Johann Gottfried Tulla

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Johann Gottfried Tulla in ere zitgnössische Darstellig
Friedhof Montmartre
Friedhof Montmartre

De Johann Gottfried Tulla (* 20. März 1770 z Karlsrue; † 27. März 1828 z Paris) isch en badische Ingenieur gsi, wo d Begradigung vom Oberrhii planed und d Durchführig aafangs gleitet het.

Herkunft und Usbildig[ändere | Quälltäxt bearbeite]

De Tulla stammt us ere Pfarrersfamilie, wo ab em 1701 in de Markgrafschaft Bade gwürkt het. Sin Vater isch zerscht Pfarrer z Nöttige bi Pforze gsi, bevor er Hofprediger z Karlsrue worden isch. Dette isch dann de Johann Gottfried Tulla uf d Wält cho. Z Karlsrue het er z erscht d Elementarschuel bsuecht und ab em Oktober 1783 s Gymnasium. Scho bald het sich zeiged, dass er mathematisch sehr begabt isch gsi. Eine vo sine Lehrer, de Ängländer Peter Perez Burdett, het sich sehr für de Tulla iigsetzt und em Markgraf empfohle, ihn im Aaschluss an d bestandeni Abschlussprüefig zur Usbildig zum Carl Christian Langsdorff z schicke. So isch de Tulla am 1. Juni 1792 z Gerabronn bi Ansbach iitroffe, um bim Langsdorff, eim vo de beschte Wasser- und Bergbauspezialischt vo Dütschland la uszbilde. Im 1794 het er d Usbildig abgschlosse und isch bis zum Herbscht 1796 uf e Studiereis gange, vo dere er alli Wuche en Bricht het müesse uf Karlsrue schicke. Er isch für es Wasserbaupraktikum z Düsseldorf gsi, het in de Niderlande Dämm, Mühle und Pumpwerk gstudirt und isch über d Nordsee bis uf Hamburg greist, wo er de Reinhard Woltmann kenneglehrt het. Vo derte isch er noch Freiberg (Sachse), wo-n-er an de Bergbauakademie gstudirt het, und het au en Abstecher uf Norwege unternoh.

Im 1797 isch er dann in de markgräflich Dienscht ufgnoh worde, mit em Uftrag, d Bauarbeite am Rhii im Oberamt Rastatt z betroie. Im 1801 isch er zu ere Studiereis uf Paris und es het erschti konkreti Idee geh, wi me zämme mit Frankriich d Situation am Oberrhii chönnti verbessere. De Fluss isch bis zu dere Ziit en Stroom gsi, wo bi jedem Hochwasser sis Bett verlagerete het. Immer wider sind noii Insle entstande und d Bedingige für d Schiffahrt sind schwirig gsi. Zuedem hei di unterschidliche Interesse vo de Aaligergmeinde am Fluss, es gmeinsams Projekt schwirig gmacht. Hüfig het, wenn ei Gmeind en Damm baut oder en Rhiiarm umgleitet het, e anderi unter de Folge glitte und so sind teilwiis über Nacht setigi Bauwerk wider zerstört worde. Au politisch het sich d Situation sehr veränderet. Bade und Frankriich hei lang sibe gmeinsame Grenzabschnitt gha. Mit de Gebietsgwünn vo Bade ab em 1803 het es plötzlich e gmeinsami badisch-französischi Gränze geh, wo vo Basel bis uf Mannheim gange-n-isch. Wo de Tulla im 1804 vo Paris retour cho isch, isch er zum Oberingenieur ernennd worde und am Rhii hei erschti Bauarbeite solle aafah. Us Geldmangel hei si aber müesse ufgschobe werde und de Tulla het in de Schwiiz gholfe d Linthebeni zwüschem Züri- und em Walesee trocke z läge. Nach de Rückkehr ins badische isch de Tulla im 1814 Leiter vo de Wasser- und Stroosebauverwaltig worde und het e Denkschrift für d badisch Regiirig gschribe, wo er sini konkrete Vorstellige für de Rhii beschribe het. Sini Hauptussag isch gis: «Kein Strom oder Fluss, also auch nicht der Rhein, hat mehr als ein Flussbett nötig ...»[1]

