Madlee

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Madlee
Orginalusgob
Orginaltitel Madlee – Alemannische Gedichte
Genre Gedichte
Autor Hermann Burte
Orginalsproch Alemannisch
Erschinigsjoor 1923

Madlee isch e alemannischi Abkirzig vum Maidlinamme Magdalena. So heißt aü e Gedichtband vum Hermann Burte, wu 1923 rüskumme isch. Dr vollständig Titel: Madlee – Alemannische Gedichte.

Mit däne Gedichter het dr Burte noch em Johann Peter Hebel e wittere Hegschtpunkt fir d alemannisch Dialäktdichtig gsetzt. Dr het, so schribt dr Richard Gäng, „eine nie geübte Vertiefung, Ballung und Verdichtung der Sprache“ erreicht. Aü si Themewahl isch revolutionär. Bim Hebel hets in dr Dialäktdichtig no kenni Rätsel ohni Lesig gä, schribt dr Gäng, alles seig in dr Ornig vum Gsetz un vu Gott gstande, s Guet heb iber s Bes alliwiil d Oberhand gwunne. Dr Burte aber diäg soziali Froge biäte, d Schrei vu dr Quälte un Rächtlose dransportiäre un diäg aü derte no s Bild vum Mänsch ufstelle, wu d Obrigkeit un d Spiißer numme Verirrig oder Schuld sähne.

Zitat üs em Burte sinene Gedichter[ändere | Quälltäxt bearbeite]

D Madlee vo 1923 un vo 1933

Diä Gedichter sin ab 1905, diä meischte aber um 1913 entstande. Im Wältkriäg isch aber ke gueti Üssicht uf dr Absatz vum e alemannische Gedichtband gsii – wäge däm het dr Verleger Gideon Karl Sarasin zegeret, drotz ass er – e gebirtige Basler – vu däne Gedichter begeischteret gsii isch. Wäge däm isch des Buech erscht im Spotjohr 1923 erschiine.

Si erscht Gedicht isch em z Paris im Jardin de Luxembourg kumme, un s losst aü ahne, wurum:

Um ein umme lyt e Hüüsermeer,
Suust un bruust e wilde Wältsvercheer,
Aber s’Härz isch schwer un d’Seel isch leer,
Wenn I numme uf der Lucke wär!
(...)
Seecht I vor mer liege s’Haimethland
Hoch vom Blaue bis an d Isteiwand,
Zsämmeghalte vom e gstromte Band,
S würd nit besser, bis I dobe stand!
(...)
(D Lucke isch e Pass zwische nem Wiise- un Chandertal)


Dr Titel vu däm Gedicht isch "Sehnsucht in der Fremde".

Dr Buechtitel, Madlee, stoht as lebändigi Verkerperig vum Volk un vum Land, het dr Burte esälber emol gsait. Im „Vorspiel“ zeigt dr Dichter, wiän er Sproch, Härz un Heimet verquickte will:

Es lyt en Acher brooch,
Dä mueß me struuche.
My liebi Muedersprooch,
Die willi bruuche!
Im Faß inn lyt e Moscht
Dä het verjäse,
Jetz will ans Liecht bigoscht
Sy lutter Wäse.
E Schiffli zieht sy Garn
E Pflueg sy Fuhre
E Rehndli schliicht dur Farn
Und Ufwuchs dure –
Es quillt my Bluet im Härz
As innere Brunne
Im Bulse lachts un plärts
Un will an d’Sunne:
O Wiese Wald un Wy
Dihr liebe Brüeder!
Waih Wind un ruusch o Rhy
Dur myni Lieder!
verjäse = vergore; bigoscht = bi Gott!; Schiffli, Garn = üs dr Textiltechnik


Im Burte sini Theme in däm 450 Sitte starke Band sin wit gstreit. Si sin in fimpf Bleck gordnet: „Die Berufung der Madlee“, „Volk“, „Weib“, „Gott“ un „Ich“ – sini Titel sin, wiä bim Hebel, hochditsch. Do findsch vu Liäbesliädli iber soziali Aklag un Büürestolz bis zum Verzwiiflungsschrei un dr Hoffnig alles, was s Läbe biätet.

