Rumantsch Grischun

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S Rumantsch Grischun (wörtlich „Bündner Romanisch“; Ussprooch: Roh-Rumantsch Grischun.ogg [ruˈmantʃ griˌʒun] ) isch e Varietät vum Bündnerromanische, wo uff en Entwurf vum Romanist Heinrich Schmid uss em Joor 1982 zruggoot. Es basiert uff drüü vo de fünf traditionelle romanische Schriftidiom, un isch als gmeinsami Schriftsprooch für alli Rätoromane entwigglet worde. Syt 1986 wird es vo de Schwyzer Bundesverwaltig, un syt 1996 vum Kanton Graubünde als Amtssprooch bruucht. D Yyfierig vum Rumantsch Grischun isch unter de Romane bis hüt sehr umstritte, un het zumene joorelange erbitterte un emotionale Stryyt gfiert, wo bis hüt aahaltet. Ab 2004 het mer de Versuech unterno, s Rumantsch Grischun etapewyys als Schuelsprooch in de romanische Gmeinde yyzfiere. Wäge neuem Wiiderstand gäge des Projekt, isch de Versuech aber 2011 uffgee worde, un mehreri Gmeinde hen bschlosse, wiider im regionale Schriftidiom z unterrichte.

Inhaltsverzeichnis

[ändere] Vorgschicht

Syt em 19. Joorhundert het es Versuech gee, e eiheitlichi Schriftsprooch für s Bünderromanisch z entwerfe. Einer vo de erschte konkrete Entwürf isch s Romonsch fusionau vum Mittelschuellehrer Gion Antoni Bühler (1825-1897). De Entwurf het er im Joor 1867 in de Zitschrift Il Novellist, wonner de Herussgeber gsi isch, vorgstellt. Usser ihm sälber isch de Entwurf aber vo praktisch niemerm gschribe worde. Nit emool d Lehrer, wonner sälber am Lehrerseminar ussbildet het, hen deno Romonsch fusionau unterrichtet. Näbe grundsetzlicher Ablehnig vun ere neue Eiheitssprooch, isch au en Kritikpunkt gsi, dass de Bühler syn Romonsch fusionau künschtlich vo Yflüss uss andre Sprooche „greinigt“ het. So kritisiert de Giachen Muoth im Joor 1898, dass de Bühler in sym Sproochentwurf statt romanischi Wörter, vilmool Wortschöpfige ussem Italienische oder Latiinische gno het, un de Entwurf so de Bezug zur Volchssprooch verlore hät[1].

In de Zwüschezit het sich di romanischi Sproochbewegig mee uff de Schutz vo de regionale Idiom, un bsunders uff de Ussbau vo de Schriftidiom Surselvisch un Ladin, konzentriert. Statt enere eiheitlichi Schriftsprooch sin sogar neui Schriftsprooche für s Sutselvisch un s Surmeirisch gschaffe worde. Glychzitig isch e langsami Aanöcherig vo de verschidne Idiom propagiert worde, wo mer avischinaziun dezue gsait het. Bi de Generalversammlig vum Dachverein vo de Romane, de Lia Rumantscha, vo 1957 isch en Leitfade verabschiedet worde, wo des het sölle fördere. Bsunders in de Orthographi het mer sich entschlosse, orthographischi Unterschid wo gar kei Dialäktunterschid representiert hen, abzschaffe[2].

En zweite Versuech e eiheitlichi Schriftsprooch z schaffe, het im Joor 1958 de Leza Uffer unterno. Syn Entwurf isch als Interrumantsch bekannt worde, un het uffeme modifizierte Surmeirisch basiert. De Entwurf het aber au kei Resonanz, defür aber vil Kritik gfunde. D Hörer ussem Engadin un de Surselva, wo syni Radiosändige gloost hen, hen schynts chuum en Unterschid zum Surmeirisch erkenne chönne, un d Surmeirer sälber hen s Interrumantsch für e Verfrämdig vo ihrem Idiom ghalte. Au er het welle d Sprooch vo Germanisme „reinige“, un het sogar Satzstellige wonner für Germanisme ghalte het, mit Satzstellige ussem Französische ersetzt. Des obwohl die Satzstellige im Romanische völlig alltäglich un warschynts gar kei Yyfluss ussem Dütsche gsi sin[3]. D Renata Coray gseet mehreri Parallele zwüschem Romonsch fusionau un em Interrumantsch. So wäre z.B beidi Sprooche vo „Einzelkämpfer“ entworfe worde, wo sich starch an eim bstimmte Idiom orientiert hätte un wo di einzige Lüt gsi wäre wo die Sproochentwurf aktiv verwändet hätte[4].