Läbeswerk[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Scho im 1810 sind im badische, uf Betriibe vom Tulla, d Masseinheite einheitlich greglet worde. E badische Ruthe isch uf drü Meter feschtglegt worde und me het si in 10 Fuess unterteilt. Im gliiche Johrzehnt het d französisch Regiirig di erschte sechs Durchstich vom Rhii in de Nöchi vo Karlsrue gnemiget. Umgsetzt worde sind si in dene kriegerische Ziite aber zunächscht nöd und nach em Wiener Kongress isch de Nachbar am Rhiiufer zwüsche Karlsrue und Mannheim nüm Frankriich gsi, sondern Bayern, wo di linksrhiinisch Pfalz übercho het. Au um d Gränz klar könne z ziehe, isch das Projekt vo de Begradigung vom Rhii dann vorwärts gange. Im Auwald het me breite Schneise gschlage, s noii Ufer im Abstand vo 240 Meter befeschtiged und dazwische en Grabe usghobe, wo 60 Meter breit isch gsi. S Ushubmaterial het me gnoh, um Dämm z baue und d Zuläuf zu de alte Rhiiarm zuzschütte. Wo dann s nächschti Hochwasser isch cho, het me de Rhii in die Gräbe umgleitet und de Fluss het selber sis Bett witer usbaut. De Grundwasserspiigel isch gsunke, was dezue gführt het, dass d Felder in de Nöchi vom Fluss trockener worde sind und besser bearbeitet hei werde könne. Wil me z Frankriich glichzitig an Plän gschaffet het, westlich vom Rhii en Kanal z baue, wo numme durchs Elsass dät flüsse, het de Tulla im 1825 e Schrift veröffentliched, wo sim Aalige het sölle noie Schub geh. Unter em Titel Über die Rektifikation des Rheins isch si uf dütsch und französisch erschine.

Im 1827 isch de Tulla uf Paris greist, wil er unter Blasestei glitte het, wo er z Paris het welle lah entferne. Innerhalb vo füf Mönet het er duzendi vo Operatione über sich lah ergoh, isch aber sibe Täg nach sim 58. Geburtstag z Paris gschtorbe. Er isch uf em Fridhof Montmartre z Paris bestattet worde, wo de badisch Staat für ihn es Grab kauft het.

An de Begradigung vom Rhii isch witeri füfzg Johr gschaffed worde.

Literatur[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  • Hans Georg Zier: Johann Gottfried Tulla. Ein Lebensbild, in:Badische Heimat. Heft 4, 1970
  • Rainer Boos: Tulla und seine Zeit, in: Der Rhein : Ritterburgen mit Eisenbahnanschluss, S. 172-187
  • David Blackbourn: Die Eroberung der Natur - Eine Geschichte der deutschen Landschaft. Aus dem Englischen von Udo Rennert, 1. Auflage, München, Deutsche Verlags-Anstalt, 2006, ISBN 978-3-421-05958-1 (München: Pantheon, 2008. ISBN 978-3-570-55063-2. Zu Tulla: S. 105 ff.)
  • Heinrich Cassinone: Johann Gottfried Tulla, der Begründer der Wasser- und Straßenbauverwaltung in Baden. C. F. Müller, Karlsruhe 1929
  • Eberhard Henze: Technik und Humanität. Johann Gottfried Tulla. Mannheim 1989
  • Emil Mosonyi (Hrsg.): Johann Gottfried Tulla. Ansprachen und Vorträge zur Gedenkfeier und Internationalen Fachtagung über Flussregulierungen aus Anlass des 200. Geburtstages. Theodor-Rehbock-Flusslaboratorium, Karlsruhe 1970
  • Johann Gottfried Tulla: Die Grundsätze, nach welchen die Rheinbauarbeiten künftig zu führen seyn möchten. Karlsruhe 1812
  • Arthur Valdenaire: Tulla. Braun, Karlsruhe 1928
  • Norbert Rösch: Die Rheinbegradigung durch Johann Gottfried Tulla. In: zfv – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, Heft 4/2009, S. 242–248, Wißner-Verlag, Augsburg 2009, ISSN 1618-8950
  • Clemens Kieser: «Kein Strom oder Fluss hat mehrere Arme nöthig». Denkmale zum Gedenken an Johann Gottfried Tulla, den «Bändiger des wilden Rheins». In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 32. Jg. 2003, Heft 3, S. 231–234 (PDF)

Weblink[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Wikisource Johann Gottfried Tulla im dütschsprochige Wikisource

 Commons: Johann Gottfried Tulla – Sammlig vo Multimediadateie

Einzelnochwis[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  1. Hans Georg Zier: Johann Gottfried Tulla. Ein Lebensbild, in: Badische Heimat. Heft 4, 1970, S. 385.