Im Gedicht „Pfarrer und Dirne“ zeigt dr Burte, ass dr Unterschiid zwische dr Huere un däm, wu uf dr Sunnesitte stoht, nit groß mueß sii:

(...)
Es isch, my düüri Seel, kai Schläck,
Die Arbet, woni leischt:
I schleipf der Körper dure Dreck –
Un Anderi der Geischt.
E Menge, wo wer weiß wie wyt
Vor eusereim vertlauft
Het Lyb un Seel uf Läbeszit
Verrothe un verchauft
Um Geld un Guet um Stärn un Band
Um Dünkel Ehr un Glanz,
Herr Pfarrer, mihr in Sünd un Schand
Erläbes halt, was Lands.
Schläck = Gleinigkeit

Des losst sich uf alli Mänsche üs allene Barteie awände, nit z letscht uf dr Dichter esälber.

Zu sinere Zit hän no alli Lit gwisst, ass d biblisch Maria Magdalena e lichti Fraü gsii isch un ass dr Jesus diä nit ringer gachtet het wiä anderi:

Un wenn der fründli Gott un Heer
Der Heiland, würdi cho,
Un nonemol so gneedig weer,
Es giengt em nomol so:
Es wurd em wieder Schand un Spott
Vo mengem Hailige gscheh,
Ich aber, wenn ers liide wott,
Weer sy Marei Madlee.

Im Burte sini alemannische Gedichter hän vordergrindig normalerwiis kei politische Inhalt, die meischte aü hintergrindig nit. Aber wänn er zum Biispiil in "Der Hotzenblitz" e Vatter bschribt, wu si Hüüs un si Hof gnumme bikunnt un sini Kinder vor dr Üssicht stehn, e eländigs Läbe as Induschriiarbeiter z fiähre, no het des scho entfernt ebis mit Bolitik z due. Dä Vatter empfihlt sinene Kinder, Sozialischte z wäre un esach dr Herre zruck z zahle:

(...)
"Zeig, hület nit, morn göhntder in d’Fabrik,
Un werdet Sozze, lehret Poch un Trutz;
Prolete sindder, machet ychs denn z’Nutz,
Un hauet dene Heerlene ins Gnick ...
(...)
Ais, Chinder, goht mer über der Verstand:
Wer meint me, wemme redt vom Vaterland?
Mys Vaters Land, das nimmt er mir jo grad
Im Schacher und im Wuecher hilft der Staat;
Eus Champf und Arbet, selle der Profit ...
Er stiehlt my Sach für ihns, no simmer quitt!"

Im Burte si alemannischi Dichtersproch[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Im Burte si alemannischi Dichtersproch fueßt uf em Wiisetääler Dialäkt vu Muulburg – er stoht zweifach – vu sinere Dialäktspiiart un vu sinere dichterische Greßi här dicht näbe sinem Wiisetäler Dalgnoss Hebel. Dr Sangallemer Dichter Georg Thürer het no 1993 gfrogt, eb mer do s griän Wiisedal „angesichts seines unvergleichlichen Beitrags an die alemannische Mundartdichtung“ nit mit Fueg in Rächt as „die Herzlandschaft im Reiche der alemannischen Sprache“ kennt bezeichne.

Friili kunnt in s Burtes Dichtig d Sproch nit alliwiil eso drhär, wiä si s eifach Volk gschwätzt het; dr het etligi neiji Werter üsdänkt, aber noch alemannischem un nit no standardditschem Vorbild. Si Sproch duet dichterisch zämmeballe.

Dr Burte het nit agsträbt, mit sinene Gedichter vu Nit-Alemanne verstande z wäre. Dr het si numme fir d eige Landsmannschaft gschriibe. Dr Gäng meint, dr Burte seig vum Hochditsche här viil schwärer z verstoh wiä d große niiderditsche Dichter Fritz Reuter (1810-1874) un Gorch Fock (1880-1916). Wäge däm un wel er numme Lyrik un kenni Gschiichte uf Alemannisch gschriibe het, heb er ke so gsamtditschi Breitewirkig kenne erreiche wiä sälli. Friili isch am Schluss vu dr Madlee e alemannisch-hochditschi Lischte mit mehrere hundert Werter; des Glossar isch vu Uflag zu Uflag no erwitteret wore, z letscht vu dr Magdalena Neff.

