Lischte vu Uusdrick vun de Schiffsleit uf em Bodesee

Us der alemannische Wikipedia, der freie Dialäkt-Enzyklopedy
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dialäkt: Bodeseealemannisch

Mit Schiffsleit sind die Besatzunge vun de alte Laschtesegler (Lädi und Segi) und au uff dere motorisierte Nachfolger (Schäeff), d’Fahrgaschtschiff (Dampf- und Motorschiff), aber au d’Fischer und Sägler gmeint, wo uf em Bodesee underwägs sind. Viele seealemannische Uusdrick sind, wie de Dialekt im Allgemeine, sälte odder nimme im Gebruuch. Oft liegts au dodra, dass die spezielle Uusdrick nimme vum Schiffsmeischter odder vum Vatter zum Sohn wittergäbbe weret, sondern us de hochdeutsche Fachliteratur, die für alle Revier gilt und vun de Küschteschifffahrt und de dortige Bezeichnunge prägt isch. Dodefir soll die Lischt au dem regionale Bewahre und dem Verschtande vu alte Text diene. Die Uusdrick sind aber it ieberall gliech am See, si sind underschidlich im badische Seeteil, um Fridrichshafe, Lindau, Bregenz, Rorschach und im Thurgau.

Seealemannische Uusdrick und Erläuterunge[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Vum See und’m Wätter[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Uusdruck Erläuterung
de See de Bodesee
unte und obbe unte im Weschte (Untersee, Überlingersee) und obbe im Oschte (Obersee)
Hang de Uferberich, wo im Winter beim nidere See trocke isch
Gründ oder Haldinen de Berich, womer no im Wasser schtande kaa
Wysse flache, helle ("wysse") Berich zwischem Ufer und de Halde; am Obersee breit, am Überlingersee schmal
Kräb Wysse mit Wasserpflanze, vor allem am Untersee
Halde schteil abfallende Seegrund nach de Wysse
im blaue Wasser,
Hoher See
im tiefe Seeberich nach de Halde, tiefer als 25 Meter
halber See Seemitte
Schweb a flache Bodewann am Rand zum Seebecke
Seebecke, tiefe Schweb di tiefschte Schtelle im See
Berg e Untif oder Landzung unterm Wasser (Teufelstisch)
Rain en Berg im Untersee (Zeller Rain)
Findling en einzelne große Schtei; isch sit de Iiszit unterm Wasser vun de Wysse
Horn, Spitz e Landzung (Kippehorn, Rhyspitz)
Loch, Winkl e Bucht (Fischbacher Loch, Markelfinger Winkl)
Grabe e natürliche oder künschtliche Fahrrinn
es Wasser rinnt d'Seeschtrömung, meischt ge Weschte
Abirus / Uffirus es Rinne nachm längere Wescht-/Oschtwind; Winddrift
de See läuft aa und ab de Seeschpiegl hebt und senkt sich glichmäßig
ans Glas klopfe de Barometer z'Roat ziehe
de Luft; es luftet de Wind; de Wind blosed
en lätze Luft Gegewind oder en drehende Wind
weihe wehe
verweiht wägem zu schtarke oder lätze Luft kaa mer it usse mitm Schiff
en helle Luft en kräftige Schäwetterwind vum Weschte her
es kunt ge saue es kündigt sich schlächts Wätter aa
e dunkle Wand uffziends Gwitter im Weschte
Bloascht d'erschte Windschtoß vun em Gwitter
en Hack; es hackt Schturm; s'isch schtürmisch
Unterluft, Weschter Weschtwind vu unteruff
Kalter Thurgäuer en raue Luft vu Südwescht
Ferderwisse schäumige Wellekämm bim schtarke Wind
a Schwicke en Windschtoß, e Bö
Oberluft, Oschter Oschtwind: bschtändig und im Winter saukaalt
Oortpratschler,
Nordprasseler
en schtarke Nordwind am Nordufer
Oortluft Oabendthermik vum Land zum See
Seewind Thermik aneme sunnige Morge vum See her
Überrinner en liechte Landwind z'morge am Südufer
d'Pfäh; es pfähnet, pfähig de Föhn: en schtarke Fallwind vum Rhytal her
d'Pfäh bläket, zähnet de Föhn kündigt sich uffm See aa
en schtübige Pfäh so en schtarke Luft, dasses Wasser vu de Welle schtuubet
a Gwell hohe Welle, a Gfahr fir alle, di wo no dusse sind
a tots Gwell de Pfä isch rum, aber's Gwell schtoht no
Seeschieße dumpfes Grolle überm See ohne dasses gwitteret
Näblrus treibede Näblbänk überm See
Seeruuch,
de See ruuchet
nidere Dunscht uffem See wenns saukaalt isch
Seegfrörne de ganz See isch zugfroore; sälte, zletscht 1963

