D 68er-Beweegig

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Under em Schlagwort 68er-Beweegig wärde internazionali und politisch linggsgrichdeti Bürgerrächtsbeweegige zämmegefasst, wo in dr Middi vo de 1960er Joor aktiv worde si. Si häi mit de Brotest vo amerikanische Bürgerrächtler aagfange. Au in Öiropa het s intensivi zivili Komflikt gee. Noch em Bau vo dr Berliner Muure am 13. August 1961 het sich dr Fokus vom Ost-West-Konflikt verlaageret, und die sowjetisch-chinesische Spannige und d Stellverdräterchrieg, wie si in Vietnam gfüert worde si, si in Vordergrund cho. Die kubanischi Revoluzioon, die ersti Eskalazioon im amerikanische Chrieg z Vietnam, d Klassekämpf im Kongo und d Revoluzioon z Algerie häi s Dänke in e nöiji Richdig glänkt. 1968 häi sich d Komflikt verscherft, wo vo dene Beweegige thematisiert worde si. In de USA isch s zu Demonstrazioone gegen e Vietnamchrieg cho und gegen e Mord am Theolog und Bürgerrächtler Martin Luther King. D Intensivierig vom Vietnamchrieg isch für die Nöiji Linggi e zentrale Bezugspunkt worde, wo sä zum ene globale Fenomeen gmacht häi.

Die dransnazionali Dimensioon vo dr Beweegig[ändere | Quälltäxt bearbeite]

En amerikanische Napalm-Aagriff im Vietnamchrieg

Abgsee vom Prager Früelig wird d 68er-Beweegig hüfig as e westligs Fenomeen aagluegt. 1968 sig sogar „zum Sünonüüm für die kulturelli Verwestligung worden“.[1] Dr Immanuel Wallerstein hingege gseet d Bürgerrächtsbeweegige vo de 1960er-Joor as e globals Eräignis, wo gegen e Kapitalismus grichdet gsi isch. Er verwändet dr Begriff vo dr „Wältrevoluzioon“. Dr Wallerstein goot vo dr Aanaam us, ass dr Kapitalismus e Wältsüsteem sig, und es dorum uf dr nazionale Ebeni kä Revoluzioon chönn gee. Die gliichzitige Ufständ in de 1848 und 1968 sige ächti Wältrevoluzioone. 1968 sig d Hegemonii vo de USA die wichdigsti gmäinsami Aagriffsflechi gsi.[2]

Dr Marcel van der Linden brobiert z erkläre, wiso im ene churze Zitli am Ändi vo de 1960er und am Aafang vo de 1970er Joor e hufe verschiideni Brozäss abglofe si. Er füert drei strukturelli Faktore uf:

  1. S starke Waggse vo dr Wirtschaft noch em Zwäite Wältchrieg, wo in dr Krise vo 1966/67 in s Stocke cho isch.
  2. D Bildig, au die uniwersitääri, wo uf dr ganze Wält zuegängliger worde isch.
  3. D Dekolonisierig, wo noch em Zwäite Wältchrieg aagfange und am Aafang vo de 1960er Joor sich versterkt het.

Näbe dene strukturelle Iiflüsse zelt er meereri Eräigniss uf, wo zu andere Forme vom Politisiere inspiriert häi: Die kubanischi Revoluzioon, die chinesischi Groossi Proletarischi Kulturrevoluzioon und dr Prager Früelig 1968. Grad so wichdig isch d Tet-Offensive im Vietnamchrieg. Au häi d Lüt mee internazionali Kontakt gha und mee von enander gleert. Kontakt zwüsche Arbäiter, wo im Zug vom Ufstiig vo de multinazionale Undernääme brobiert häi, e globali Verdrätig vo ihrer Interässe z organisiere, und au Kontakt zwüsche radikale Studänte und Arbäiter.[3] Die nitstudäntische Beweegige, bsundrigs d Arbäiterufständ z Frankriich, Italie und Spanie, stöön bim van der Linden im Fokus.