Noch dr Madlee het dr Burte ke verglichbari Sammlig meh gschaffe un vereffentligt; dr het aber no ab un zue ebis uf Alemannisch dichtet un an verschiidene Stelle publiziärt, so in dr Zitschrift Der Markgräfler. Im Bändli "Die Seele des Maien", wu 1950 un — erwitteret — 1982 erschiine isch, sin no e baar Dutzed alemannischi Gedichter üs verschiidene Johrzehnte gsammlet — alli vordergrindig zum Thema Johann Peter Hebel. Do drbii isch aü s Schlisselgedicht Hebel rassisch!. E baar alemannischi Gedichter hets aü in s Burtes letschtem Wärk, "Lied aus Murperg" (1959).

Dr Erfolg un d Rabsetzig vu dr Madlee[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Viil vu dr Gedicht vum Buete hän mit ihrenem Realismus, ihrere ungschminkte Üssag mänk e fiine Mänsch schockiärt. D Madlee seig in dr 20er Johr viilmol vu Alte abglähnt wore, vu dr Junge drgege begeischteret ufgnumme wore, schribt dr Richard Gäng.

Bi dr Literatür-Gritiker isch im Burte Hermann si Gedichtsammlig ebefalls glii uf begeischtereti Ufnahm gstoße. Dr Otto von Greyerz, e Bärner Literatürhischtoriker un Verfasser vu verschiidene Arbete zum Bärner un zum Dialäkt allgmein, het grad si „Die Mundartdichtung der deutschen Schweiz“ gschriibe gha (rüskumme z Frauefäld und z Leipzig 1924), wu d Madlee iigschlage het. Dr schribt drno in dr „Schweizerische Monatshefte“:

„Dem alemannischen Badenerland ist in Hermann Burte ein Mundartdichter von so starker und üppiger Eigenart entstanden, daß man alle Vergleiche aufgeben muß.“

Dr von Greyerz schliäßt diä zwelft Sitte lang Bsprächig ab mit dr Wort:

„Dieses Buch Madlee ist eine ganze Welt für sich, mit knappen Rezensentensätzen nicht zu erschöpfen. Es ist eine alte Welt, weil altes, untergehendes Volkstum darin lebt, und ist eine neue Welt, weil eine neue, nie gesehene Kunst darin erwacht. Es ist ein Buch voller Widersprüche, Kühnheiten und Gewagtheiten, strotzend von Geist und Leben, in der ganzen deutschen Mundartdichtung einzigartig.“

Witteri bergeischtereti Rezensione hets vum Innerschwizer Lyriker Meinrad Lienert in dr Neue Zürcher Zittig gä, vum Friiburger Schriftsteller Hermann Eris Busse in dr Badischen Heimat, vum Basler Volkskundler Eduard Hoffmann-Krayer – sälle schribt:

„Mitten in der allgemeinen Zerbröckelung und Verflachung der lokalen Dialekte, und hier sogar in einem industriereichen Tal, entsteht in Burtes Sprache die alemannische Mundart zu üppigstem, farbenprächtigstem Leben.“

1924 het d philosophisch Fakultät vu dr Universität Friiburg i.B. im Burte wäge sinere alemannische Dichtig dr Ehredokter verliihe.

Im Burte si Mitwirkig im Nationalsozialismus het noch 1945 erscht emol d Wärtschetzig vu sinere alemannische Dichtig nit beiiträchtigt. Sini alemannische Gedichter hän jo aü ke politische oder gar staatspolitische Charakter, dr Burte esälber het – do wiist dr Georg Thürer druf ani – 1938/39 notiärt: „Es war mir klar, daß dieses Buch in der Mundart niemals eine großdeutsche Sache sein konnte, weil es zu sehr das Besondere der Sprache hervorzuheben bestrebt war.“

1954 schribt dr Prof. Wilhelm Altwegg, dr Bräsidänt vu dr Basler Hebelstiftung, im e Briäf an dr Burte, ass er sich mit sinere keschtlige Madlee „neben den Unvergleichlichen“ gstellt heb – do isch dr Hebel gmeint.