[ändere] Entwigglig vum Rumantsch Grischun

Ab de 1970er sin deno wiider Stimme luut worde, wo ei Schriftsprooch für alli Romane für notwändig ghalte hen. In dere Zit het d Aazaal vo Veröffentlichige vo de Behörde un vo de Werbig rasch zuegno, wo in de Regel uff Dütsch gschribe worde sin. Usserdäm het d Annerkennig vum Romanische als Amtssprooch vo de Schwiiz d Froog uffgworfe, welles Schriftidiom als Amtssprooch sött bruucht werde. Als Löösig het d Lia Rumantscha 1980 entschide, wyter s Surselvisch un s Vallader z bruuche, oder wenn im Fall zwei Idiom nit mögli sin, s Surmeirisch. Usserdäm het d avischinaziun wyter füretribe werde sölle[5]. Im Januar 1982 het de Sekretär vo de Lia Rumanschta, de Bernard Cathomas, deno aber e Projäkt zur Erarbeitig vunere Eiheitssprooch lanciert. Im April 1982 isch deno vum Zürcher Romanistikprofessor Heinrich Schmid en Entwurf gmacht worde, wo Rumantsch Grischun („Bündner Romanisch“) gnännt worde isch. Usser em Schmid sin vorallem no Mitarbeiter vo de Lia Rumantscha, wie de Alexi Decurtins am Entwurf beteidigt gsi[6].

De Aasatz vum Schmid isch gsi, e Sprooch z schaffe, wo für möglichst vili Romane möglichst wenig Abweichige vum eigne Dialäkt bedütet. Mer isch also nooch em Mehrheitsprinzip gange, mer het die Form gno, wo in de Mehrzaal vo de Schriftidiom vorcho isch. Mit däm het mer welle d Akzeptanz vum Rumantsch Grischun verbessre. Beruggsichtigt her mer numme die drüü vitalschte Idiom. Des sin s Surselvisch, Surmeirisch un Vallader gsi. So finde sich vili Merchmool wo für di einzelne Idiom typisch sin, im Rumantsch Grischun nit. Byspil sin d Vokal ö un ü, wo e Bsunderheit vum Engadinische sin, oder de Diphthong ia vum Surselvische. Die Tabelle illustriert s Vorgoo[7]:

Surselvisch Surmeirisch Vallader Rumantsch Grischun Glosse
clav clav clav clav 'Schlüssel'
fil feil fil fil 'Fade'
tschiel tschiel tschel tschiel 'Himmel'
siat set set set 'sibe'
fiasta festa festa festa 'Fescht'
cor cor cour cor 'Härz'
egl îgl ögl egl 'Aug'
vendiu vendia vendü vendi 'gchauft'

E wytre Kompromiss isch d Schrybig vum palatale Luut /c/ gsi. Im Surselvische wird de Luut mit <tg> gschribe, im Engadinische dergäge mit <ch>, wo im Surselvische de Luut /k/ widergit. Als Lösig het mer en Kompromiss gfunde: am Wortaafang wird <ch> gschribe, vor i un e, innerhalb un am Änd vumene Wort schrybt mer <tg>.

[ändere] Yfierig un Kontroverse

Logo vum Pledari

D Lia Rumantscha het deno aagfange s Rumantsch Grischun in de Öffentlichkeit vorzstelle. Es isch betont worde, dass die Sprooch kei Konkuränz zu de Schriftidiom sött sy, un dass mer si vorallem in Domäne wott yfiere, wo bis jetz s Dütsch verwändet worde isch. Demit sin z.B Formular, Plakat, Werbig u.ä gmeint gsi. Privati Unternämme hen e grosses Intress zeigt, wääred uss de Bevölcherig wenig Meinige luut worde sin. In de wenige kritische Bemerkige in de Press isch aber devor gwarnt worde, e Schriftsprooch vo „obe“, ohni di romanischsproochigi Basis yzfiere[8]. Einewäg het d Lia Rumantscha ab 1983 di erscht Kürs für Rumantsch Grischun aabote, wo uff grosses Intress gstosse sin. Scho 1985 isch deno s Pledari, s Wörterbuech für Rumantsch Grischun ussegee worde. Wääred de Kanton sich no zrugghalte het, het de Bund scho 1984 aagfange, als Versuech Formular uff Rumantsch Grischun z verschigge, un 1986 isch feschtgsetzt worde, dass Übersetzige vum Bund immer uff Rumantsch Grischun gmacht werde.

