senslertütsch „är hätt ghääbe“.
  • Ìn ùnbetuente Sìùbe d Endeg -eg im Jùudütsch, ànstatt -ig oder -ung im Senislerdütsch: jùutütsch lùschteg?/i, Bìndeg?/i, Wòndereg statt senslertütsch „luschtig“, „Bindung“, „Wanderung“.
  • D Pluralendeg va wyybleche ù männliche Substantiv ìsch àndersch: jùutütsch Zùngi?/i, Tòònì ù Taga, Bäärga statt senslertütsch „Zunge“, „Tana“ ù „Taage“, „Bäärge“.
  • Dr Diminutiv hät näbe -li bì Wörter ùff -l òò nò d Form -ti: Tältì / Täùti?/i ‚kleines Tal‘,.
  • Kollektiv-Forme sy ìm Jùutütsch verbrìiteter va ìm Sensebìzìrk: a Saketa Nǜss?/i ‚ein Sack voll Nüsse‘.

zum Sìbetaù:

  • D Spraachmelodyy unterschìidet sìch tütlech; dì ìigenaarteg Intonation, ds „Sìnge“ vam Bärner Oberlànd küerpmù z Jùu nìt.
  • Dr Luut ‹ch› wie in Chìnd wìrd z Jùu iender uvular [χ] statt wì ìm Bäärnesche velar [x] ussgspròche.
  • Ìm Sìbetaù ù ìm Ààflensche (Abländschen) sy ei, ou, öü wì ìm Senslerdütsch monophthongiert: jùutütsch Meitli?/i, Ùug?/i, Bǜüm?/i statt „Miitli“, „Ùùg“, „Bǜǜm“. Aber Saane hät dergäge dì glyych Luuteg wà Jùu.
  • Bìm Zaalwort ‚drei‘ hät Jùu wì Saane d Ìinhìitsform drüü: drüü Chìnd?/i, drüü Bäärga?/i, drüü Tòònì?/i ànstatt wì ìm Bäärnesche ùn ìm Sensebìzìrk: „drüü Chin(d)“, „dryy Bärg(a/e)“, „dryy Tan(i/a)“; bìm Zaalwort ‚zwei‘ hät Jùu d Form zwìi?/i, ìm Bäärnesche dergäge „zwǜǜ“.
  • D Luuteg ‹chs› ìsch ìm Jùutsch erhalte: sächs?/i, wachse?/i statt Oberlendesch (mit Ussnàm vam Ààflensche e) „säks“, „wakse“.
  • D Endeg -eg ì dr ùnbìtuonte Sǜube ìm Jùutütsch ìsch ìm Bärner Oberland -ig: jùutütsch luschteg?/i, Bìndeg?/i, Wòndereg statt senslertütsch „luschtig“, „Bindig“, „Wanderig“.
  • Ds Passiv wìrd ìm Jùutüsch a sua wi òò ìm Senslerdütsch mìtem Hǜufsverb cho, im Bärner Oberland dergäge mìt werde: jùutütsch Är chùnt püessta/Är ìsch püessta chua, Är chunt nassa statt Oberlendesch „Är wird nassa“ usw.

Jùutütschì Literatur [ändere]

