Kunstgschicht

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Bordret vom Giorgio Vasari, 1571–74, Uffizie, Floränz

D Kunstgschicht oder Kunstwüsseschaft isch e gäisteswüsseschaftligi Diszipliin, wo Archidekduur, Bildkünst und -medie wie au kunsthandwärkligi Objekt undersuecht, zämme mit iire Theorie und Braktike vom Middelalter bis in d Geegewart. S Spektrum vom kunsthistoorische bzw. kunstwüsseschaftlige Schaffe goot vo formaale und ikonograafische, stilistische und materielle Analüüse über entwurfstheoreetischi, kunstpraktischi und rezepzioonsestheatischi Undersuechige bis aane zu soziaale, politische und gsellschaftlige Interpretazioone vo Kunst und Archidekduur in iire lokaale, regionaale und globaale Zsämmehäng.

Joachim von Sandrart, 1675

Geegeständ und Ziil[ändere | Quälltäxt bearbeite]

D Gschicht vo dr Bildende Kunst vollzieht sich dur d Veränderig vo dr gsellschaftlige Funkzioon und dr Stellig vo dr Kunst, dr theoreetische Uffassig über sä und dur d Entwigglig vo de Kunstforme und Stiilrichdige. S Ziil vom Fach Kunstgschicht isch s, d Inhalt vo de künstlerische Objekt uusezfinde (Ikonografii), iiri formaali Gstaltig z bestimme, d Wärk in Ruum und Zit iizordne und iirer Rezepzioon noochezgoo. Drbii findet mä uf dr äinte Site stilistischi Zsämmehäng und uf drandere brobiert mä, dr histoorisch Kontext as Vorussetzig vom ene Kunstwärk z gsee oder iin iibezie, zum s Wärk z verstoo.

Im Geegesatz zur Kunstkritik suecht sich d Kunstgschicht mäistens histoorischi Geegeständ us oder brobiertt weenigstens, wüsseschaftligi Methode bi zitgenössische Theme aazwände. Drbii isch äim klaar, dass au e wüsseschaftligi Rezepzioon und Interpretazioon sälber vo dr Zit abhänge.

Johann Joachim Winckelmann, Bordret vom Anton von Maron, 1768

Die klassische Undersuechigsobjekt vo dr Kunstgschicht si öiropääischi und vorderasiaatischi Wärk vo dr Moolerei und Graafik, Bildhauerei und Baukunst in dr Zit vom früeje Middelalter bis zur Geegewart. D Gschicht vo dr Archidekduur isch e zentraale Däiil vo dr Kunstgschicht. Sit öbbe dr zwäite Helfti vom 19. Joorhundert wärde au Geegeständ us de Chilleschetz, die sognennti Chläikunst, analüsiert. D Voor- und Früegschicht behandlet die künstlerischi Entwigglig vor em Ufdauche vo dr Schrift. D Archeologii und d Egüptologii gäbe sich mit dr künstlerische Entwigglig vo de früeje Hoochkultuure im Middelmeerruum ab. D Kunstgschicht widmet sich dr Erforschig vo dr histoorische Entwigglig vo dr europääische Kunst vo dr Zit aa, wo s Christedum im 4. Joorhundert im Röömische Riich Staatsreligioon worde isch. In dr Geagewart erweiteret sich s undersuechte Gebiet uf die kulturelle Iiflusszoone vo dr sogenannte westlige Hemisfääre, also öbbe uf Amerika oder die zitgenössische Künstler uf dr ganze Wält, wo Däil vom Kunstmäärt si.

D Kunst vo nitöiropääische Kultuure und Länder wird usserhalb vo deene Länder in de respektiive Landeskunde (Sinologii, Arabistik, Afrikanistik usw.) miterforscht oder in übergrifende Diszipliine wie dr Ethnologii. D Kunstgschicht het sit dr erste Helfti vom 20. Joorhundert au anderi Kultuurkräis afo behandle, wie die Afrikaanischi oder Asiaatischi Kunstgschicht. Drüüber uuse wärde nöiji Daarstelligsforme wie d Fotografii, d Mediekunst und Gattige, Kunstgwärb, Disäin undersuecht. Jüngsti Entwigglige gseen in dr Kunstgschicht au e Bildwüsseschaft, wo Funkzioone und Entwigglige analüsiert, unabhängig vom Kunstcharakter vom ene Bild.