Ab 1984 isch aber au d Kritik am Vorgoo vo de Lia Rumantscha luuter worde. Kritisiert worde isch, dass d Idiom uff Choschte vum Rumantsch Grischun vernoochlässigt würde, un dass mer debi wär es in Domäne vo de Schriftidiom yzfiere. De Leiter vum Regionalstudio vo de SRG, de Chasper Stupan, het sich zum Byspil dergäge ussgsproche, s Rumantsch Grischun im Radio z bruuche. Für ihn isch d Sterchi vum romanische Radio in de Idiom gläge, wo sich d Hörer chönnte mit identifiziere. E Umfroog unter de Hörer het 1988 ergebe dass 49,5% für Rumantsch Grischun im Radio gsi sin, un 49,2% dergege[9]. Au 1988 isch e Umfroog vum Romanist Erwin Diekmann veröffentlich worde. In dere Umfroog het de Diekmann Froogeböge vo 948 romanische „Kulturträger“ ussgwertet. Di sofortigi Yfierig vum Rumantsch Grischun als Plakat- un Uffschriftesprooch hen 77,9% befürwortet, als Verwaltigssprooch hen sich 58,3% für e sofortigi, un 19,6% für e spööteri Yfierig ussgsproche. Als Sprooch in de Schuel, im Radio, em Fernseh un in de Literatur hen sich di Befroogte dergäge für e langsami, oder überhaupt kei Yfierig vum Rumantsch Grischun ussgsproche[10].

Ab 1988 hen sich deno au wichtigi Persönligkeite kritisch zum Vorgoo bi de Yfierig vum Rumantsch Grischun güüsseret. De Donat Cadruvi, wo zue dere Zit Regierigspresidänt vo Graubünde gsi isch, het kritisiert dass d Lia Rumantscha d Sprooch zwangswys wötti yfiere. Im glyche Joor het sich de Theo Candinas zum erschte Mool güüseret. In de Gasetta Romontscha het er e öffentlichi Diskussion gforderet, un s Rumantsch Grischun als Pescht un Todesstoss, un d Yfierig als „romanischi Kristallnacht“ bezeichnet het[11]. D Renata Coray bezeichnet des als de Beginn vunere „jahrelange heftige und vergiftete Debatte zwischen Gegnern und Befürwortern von RG[..],deren Höhepunkte in weiteren Nazi-Vergleichen, Manifesten und Gegenmanifesten sowie in einer dem Bundesrat überreichten Petition gegen RG liegen.[12]. Im Januar 1989 het de Romanistikprofessor Augustin Maissen deno vo emene „Kampf gegen den geplanten Sprachmord“ gschribe, un im April het de Theo Candinas d Schrift Rubadurs Garmadis veröffentlicht, wonner in de Form vumene Traum d Befürworter vum Rumantsch Grischun mit Nazischerge vergliche het, wo e romanischs Dorf überfalle, un Ahneschändig, Kulturzerstörig un Biecherverbrennige betrybe[13]. D Befürworter vum Rumantsch Grischun wiiderrum hen d Gegner z.B „als kleine Gruppe „stockkonservativer“, engstirniger Surselver und CVP-Politiker[14]“ dargstellt.

In de Beschrybig vum Rumantsch Grischun hen Metaphre e grossi Roll gspiilt, wo vo de Renata Coray im Buech „Von der Mumma Romontscha zum Retortenbaby Rumantsch Grischun“ zämmegfasst werde. Bsunders organischi Metaphre, wo druff aagspiilt hen, dass s Rumantsch Grischun vumene Zürcher künschtlich zeugt worde wär, findet mer in däm Diskurs hüüfig. Bsunders d Metapher vum „Retortenbaby“ oder „Retortensprache“ isch beliebt gsi. Nooch dere Argumentation isch s Rumantsch Grischun e künschtlichi Schöpfig, wo kei Seele un kei Härz hät, im Gägesatz zue de Idiom, wo natürlich gwaggse wäre. De katholisch Pfarrer Wendelin het sich dezue mit enere bsunders deftige Ussdruggswys güüsseret. Im Gedicht Al maglia-milliuns ‚aa de Millione-Frässer‘ beschrybt er s Rumantsch Grischun als „Bastard da Turitg“ ‚Zürcher Bastard‘, als Eneunch wo d Fraue verfiert un Aids in s suubri un moralischi Dorf bringt. Schliessli wird dezue uffgruffe de hodelose Millionfrässer z kastriere. Luut de Renata Coray bring des „deutlich zum Ausdruck, welche Ängste, Emotionen und Agressionen das Thema RG zu wecken vermag“. D Befürworter hen dergege argumentiert, dass au di traditionelle Schriftidiom emool künschtlich entstande wäre, dass s Rumantsch Grischun no Zit zum waggse un ryyfe brüücht, un es d Uffgab vo de Romane wär, däm „Embryo“ un „Neugeborene“ Schutz z gee un em e Seele yzhuuche. De Ursicin Derungs bezeichnet s Rumantsch Grischun 1989 sogar als e „lungatg virginal“, als e „jungfräulichi Sprooch“, wo mer jetz verfiere un zue „ina femna flurenta“, enere „Frau im Bluescht“ mache miesst[15].