Die dransnazionali Dimensioon vo dr 68er-Beweegig isch dur d Dekolonisierig, dr Antiimperialismus und dr Widerstand gege verschiideni Forme vom Neokolonialismus gförderet worde. Bsundrigs dr Antikolonialismus het die underschidlige Aktöör uf dr ganze Wält verbunde. D Fokustheorii vom Ernesto Che Guevara und d Schrifte vom Frantz Fanon, wo d Algerier in iirem Unabhängigkäitschrieg understützt het, häi e gmäinsame Integrazioonsraame bildet und zu konkrete Organisazioonsforme im Sinn von ere Guerillamentalitäät gfüert. Die kubanischi Revoluzioon vo 1959 und dr Algeriechrieg (1954-1962) chönne as Usgangsstazioone vo dr 68er-Beweegig aagluegt wärde.[4]

Im Zitgäist vo de 68er het sich dank dr dransnazionale Struktur vo dr katholische Chille d Befreijigstheologii chönne entwiggle. S Zwäite Vatikanische Konzil vo 1962 bis 1965 het gforderet, ass d Chille sich umfassend wurd ernöijere. Vor däm Hindergrund und wäge dr Armuet, dr Unterdrückig und dr Ungrächtikäit in Latiinamerika het 1968 d Bischofskomferänz vo Medellín d Idee vo dr Theologii vo de Arme akzeptiert.[5] Äänligi Konzept häi sich in Südafrika und in Asie entwigglet. Die „schwarzi Theologii“, wo iire Ursprung in dr amerikanische Bürgerrächtsbeweegig gha het, het sich as e radikali Form vo dr Befreijigstheologii gsee.[6]

D 68er-Generazioon[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Drotz dr internazionale Bedütig vom Begriff, wärde im dütsche Sproochruum d Eräigniss in dr Bundesrepublik Dütschland as 68er-Beweegig bezäichnet, wo vo dr Studäntebeweegig vo de 1960er Joor usgänge si.[7][8] Si het ere ganze Generazioon iire Name gee. Für sii si die spoote 1960er Joor e Faase gsi, wo sä brägt het. Wär zu dere Generazioon ghöört het und bi de Brotest mitgmacht het, wird as 68er oder Alt-68er bezäichnet. Dr Publizist Rainer Böhme definiert die acht Millione Dütsche vo de Joorgäng 1940 bis 1950 as 68er. Vo 2005 aa isch die Generazioon in s Bangsioonsalter choo.[9]

Wil mä in dr Öffentlikäit vor allem jungi Lüt gsee het demonstriere, git s sonigi, wo d Ufleenig vo de 68er as Generazioonekomflikt oder as Jugedbeweegig gseen. Die vergässe aber, ass underschidligi Generazione Däil an de Komflikt gha häi. Uf dr Basis vom ene differenzierte theoretische Konzept cha mä die soziali Beweegig vo 1967/68 as e generazionali Brotestbeweegig aaluege, won en internazionali Bedütig bechoo het.[10][11]