D Gschicht vo dr Kunstwüsseschaft[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Dr John Ruskin, 1874 fotografiert vom Lewis Carroll
Aby Warburg um 1900

D Begriff Kunstgschicht oder Kunstwüsseschaft si im 19. Joorhundert entstande und göön uf e Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) zrugg, wo in sine Wärk über d Kunst do dr Antike zum erste Mol genaueri stiilgschichtligi Undersuechige gmacht het. Dr erst dütsch Kunsthistooriker, wo au gmoolt het, isch woorschinlig dr Joachim von Sandrart gsi, wo in sim theoretische Hauptwärk über die Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild und Mahlerey-Künste vo 1679 as erste über dütschi Künstler und Kunststiil gschriibe het. Am Ändi vom 18. Joorhundert het dr Johann Dominik Fiorillo an dr Uniwersidäät Göttinge d Grundlaage für d Kunstgschicht as akademischs Fach gläit. D Kunsttheorii isch vor allem vom Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, vom Johann Gottfried Herder und de Romantiker usgange.

D Grundlaage für d Kunstwüsseschaft häi dr Carl Friedrich von Rumohr und dr Gustav Friedrich Waagen gläit. Zur Fachwüsseschaft isch si dur Histooriker wie dr Jacob Burckhardt, dr Herman Grimm und dr Carl Justi worde, wo d Kunst Däil vo dr Kultuurgschicht gmacht häi. Drzue isch cho, ass überliifereti Kunstwärk, wo äng mit em Kunstsammle verbunde gsi si, antikwaarisch gsichdet und iigordnet worde si. Eso isch die positiwistischi und kennerschaftligi Kunstgschicht entstande. E driddi Wurzle vo dr Kunstgschicht isch us dr Filosofii und dr Esthetik gwaggse, wo dur e Heinrich Gustav Hotho, dr Karl Schnaase verdräte worde si. Au e Hufe spööteri Kunsthistoriker häi Kunstgschicht und Filosofii studiert, wie dr Heinrich Wölfflin.