D Position vo de Gegner un Befürworter in de Gasetta Romontscha fasst d Renata Coray so zämme, dass d Gegner s Rumantsch Grischun als e „künstliche Bastardensprache“ un Bedrohig vo de Idiom kritisiert hen, wääred d Befürworter e Koexistenz für mögli ghalte hen, un de Gegner vorgworfe hen, si wötte mit em Bewaare vo de beide grosse Schriftidiom, em Surselvisch un em Vallader, di chlynre Idiom diskriminiere[16]. Am 18. Novämber 1989 het deno schliessli e öffentlichi Diskussion zum Thema stattgfunde, wo aber kei Annöcherig brocht het.

Im Januar 1992 isch vo Gegner vum Rumantsch Grischun e Petition mit über 2'500 Unterschrifte aa de Bundesroot Flavio Cotti ygreicht worde. Als Alternativ zum Rumantsch Grischun isch s Surmeirisch als eiheitlichi Sprooch vorgschlo worde. De Vorschlag isch vo de Befürworter vum Rumantsch Grischun abglännt worde, un de Petitionär isch vorgworfe worde, sy wötte in Wahrheit s Surselvisch als einzigi Amtssprooch duresetze un wäre gegenüber de andre Idiom intolerant[17]. Usserdäm sin d Froogeböge vo de Volchszäälig vo 1990 in de Surselva uff Wiiderstand gstosse. D Froogeböge sin dertemool zum erschte Mool uff Rumantsch Grischun, statt uff Surselvisch oder Vallader, verdeilt worde. E Deil Gmeie hen deno sogar statt de romanische, dütschi Formular aagforderet[18].

Mitte 1992 het d bündner Regierig deno aakündigt, e wüsseschaftlichi Untersuechig zur Meinig vo de romanische Bevölcherig durezfiere, wo deno d Grundlag vum wytere Vorgo sött sy. Mit dere Entscheidig het sich d Debatte wiider berueigt[19]. D Ergebniss vo dere Untersuechig isch deno im Dezämber 1995 vorgstellt worde. Befroogt worde sin 1'115 Romane in de fünf Sproochregione un im Ruum Chuur. Vo de Lüt wo befroogt worde sin, hen sich 66% für e eiheitlichi Schriftsprooch ussgsproche. Vo denne 66% hen sich zwei Drittel (44% vo allene Befroogte) für s Rumantsch Grischun, 11% für s Surmeirisch un 11% für e anders Idiom ussgsproche. Im surmeirische un sutselvische Sproochbiet isch d Akzeptanz mit 64% bzw 58% überem Durchschnitt gläge, derwyyl d Surselva un s Putèr-Sproochbiet mit 37% un 34% unterem Durchschnitt gläge isch[20]. Die relativ hochi Zuestimmig isch überraschend cho.

Uff de Basis vo dere Umfroog het d Regierig vum Kanton deno am 2. Juli 1996 en Regierigsbeschluss gfasst, wo vorgsänne het, dass s Rumantsch Grischun bruucht werde sött wenn alli Rätoromane aagsproche werde. Wenn sich de Kanton aa einzelni Regione oder Gmeie wändet, chönnte wyter d Idiom bruucht werde. In de Schuele hät s Rumantsch Grischun d Idiom nit sölle ersetze, un numme passiv glehrt werde. Vo beide Syte isch de Kompromiss insgsamt akzeptiert worde. Am 17. Dezämber 1996 isch s Rumantsch Grischun deno e Amtssprooch vo Graubünde worde, un s Surselvisch un Ladin sin numme no in Ussnaamefäll vorgsänne gsi. Die Regelig het deno bis 2001 golte.