„Einen Ebenbürtigen dürfen wir Sie nennen, gerade weil Sie nie in der bloßen idyllischen Hebelnachahmung stecken geblieben sind, sondern weil Sie in unserer eigentlichen Muttersprache, dem unverfälscht kernigen Alemannischen mit all seiner Kraft unsere heutige Zeit und Ihr eigenes Wesen in den Bereich der Poesie gehoben und sie darin bleibend aufbewahrt haben.“

Dr Rupert Gießler, dr Chefredakteer vu dr Badische Zittig, schribt 1961, wu dr Burte gstorbe isch, im Burte si greschti Leischtung seig „die Erneuerung der alemannischen Sprache im Gedicht“ gsii.

Dr Nathan Katz, e jüdische elsässische Dichter, schribt noch anne 1978, im Burte sini alemannische Gedichter seige „das vollendetste und schönste, was seit dem Tod Hebels geschaffen wurde.“

Diä un viil anderi Stellungnahme in dr 50er bis 80er Johr, abgä vu Mänsche, wu im Burte sini Dialäktgedichter fir großi Dichtig halte, hän nit kenne verhindere, ass im Burte si alemannischi Dichtig üs em effentlige Raüm verschwunde isch. 1978 un 1989/1990 hän heißi politischi Debatte drzue gfiärt, ass im Burte si Namme as Schuelnamme un zum Deil ass Stroßenamme het miäße verschwinde. Mit droffe hets si alemannischi Dichtig.

Zum Schluss noch e Urteil vum Matthias Spranger, wu bim Südweschtfunk zueständig gsii isch firs alemannisch Herspiil. Sälle schribt 1995:

„Ich will an der Behauptung, daß seit Hebel keiner so gute alemannische Dialektgedichte geschrieben habe wie Burte, nichts aussetzen. Geschenkt.
Ich finde ‚Madlee’ nicht aufregend. Formal orientiert sich der Dichter an überkommenen Mustern, freilich ist er mit allen Verswassern gewaschen, eine riesige Varietät von (heute vielfach schon untergegangenen) Dialektwörtern steht ihm zur Verfügung. Sein Sprachspiel ist trotz einer gewissen Artistik nie leicht. Oft steuern seine ächzenden Dialektgebilde auf eine ziemlich banale Pointe hin. (...) Weshalb sollte einer, der das Zeug zum Faschisten hat, nicht ordentliche Gedichte schreiben dürfen, Tiefempfundenes in sprachmächtiger Weise?“

D Madlee isch – as einzigs Buech vum Burte – hit (2007) no im Handel vu neije Biächer.

Lueg aü[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Hebel rassisch! – e alemannischs Gedicht vu 1938, wu dr Burte dr Rassebegriff vu dr Nazi uf dr Arm nimmt.

Literatür[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  • Richard Gäng: Der Mundartdichter Hermann Burte. In: Badische Heimat – Eckkart – Jahrbuch für das Badner Land 1959. Rüsgä im Uftrag vum Landesverein Badische Heimat vum Dr. H. Schwarzweber, Freiburg i.B.
  • Auszüge aus Dokumenten im Nachlaß von Hermann Burte. Hermann-Burte-Gesellschaft. Lörrach 1978 (Heft).
  • Georg Thürer: Geleitwort zur Neuauflage von „Madlee“. In: Hermann Burte: Madlee – Alemannische Gedichte. Binsen 1993.
  • Matthias Spranger: Dackeli, chly Gwackeli und ewiger Burte. Ein neuerliches Aufstöhnen. In: Allmende 24/1995.

Bemerkig zum Urheberrächt[ändere | Quälltäxt bearbeite]

S Urheberrächt fir d Wärk vum Hermann Burte lit bi dr Hermann-Burte-Gesellschaft. Diä zitiärte Gedichtstext do stehn wiä alli Wikipedia-Text unter dr GNU-FDL, si sin vum Albärt mit dr Erlaübnis vum 26. Oktober 2007 vu dr Burte-Gsellschaft unter däre Lizens vereffentligt.