Litratuur[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  • Udo Benzenhöfer: Das kleine 68: Proteste von Medizinstudenten in Frankfurt am Main um 1968. Mit einem Beitrag des ehemaligen Frankfurter AStA-Vorsitzenden Hans-Jürgen Birkholz. Klemm + Oelschläger, Münster 2011, ISBN 978-3-86281-017-8.
  • Götz Aly: Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück. Fischer, Frankfurt am Main 2008. ISBN 3-596-17778-2
  • Willi Baer, Carmen Bitsch, Karl-Heinz Dellwo (Hrsg.): Der 2. Juni 1967. (Bibliothek des Widerstands, Band 1), Laika, Hamburg 2010, ISBN 978-3-942281-70-6.
  • Thomas P. Becker, Ute Schröder: Die Studentenproteste der 60er Jahre. Archivführer, Chronik, Bibliographie. Böhlau Verlag, Köln 2000. 381 S.[12]
  • Jens Benicke: Von Adorno zu Mao. Über die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung. ça ira Verlag, Freiburg 2010, ISBN 978-3-924627-83-6.
  • Thomas Etzemüller: Imaginäre Feldschlachten? „1968“ in Schweden und Westdeutschland. In: Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History. 2, 2005, S. 202–223.
  • Jens Kastner, David Mayer (Hrsg.): Weltwende 1968? Ein Jahr aus globalgeschichtlicher Perspektive. Mandelbaum, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-257-7.
  • Ingrid Gilcher-Holtey: Die 68er Bewegung. Deutschland – Westeuropa – USA. 3. Uflaag. Beck, Münche 2001, ISBN 3-406-47983-9.
  • Ingrid Gilcher-Holtey: 1968. Eine Zeitreise. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-12535-9.
  • Ulrike Heider: Keine Ruhe nach dem Sturm. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Frankfurt 2001, ISBN 3-8077-0202-4
  • Stefan Hemler: Der Protest einer generationellen Sozialbewegung. Überlegungen zu Erklärungsansätzen für ‘1968’. In: Jörg Calließ (Hrsg.): Die Reformzeit des Erfolgsmodells BRD. Die Nachgeborenen erforschen die Jahre, die ihre Eltern und Lehrer geprägt haben. Evangelische Akademie Loccum (Loccumer Protokolle 19/03), Rehburg-Loccum 2004, ISBN 3-8172-1903-2, S. 235–262.
  • Rudolf Sievers: 1968. Eine Enzyklopädie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-12241-X.
  • Friedrich Koch (Erziehungswissenschaftler)|Friedrich Koch: Sexualität und Erziehung. Zwischen Tabu, repressiver Entsublimierung und Emanzipation. In: Jahrbuch für Pädagogik 2008: 1968 und die neue Restauration. Frankfurt am Main 2009, S. 117 ff.
  • Gerd Koenen: Das rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution. 1967–1977. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001, ISBN 3-462-02985-1.
  • Norbert Kozicki: Aufbruch im Revier. 1968 und die Folgen. Klartext, Essen 1993, ISBN 3-88474-063-6.
  • Martin Klimke, Joachim Scharloth (Hrsg.): 1968. Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-02066-6.
  • Manuel Seitenbecher: Mahler, Maschke & Co. Rechtes Denken in der 68er Bewegung. Schöningh, Paderborn 2013, ISBN 978-3-506-77704-1.
  • Detlef Siegfried: Furor und Wissenschaft. Vierzig Jahre nach „1968“ In: Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History. 5, 2008, S. 130–141.
  • Boris Spernol: Notstand der Demokratie. Der Protest gegen die Notstandsgesetze und die Frage der NS-Vergangenheit. Klartext, Essen 2008, ISBN 978-3-89861-962-2.
  • Karl Stankiewitz: Münche ’68. Traumstadt in Bewegung. Volk Verlag, Münche 2008, ISBN 978-3-937200-46-0.
  • Stefanie Pilzweger: Männlichkeit zwischen Gefühl und Revolution. Eine Emotionsgeschichte der bundesdeutschen 68er-Bewegung. Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3378-8.
  • Karla Verlinden: Sexualität und Beziehungen bei den »68ern«. Erinnerungen ehemaliger Protagonisten und Protagonistinnen. Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2974-3.
  • Norbert Frei: 1968, Jugendrevolte und globaler Protest. dtv, Münche 2008, ISBN 978-3-423-24653-8.
  • Stefan Wolle: Der Traum von der Revolte. Die DDR 1968. Links, Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-469-3.
  • Stefan Bollinger: 1968 – Die unverstandene Weichenstellung. rls-Texte Bd. 44, Dietz, Berlin 2008
  • Chris Harman: 1968. Eine Welt in Aufruhr. Frankfurt 2008, ISBN 978-3-934536-13-5.
  • Norbert Kozicki: Aufbruch in NRW. 1968 und die Folgen. Klartext, Essen 2008, ISBN 978-3-89861-956-1.
  • Philipp Gassert, Martin Klimke (Hrsg.): 1968: Memories and Legacies of a Global Revolt. Bulletin of the German Historical Institute, Supplement 6/2009, Washington DC 2009, ISSN 1048-9134
  • Erwin K. Scheuch (Hrsg.): Wiedertäufer der Wohlstandsgesellschaft. Eine kritische Untersuchung der „Neuen Linken“ und ihrer Dogmen. Sonderausgabe für die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung. Markus, Köln 1968.
  • Bilgin Ayhan: Die 68er Bewegung in der Türkei und BRD im Vergleich: Ein theoretischer Vergleich der 68er Bewegungen. (Dissertation, Uni Hannover) VDM, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-639-14360-7.[13]
  • Mathias Brandstädter: Folgeschäden. Kontext, narrative Strukturen und Verlaufsformen der Väterliteratur 1960 bis 2008. Bestimmung eines Genres. Königshausen und Neumann, Würzburg 2010, ISBN 978-3-8260-4446-5.
  • Johannes Grötecke, Thomas Schattner: „Der Freiheit jüngstes Kind“. „1968“ in der Provinz. Spurensuche in Nordhessen. Jonas, Marburg 2011, ISBN 978-3-89445-453-1.