D Befürworter vum Rumantsch Grischun hen langi Zit gsait gha, dass es kei Absicht gäb, die Sprooch au in de Schuele yyzfiere, oder es isch als e sehr langfrischtigs Zyyl aagluegt worde. Aafang vo de 90er hen sich aber au erschti Stimme gmolde, wo sich für e Yyfierig ussgsproche hen, un im Joor 1994 isch es s Hauptthema vunere Veraastaltig vo de Lia Rumantscha gsi. Es isch argumentiert worde, dass es kei Zweck hät, e Sprooch yyzfiere, wo nit in de Schuele glehrt wird. Bsunders ussem Engadin hen sich Stimme gäge e Yyfierig gmolde. Im Oberengadin het mer zum Byspil gfürcht, dass s Rumantsch Grischun als Schuelsprooch s Lokalidiom Putér schweche dät, wo sowiiso scho en schwache Stand het. Einig isch mer sich gsi, dass e Yyfierig nit per Dekret, sundern numme mit Zuestimmig vo de Betroffene stattfinde sött. Au dass passivi Kompetenze im Rumantsch Grischun vermittlet werde sötte, het gröösseri Zuestimmig gha[21].

1999 isch deno vunere Arbetsgrupp vum Kanton e Konzept erarbeitet worde, wo als „Konzept Haltiner“ bekannt isch. Es het vorgsänne, dass d Idiom d Grundlag vum Romanische in de Schuel sötte blybe, un deno in de Mittel- un Oberstuf passivi Kenntniss vum Rumantsch Grischun vermittlet werde sötte. Des Konzept isch d Grundlag vumene Regierigsbschluss vo 1999 un wiider 2000 gsi[22].

[ändere] Etablierig als kantonali Amts- un Schuelsprooch ab 2001

D Regierig vo Graubünde het s Rumantsch Grischun als Amtssprooch vum Kanton welle feschtige. Ei Hinderniss isch de Artikel 23 vo de Kantonsverfassig gsi (Gesetz über die Ausübung der politischen Rechte im Kanton Graubünden), wo explizit s Surselvisch un s Ladin als d Sprooche vo Abstimmigsunterlage feschtglait het. De Artikel het miesse mit ere Volchsabstimmig gänderet werde. Die Änderig isch vo de Regierig so begründet worde, dass mer demit de Status vum Romanische im Kanton chönnti sterche un s Sutselvisch un Surmeirisch mee chönnti beruggsichtige[23].

Die Abstimmig het am 10. Juni 2001 schliessli stattgfunde, un isch mit 65% aagno worde. S Abstimmigsverhalte vo de Romane wird unterschidli interpretiert. D Befürworter hen argumentiert, dass vo de 5 Sproochregione numme d Surselva un numme 4 vo de 13 romanische Chreis d Vorlag aabglännt hätte. Als Gägenargument wird vo de Renata Coray un em Matthias Grünert aagfiert, dass wemmer numme die Gmeie beruggsichtigt, wo bi de Volchszäälig vo 2000 mindeschtens 30% romanischsproochig gsi sin, d Vorlag mit 51% ‚Nei‘-Stimme nit aagno worde wär. Bi Gmeie mit mindeschtens 50% Romane styygt de Aadeil vo ‚Nei‘-Stimme uff 54,1%, un wenn numme d Hauptsprooch beruggsichtigt wird sogar uff 57,1%. De Matthias Gründert interpretiert des so, dass „die in den rätoromanischen Kerngebieten lebenden Rätoromanisch Sprechenden...durch die übrige Bevölkerung majorisiert wurden[24]. Nooch de Abstimmig het d Regierig ab em 1. Juli 2001 s Rumantsch Grischun für d Abstimmigsunterlage un für s Rächtsbuech feschtgsetzt. Dass glychzitig aakündigt worde isch, mit de romanische Gmeie numme no uff Rumantsch Grischun z kommuniziere, isch vo de Gegner als Bruch vo Verspreche aagsänne worde, wyl d Regierig no im Auguscht 2000 feschtgsetzt gha het, dass s Rumantsch Grischun „vorallem dort verwendet werden soll, wo die gesamte romanische Bevölkerung angesprochen ist, während die Idiome im Verkehr mit einzelnen romanischen Personen, Gemeinden und Regionen weiterhin verwendet werden können[25].