Di öuteschte Gschrìftì ùff Jùutütsch sy ùsem Jaar 1865 ì de „Freiburger Zeitung“. As sy Läserbriefa, wa fascht aù ùff ana yròònìschìi Art uber d Bürokratyy z Fryybùrg oder z Boù (Bulle) tü chlage[1]. Gschrìftì ùff Jùutütsch hìi dr Pfaare Johann Cottier (1876-1936; Gässlersch Johonnì) ù dr Sekùndaarlierer Leonhard Thürler (1888-1976) usaggee. D Gschrìftì vam Johann Cottier sy zùm grüeschte Tǜù ìnera Veröffentlìcheg va 1931 „Im Jouländli. Va Gässler's Johanni“. Zierscht sy dìsì Gschrìftì hùuptsächlech ìm Fryybùrger ù Walleser Voùchskalender erschìne. Dr Leonhard Thürler hät òò Gschìchtlìnì ù Saagì ùff Jùutütsch gschrybe: 1939 „Geissbuebläbe“ ì dr „Zytschrift für üsi schwyzerische Mundarte“, 1940 „Die verhäxti Chrotta (A Zelleta usem Joulendli)“, 1943 „D'Häx vom Loweli (A Sag usem Jouländli)“ ù 1944 „Schlangengeschichten“, aalì ìm „Freiburger und Walliser Volkskalender“. Drùberuus ìsch 1985 a Kasetta „Jaundeutsche Geschichten“, gläse vam Werner Schuwey, bìm „Didaktisches Zentrum Freiburg“ erschìne ù 1982 ù 1985 sy Jùutütschi Gschrìftì in dr Zytùng „Echo vom Jauntal“ erschìne, wa bìmena Mundart-Wettbewerb entstàne sy, wa dr Eduard Buchs organisiert hät[2]. Dernäbe ìsch 1986 a Seryy va Saage, „Va Häxe“ vam Bruno Schuwey ì de Freiburger Nachrichten erschìne.

Textbyspìù [ändere]

Dr Jouner Geisshirt
vam Dr. Johann Cottier (1876–1936)[3][3]
Dr Sigrescht lütet z Bäte

As taget blues im Tal;
Dr Geißhirt fiet o huerne¹,
As ischt a bsùndra Schal.

As tüent zùm Chemi aha,
Ù d Muetter küört's gar guet,
Si chlopfet grad dr Brägel²,
Was si so gääre tuet.

Si springt gschwǜnd mit em Pintli3
I Stall zùr alte Geiß
Si mueß no fer na Stärla4
Ù d Chind grad mächen eis.

Di Graawi ischt schua galti5
Ù ds Böckli git sǜsch nüüt,
Di Böschti ischt di Alti
Fer ǜǜs, där Gatteg Lüt.

Dr Geißhirt chlöpft schua d Geisla
Vùr ǜǜsem chlyyne Huus,
Ù d Muetter jagt di Ghǜrni,
Voroo zùr Stallstǜǜr uus.

I Ritzwald will er mit ne;

As ischt itz zimli heiß,
D Geiß frässe da im Schatte,
Ù cheme net i Schweiß.

Am Aabe bim Vernachte,
Sy d Geiß grad win as Faß;
Mǜi ds Utter fascht net fergge6,
Dr Buuch voll Chrutt ù Gras.

A sua geits fǜǜroo all Tag
Dr gonze Sùmmer dǜǜr
Ù hät dr Hirt toll ghüetet,
Sù macht er eppes fǜǜr.

Zùm Luen berchùnt er de no
Toll Zaabe grad derzue,
Fer ds Triichgäld ischt o gsuerget,
Si salbe mù no d Schue.


(Hìwyyss: Urfasseg, nìt a
dì Dieth-Schryybegg òòpasst)

1. hupen
2. Röschti
3. Kleines Gefäss aus Metall
4. Geisslein
5. ist trächtig und gibt keine Milch
6. schleppen

Gùgg ònò [ändere]

Weblinks [ändere]

Literatur [ändere]

  • Max Bürgisser: Die Jauner Mundart. In: Moritz Boschung (Hrsg.): Jaun im Greyerzerland. Deutschfreiburger Heimatverein, Freiburg im Üechtland 1988.
  • Pascale Schaller & Alexandra Schiesser: Freiburgerdeutsch. In: Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (Hrsg.): Sprachen und Kulturen. 1, Bern 2009.
  • Karl Stucki: Die Mundart von Jaun im Kanton Freiburg : Lautlehre und Flexion. In: Beiträge zur Schweizerdeutschen Grammatik. 10, Huber, Frauenfeld 1917.
  1. Max Bürgisser: Die Jauner Mundart. In: Moritz Boschung 1988. S. 182
  2. http://www.jaundeutsch.ch/index.php/dialekt/literatur
  3. Ùss Max Bürgisser (1988) pp. 180. Zùm ierste Maù ìm „Volkskalender für Freiburg und Wallis“ 4, 1913 usaggee