Liddratuur[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Lexikoon
  • RDK Labor vom Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte
  • Ulrich Pfisterer (Uusegääber): Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen. Methoden. Begriffe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003.
  • B. Reudenbach (Uusegääber): Geschichte der Bildenden Kunst in Deutschland – Karolingische und Ottonische Kunst. Prestel Verlag, Münche 2009.
  • B. Klein (Uusegääber): Geschichte der Bildenden Kunst in Deutschland – Gotik. Prestel Verlag, Münche 2007.
  • K. Krause (Uusegääber): Geschichte der Bildenden Kunst in Deutschland – Spätgotik und Renaissance. Prestel Verlag, Münche 2007.
  • A. Beyer (Uusegääber): Geschichte der Bildenden Kunst in Deutschland – Klassik und Romantik. Prestel Verlag, Münche 2006.
  • H. Kohle (Uusegääber): Geschichte der Bildenden Kunst in Deutschland – Vom Biedermeier zum Impressionismus. Prestel Verlag, Münche 2008.
  • B. Lange (Uusegääber): Geschichte der Bildenden Kunst in Deutschland – Vom Expressionismus bis heute. Prestel Verlag, Münche 2006.
Iifüerige und Methoode
  • Marcel Baumgartner: Einführung in das Studium der Kunstgeschichte. König, Köln 1998.
  • Springers Handbuch der Kunstgeschichte in Einzeldarstellungen. Stuttgart 1961.
  • Heinrich Wölfflin: iarchive:kunstgeschichtl00wlgoog|Kunstgeschichtliche Grundbegriffe. 5. Aufl., Hugo Bruckmann, Münche 1921.
  • Hans Belting, Heinrich Dilly, Wolfgang Kemp, Willibald Sauerländer, Martin Warnke (Kunsthistoriker)|Martin Warnke (Uusegääber): Kunstgeschichte – Eine Einführung . 7. überarb.und erw. Aufl., Reimer, Berlin 2008, 440 S., ISBN 978-3-496-01387-7; Standardwerk und Einführung in die Methodik der Kunstwissenschaft .
  • Lorenz Dittmann (Uusegääber): Kategorien und Methoden der deutschen Kunstgeschichte 1900–1930. Eine Einführung. Berlin 1986.
  • Jutta Held, Norbert Schneider: Grundzüge der Kunstwissenschaft, UTB, Böhlau 2007, 603 S., ISBN 978-3-8252-2775-3.
  • Thomas Zaunschirm: Kunstwissenschaft. Eine Art Lehrbuch. Klartext, Essen 2002.
  • Anja Zimmermann (Uusegääber): Kunstgeschichte und Gender: eine Einführung Reimer, Berlin 2006.
  • Michael Hatt, Charlotte Klonk: Art history. A critical introduction to its methods. Manchester University Press, Manchester 2006, ISBN 0-7190-6959-9, Rezension.
  • José Pijoan (Uusegääber): Arte. Die Kunstgeschichte der Welt. Grammont Verlag und Salvat Editores S. A., Lausanne 1979, ISBN 2-8270-0539-5.
  • Oliver Grau (Uusegääber): MediaArtHistories, MIT-Press, Cambridge/Mass. 2007.
  • Julia Allerstorfer, Monika Leisch-Kiesl (Uusegääber): »Global Art History«. Transkulturelle Verortungen von Kunst und Kunstwissenschaft, transcript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4061-8.
  • Andreas Beyer: In welcher Sprache sollen wir sprechen? Zur wissenschaftlichen Koine der Kunstgeschichte. In: ders.: Die Kunst zur Sprache gebracht. Uusegee vo dr Lena Bader, Johannes Grave und Markus Rath. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2017, ISBN 978-3-8031-2784-6, S. 11–36.
  • Ulrich Pfisterer: Kunstgeschichte zur Einführung, Junius Verlag, Hamburg 2020, ISBN 978-3-88506-705-4.
  • K. Lee Chichester und Brigitte Sölch (Uusegääber): Kunsthistorikerinnen 1910–1980. Theorien, Methoden, Kritiken. Bd. 1. Berlin: Reimer Verlag 2021, ISBN 978-3-496-01636-6.
Gschicht vo dr Kunstgschicht
  • Udo Kultermann, Die Geschichte der Kunstgeschichte. Frankfurt Berlin Wien 1981.
  • Donald Preziosi: The art of art history: a critical anthology. Oxford University Press, Oxford [u. a.] 1998.
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  • Georg Kauffmann (Autor) und Gemeinsam Kommission der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Gerda Henkel Stiftung (Uusegääber): Die Entstehung der Kunstgeschichte im 19. Jahrhundert. Opladen 1993.
  • Hubert Locher: Kunstgeschichte als historische Theorie der Kunst: 1750–1950. Fink, Münche 2001.
  • Ulrich Pfisterer: Die Kunstliteratur der italienischen Renaissance: eine Geschichte in Quellen. Reclam, Stuttgart 2002.
  • Nikola Doll, Christian Fuhrmeister und Michael H. Sprenger (Uusegääber): Kunstgeschichte im Nationalsozialismus. Beiträge zur Geschichte einer Wissenschaft zwischen 1930 und 1950. Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2005, ISBN 3-89739-481-2; Rezension James A. van Dyke in: Kunstchronik Band 60, 2007, Heft 1, S. 27–32 Ustellige.
  • Martin Papenbrock, Norbert Schneider (Uusegääber): Kunstgeschichte nach 1968. (= Kunst und Politik. Jahrbuch der Guernica-Gesellschaft), V & R Unipress, Göttinge 2010, ISBN 3-89971-617-5.

Weblingg[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Fuessnoote[ändere | Quälltäxt bearbeite]