S Konzept Haltiner vo 1999 isch vorerscht d Grundlag vo de kantonale Sproochpolitik blybe. D Lia Rumantscha het dergege uff e stercheri Verwändig vum Rumantsch Grischun in de Schuele drängt. Im Oktober 2002 het si e Grundsatzprogram verabschiedet, wo d Yyfierig ab de 1. Klass vo de Primarschuel gforderet worde isch. S Rumantsch Grischun isch als einzigi un warschynts au letschti Chance zur Sterchig vum Romanische bezeichnet worde[26].

En grosse Schub als Schuelsprooch het s Rumantsch Grischun deno dur Sparmassnaame vo de Bündner Regierig 2003 becho. Als eini vo 212 Massnaame, isch vorgschlo worde, d Lehrmittel für romanischi Schuele ab 2006 numme no uff Rumantsch Grischun ussezgee. Di logischi Konsequänz vo dere Massnaam isch natürli, dass s Rumantsch Grischun d Idiom als Schuelsprooch ersetzt. De Vorschlag isch sogar bi de Lia Rumantscha uff Abläänig gstosse, wo gmeint het, dass die Massnaam de Konflikt neu provoziere dät. Si het vo de Regierig gforderet, e klars Konzept zur Yyfierig vum Rumantsch Grischun als Schuelsprooch vorzlege. Einewäg het de Grossi Root de Entscheid im Auguscht 2003 aagno, un beschlosse d Lehrmittel sogar scho ab 2005 numme no in Rumantsch Grischun ussezgee.

De Entscheid isch uff enorme Wiiderstand gstosse, bsunders im Engadin, wo d Lehrerschaft über 4'300 Unterschrifte dergege gsammlet het. In dere Petition isch e Konzept zur Yyfierig vum Rumantsch Grischun in de Schuele gforderet worde, wo d Idiom als Hauptstütz vum Romanische beruggsichtige sött un vorallem dass de Lehrmittelentscheid zruggno wird[27]. De Grossi Root het die Petition im Februar 2004 zur Kenntniss gno worde, un d Regierig isch uffgforderet worde e Konzept z entwiggle. De Lehrmittelentscheid het aber nit sölle zruggno werde. Im Gägesatz zue friener, hen d Gegner vum Entscheid s Rumantsch Grischun nit prinzipiel abgläänt. Luut de Renata Coray sin fascht alli Gegner für s Rumantsch Grischun als Amtssprooch un als passivi Schuelsprooch gsi. Si sin aber gäge e Verdrängig vo de Schriftidiom dur s Rumantsch Grischun gsi, wo d Basis vum Romanische syge. Uff de andre Syte het vorallem d Regierig, de Grossi Root un d Lia Rumantscha s Rumantsch Grischun als einzigi Schriftsprooch in de Schuel welle yyfiere. Wyl si sich mit dere Position gäge d Meinig vum gröössere Deil vo de Romane gstellt het, isch au in Froog gstellt worde, ob d Lia Rumantscha no als Repräsentantin vo de Romane gälte chönnt[28].

2004 sin mehreri Befroogige in de romanische Gmeie duregfiert worde, so zum Byspil vo de Jungi CVP Surselva un vo de Lehrerkonferenze. Bi denne Befroogige isch s Rumantsch Grischun als Schuelsprooch im Engadin un in de Surselva mehrheitlich abgläänt worde. In Mittelbünde un warschynts au im Münstertal isch e Mehrheit defür gsi[29]. Im Juni 2004 isch e zweiti Petition aa de Grossroot grichtet worde, wo vo öbe 180 Persönligkeite unterzeichnet worde isch. Dezue hen au vili romanischi Intelektuelle un Kulturträger ghört, un vili wo ursprüngli Befürworter vum Rumantsch Grischun gsi sin[30]. Es isch gforderet worde, s Konzept Haltiner wiider uffzgryyfe, un de Lehrmittelentscheid zruggznee, demit nit in d Kulturautonomi vo de Gmeie yygriffe wird. D Petitionär hen gfürchtet, dass de Entscheid dezue fiert, dass statt em Rumantsch Grischun, vo de Gmeie Dütsch als Schuelsprooch yygfiert wird, un hen druff hygwyyse dass di romanischi Kultur dur d Idiom wytergee wird, un nit dur e gmeinsami romanischi Schriftsprooch wyl es kei gmeinsami romanischi Identität gäb[31]. S Rumantsch Grischun dät wäge däm s Romanisch schweche statt sterche. De Grossi Root het es aber abgläänt, de Entscheid no emool z diskutiere.