Vu de Schiff am See[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Uusdruck Erläuterung
Lädi(n) - Lädine: Rahsägler um 30 Meter lang mit flachm Bodde, hochzogne Bug und Heck; 140 t Lascht;
gitts sit fascht 100 Johr nimme
- Halblädine: nur 25 Meter lang und 70 t Lascht
Segi - Segner oder Segmer: um 20 Meter lang und 30 t Lascht
- Halbsegner: um 15 Meter lang und 15 t Lascht
Schäeff oft umbaute Lädi (Holzschäeff) oder Trajekt, fir Sand oder Kies; ab 1908 mit Eiseschaal und Motor
Laue e kleis, flachs Laschtschiff ohne Sägl, zum Schalte
Überschlagskahn zum Ei- und Auslade vu de verankerte Lädinnen
Holz- und Sandschteilascht Ladung; Holz uffe in d'Schweiz und mit Sandschtei zruck
Gundel Fischerboot, frier mit Ruder, schpäter mit Motor
Notgundel Rettungsboot
Vorschiff Gundel mit vier Ruderer, die a Lädi oder en Segner schleppt
(Schiffs-) Schaal (Schiffs-) Rumpf
schoppe d'Schaal wird mit Pech und Hanf abdichtet
Rangen d'Spante vu de Schaal
Grass und Wanne Bug und Heck vu de Lädi, Segner, Schäeff und Gundel
Stabbank e Schloafplatz in de Wanne
schalte bei Flaute oder lätze Luft schiebt mer's Schiff mit Schaltestange uff de Wysse
asse! und vusse! Steuerkommando: "nach links!" und "nach rechts!"
a Schwenke wenn's Schiff d'Richtung änderet oder wendet
Steuer(-türe) des Steuerruder, s'hängt bei de Lädi uff de link Site (Backbord, it Steuerbord!)
Ruder zur Fortbewegung vu de Gundel ohne Motor (Riemen)
de Säglbomm de Mascht (fescht und senkrächt!)
de Maschtbomm hängt beweglich quär am Säglbomm und trägts Sägel (Rah)
d'Maschtbommseiler Seiler zum Hochziehe und Richte vum Sägl
s Tuech oder de Sägl de (Rah-)Sägl vu de Lädi oder em Segner
s Tuech umbinde de Sägl uff d'andere Site richte
s Tuech hänge losse beim schtarke Luft de Maschtbomm am Säglbomm tiefer hänge (reffen)
de Hohentwiel di Hohentwiel, e Dampfschiff vu 1913, s'eizig uffm See, wo heut no fahre tuet