Weblingg[ändere | Quälltäxt bearbeite]

 Commons: Demonstrazioone und Brotest im Joor 1968 – Sammlig vo Multimediadateie

Fuessnoote[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  1. 1968 - Alles nur Geschichte?. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen. 2008-09-00, S. 5, 21. Abgrüeft am 2015-11-11. (pdf)
  2.  Immanuel Wallerstein: Utopistik. Historische Alternativen des 21. Jahrhunderts. Wien 2002, ISBN 3-85371-184-7.
  3.  Marcel van der Linden: 1968: Das Rätsel der Gleichzeitigkeit. In: Jens Kastner, David Mayer (Hrsg.): Weltwende 1968? Ein Jahr aus globalgeschichtlicher Perspektive. Mandelbaum, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-257-7, S. 23-37.
  4. Jens Kastner, David Mayer: Weltwende 1968? Ein Jahr aus globalgeschichtlicher Perspektive. Abgrüeft am 2015-11-11. (pdf)
  5. Mareike Lühring: Befreiungstheologie. Lateinamerika-Institut der FU Berlin. Abgrüeft am 2015-11-12.
  6.  Klaus Aschrich: Theologie schreiben: Dorothee Sölles Weg zu einer Mystik der Befreiung. 14, LIT, 2006, ISBN 3-8258-9953-5, S. 108f.
  7. 68er-Bewegung. In: Spiegel Online. Abgrüeft am 2015-08-30.
  8. Dieter Rucht: Die 68er-Bewegung und die Politik. Forschungsgruppe Zivilgesellschaft, Citizenschip und politische Mobilisierung in Europa. Abgrüeft am 2015-08-30. (PDF)
  9. Rainer Böhme: Revolution des Alters: Die 68er gehen in Rente. Bundeszentrale für politische Bildung, 2008-03-25. Abgrüeft am 2016-02-08.
  10.  Stefan Hemler: Soziale Bewegung oder Generationskonflikt?. Ein Schlichtungsvorschlag im Deutungskampf um 1968. In: Vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik. 42 (2003), Nr. 164 H. 4, ISBN 3-8100-2440-6, S. 32-40.
  11. Michael Hölscher: Die 68er- Eine kultursoziologische Analyse. In: Magisterarbeit. 1999. Abgrüeft am 2015-08-28. (PDF)
  12. Detlef Siegfried: H-Net Reviews. 2002-12-00. Archiviert vom Original am 2012-01-11. Abgrüeft am 2016-02-08.
  13. lueg au si Magisteraarbet (PDF) 2005
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