Stand: März 2012
  Gmeie, wo s Rumantsch Grischun als Schuelsprooch yygfiert hen
  Gmeie, wo imene Schriftidiom unterrichtet wird
  Gmeie, wo s Rumantsch Grischun yygfiert gha hen, aber e Ruggkehr zum Idiom beschlosse hen

Im Dezämber 2004 isch schliessli en Regierigsbschluss zur Yyfierig vum Rumantsch Grischun als Schuelsprooch gfasst worde. Es het drüü Etappe vorgsänne: „Rumantsch Grischun passiv“, „Rumantsch Grischun aktiv“ un „pädagogische Weiterbetreunung“. D Yyfierig het sölle in drüü Variante erfolge: „Pionier“, „Standard“ un „Konsolidierung“. D Gmeie hen also sälber chönne feschtsetze, wenn si die Variante yyfiere. De Entscheid, dass ab 2005 d Lehrmittel numme no uff Rumantsch Grischun ussegee werde, isch nit gäänderet worde. Als Argumänt sin aagfiert worde, dass mer sich nümmi fümf verschidni Schriftsprooche chönnt leischte, un dass d Resource für s Romanisch effizienter chönnte gnutzt werde. Es isch jetz au klar gsait worde, dass s Rumantsch Grischun d Schriftidiom ersetze söll, aber nit di gsprochene Idiom[32]. Vo de Lia Rumantscha isch de Entscheid begriesst worde. De Alexi Decurtins het de Entscheid dergege kritisiert, wyl s Rumantsch Grischun nit eifach numme e Orthographireform, sundern e neui Sprooch syg. Vo de Lehrer sin verschidni Reaktione cho. Bsunders d Engadiner Lehrerschaft isch empört gsi dass ihri Meinig vo de Regierig ignoriert worde wär. D Lehrer uss Mittelbünde sin dergege z friide gsi, un in de Surselva sin wenig Reaktione luut worde, was je nooch Position als Zuestimmig oder Resignation gwertet wird[33].

Im Schueljoor 2007/2008 hen 23 sognannti „Pioniergemeinden“ s Rumantsch Grischun als Schuelsprooch in de 1. Klass yygfiert. Im Schueljoor 2008/2009 sin 11 Gmeie dezuecho un im Schueljoor 2009/2010 6 wytri[34]. Die 40 Gmeie finde sich vorallem im Münstertal, z Mittelbünde un in de Gegend um Ilanz. In 41 Gmeinde im Engadin un im grööschte Deil vo de Surselva isch dergege wyterhin im Idiom unterrichtet worde. De Kanton het welle s Rumantsch Grischun bis 2020 aa allene romanische Schuele yyfiere[35]. Rächtlich isch es nit mögli, si dezue z zwinge, wyl d Waal vo de Schuelsprooch z Graubünde e Kompetenz vo de Gmeie isch.

[ändere] Kehrtwendi in de Schuelpolitik ab 2011

E Plakat vum Verein „Pro Idioms“

Aafang 2011 isch vo Gegner vum Rumantsch Grischun de Verein Pro Idioms gründet worde, wo d Uffhebig vum Lehrmittelentscheid vo 2003 gforderet het. De Verein het deno yy verschidene Gmeinde Initiative lanciert, wiider zue de regionale Idiom als Schuelsprooch zruggzgo. Als Gägereaktion hen d Befürworter im April 2011 e Manifescht „Pro rumantsch“ lanciert[36]. Als erschti Gmeind het deno d Oberländer Gmeind Riein am 24. April 2011 inere Abstimmig sich entschlosse, wiider uff Surselvisch z unterrichte[37]. Im Herbscht isch usserdäm e Studie vo de Universität Fryyburg veröffentlicht worde, wo insgsamt zum Schluss cho isch, dass keine vo beide Schueltype unbedingt en Vordeil gägenüber em andre het.

Im Dezämber hen sich deno vier wyteri Gmeinde in de Surselva zunere Ruggkehr zum Surselvische entschlosse; Laax allerdings het nooch ere Abstimmig s Rumantsch Grischun welle bybhalte[38]. D Lia Rumantscha het in de Zwüschezit en Kompromissvorschlag gmacht, wo s Rumantsch Grischun d Idiom nit als Schuelsprooch ersetze, sundern numme ergänze söll. Begründet worde isch de Kursweggsel mit em joorelange Stryyt um die Froog, wo Fründschafte un Familie dät zeryyse[39]. De Grossi Root het deno im Dezämber 2011 mit 63 zue 47 Stimme de Entscheid vo 2003 zruggno, womit de Kanton au wiider Lehrmittel in de Idiom sött zur Verfiegig stelle[40].