Im Hafe und drumrum[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Uusdruck Erläuterung
Schdedi it befeschtigter, vu Pfähl mit Reisig und Schtei gschützte Landeplatz
Pfoahl en dicke Pfoschte im Wasser
pfoahle d'Pfähl reiramme oder usseziehe
am Pfoahl g'hängt am Pfoahl feschtg'machtes Schiff
Schwebe, Bauche Korke, Holzkreuz oder Saubloater wo de Ankerschtei drahängt
Schteg - e kurze Kiesschteg in de Näh vu de Kisgrub zum Lade vu de Schäeff
- e längere Landeschteg mit Schiffslandeschtell fird'Kursschiff an de Halde
Damm Hafemuer mit Pfähl, wo d'Schiff aaleget
Rutsch a schräg Muer, wo d'Lädi mit'm Grass uffe fahre kaa zum (Us-)Lade
Bähre Schubkarre zum (Us-)Lade vum Schäff
Schiffsmeischter Schiffsbsitzer
Schiffsmänner d'Mannschaft
Schiffsknecht e Schiffsmaa
Dammglonker e Taglöhner
Laugelefuxer en Angler am Damm oder Schteg, der en Bolle Brot am Hoake hot
Aalebock d'Möve im Hafe und um d'Schiff
(Hafe-)Lucke d'Hafeeifahrt
Luckemaa de Hafemeischter
Schiffsaabinder der am Schteg oder Damm s'Seil vum Schiff um de Pfoahl legt und d'Leut iber d'Bruck
ins Schiff inne und usse gangelosst
a Häfler Schiff dem si Heimathafe isch Friedrichshafe
e grade Kurs des Kursschiff goaht abbe, ge Konschdanz
e uugrade Kurs und des goaht uffe, ge Brägenz

Vu de Fischer und Angler[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Uusdruck Erläuterung
Weller Wels, groß und selte
Rötele Saibling
Kretzer, Egli Barsch
Laugele e klei Weißfisch als Köderfisch
Gropper oder Kropf, Grundel suchet Kinder mit de Blächbix unter de Schtei
Hürling (1), Gangfisch (3), Renke (4),
Halbfelchen oder Springer (5), Dreyer (6)
Bezeichnige vum Blaufelche in de erschte segs Joahr
Hochseefischerei Berufsfischer mit em Patent fir de hohe See. Sie fischet mit de groß Gundl und ...
- Kluusgarn
- Schwebnetz
sackähnlige Netzwand, di vu beid Site gliichzittig eigholt wird
e eifach Netzwand, hängt an Korke (Bauche) in 30 Meter Tiefe, bis drei Kilometer lang
Ufer- und Haldenfischerei Berufsfischer mit em Patent bis zur Halde. Sie fischet mit de klei Gundl und ...
- Bodenetz
- Spannsätz
- Segi, Haldewatt
- klei Landwatt
- Schöpf-Behre (Hamen)
- Reuse
- Legangle
eiwandige verankerte Netz, di vu de Wasseroberfläch bis zum Grund reichet
zwei Meter hohe verankerte Netzwänd, di bis 25 Meter tief überm Grund hänget
e groß Rundnetz mit em Sack; wird vunem schtarke Boot zoge und am Land gleeret
wie d'Segi, wird aber zerscht mit de Gundl dusse gsetzt und vum Land herzoge
Schöpfnetz im Reif anem Schtiel
walzeförmige Rutekörb mit em Trichter am End wie e Fall fir'd Fisch
Angelschur mit aagreihte Köder; als Grundangel fir'd Aal oder Schwebangel obbe
Schweber Schportangler, di mit de Schwebschnur vu de Gundl aus angle

Literatur[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  • Theodor Lachmann: Überlinger Sagen, Bräuche und Sitten mit geschichtlichen Erläuterungen. Ein Beitrag zur Volkskunde der badischen Seegegend. Verlag von Ernst Ackermann, Konstanz 1909. Nachdruck ISBN 3 487 06872 9
  • Otto Mallaun: Bodensee-Handbuch der Touristik und Schiffahrt für Schiffsführer, Segler, Motorbootfahrer und Ruderer. Otto Mallaun Eigenverlag, Bregenz 1934 und erweiterte Neuauflage Rosgarten Verlag Konstanz 1960.
  • Heimatverein Immenstaad (Herausgeber): Immenstaader Heimatblätter Heft 1 und Heft 13

Lueg au[ändere | Quälltäxt bearbeite]