Insgsamt hen bis zum März 2012 vierzää Gmeinde e Ruggkehr zum Idiom beschlosse; in mehrere andre isch d Initiativ no am laufe. Zue dänne Gmeinde ghört mit em Münschtertal au die Gmeind, wo s Rumantsch Grischun als erschti als Schuelsprooch yygfiert het un als Vorzeige-Gmeind gholte het. Befürworter vum Rumantsch Grischun hen im Münschtertal deno aakündigt, vorem Bundesgericht dergäge z chlage[41].

[ändere] Quelle

  • Coray, Renata; Institut für Kulturforschung Graubünden ikg (Hrsg.): Von der Mumma Romontscha zum Retortenbaby Rumantsch Grischun: Rätoromanische Sprachmythen. Casanova Druck und Verlag AG, Chur 2008, ISBN 978-3-905342-43-7 (647 Seiten).
  • Grünert, Matthias. Picenoni, Mathias. Cathomas, Regula. Gadmer, Thomas.: Das Funktionieren der Dreisprachigkeit im Kanton Graubünden. In: Romanica Helvetica. 127, Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG, Tübingen 2008, ISBN 978-3-7720-8303-7 (647 Seiten).
  • Liver , Ricarda: Rätoromanisch – Eine Einführung in das Bündnerromanische. Gunter Narr, Tübingen 1999, ISBN 3-8233-4973-2 (online).

[ändere] Weblinks

[ändere] Fuessnote

  1. Coray (2008). pp. 110-117
  2. Coray (2008). pp. 125
  3. Jachen Curdin Arquint in Schläpfer & Bickel 2000, pp. 250-251
  4. Coray (2008). pp. 130
  5. Coray (2008). pp. 135-137
  6. Liver (1999). pp. 71
  7. Liver (1999). pp. 69-71
  8. Coray (2008). pp. 139-140
  9. Coray (2008). pp. 144
  10. Coray (2008). pp. 146
  11. Coray (2008). pp. 148
  12. Coray (2008). pp. 148
  13. Coray (2008). pp. 149
  14. Coray (2008). pp. 153
  15. Coray (2008). pp. 387-394
  16. Coray (2008). pp. 150
  17. Coray (2008). pp. 155
  18. Coray (2008). pp. 154
  19. Coray (2008). pp. 160
  20. Grünet et al. (2008). pp. 360
  21. Coray (2008). pp. 177-178
  22. Coray (2008). pp. 183
  23. Coray (2008). pp. 173
  24. Grünert et al. (2008). pp. 368
  25. Grünert et al. (2008). pp. 366
  26. Coray (2008). pp. 184-185
  27. Coray (2008). pp. 195
  28. Coray (2008). pp. 195-196
  29. Coray (2008). pp. 200-202
  30. Coray (2008). pp. 204
  31. Coray (2008). pp. 203
  32. Coray (2008). pp. 210
  33. Coray (2008). pp. 210-215
  34. http://www.gr.ch/DE/publikationen/berichte/Documents/Landesbericht_2009.pdf
  35. http://www.drs.ch/www/de/drs/streitpunkt-rumantsch-grischun/260253.208496.rumantsch-grischun-bis-2020-an-allen-romanischen-schulen.html
  36. http://www.drs.ch/www/de/drs/streitpunkt-rumantsch-grischun/260253.260077.rumantsch-grischun-befuerworter-machen-mobil.html
  37. http://www.drs.ch/www/de/drs/streitpunkt-rumantsch-grischun/260253.280276.riein-sursilvan-soll-zurueck-an-die-schule.html
  38. http://www.drs.ch/www/de/drs/streitpunkt-rumantsch-grischun/260253.309900.laax-behaelt-rumantsch-grischun.html
  39. http://www.drs.ch/www/de/drs/streitpunkt-rumantsch-grischun/260253.305619.moegliche-wende-im-streit-um-rumantsch.html
  40. http://www.suedostschweiz.ch/politik/ruckschlag-fur-rumantsch-grischun-den-volksschulen
  41. http://www.tagesschau.sf.tv/Hintergrund/Abstimmungen/Abstimmung-vom-11.-Maerz-2012/Muenstertal-GR
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