Wildes Heer

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«Das Wütend heer der kleinen Dieb», s Ditelblatt vom ene Basler Druck 1569

S Wüetisheer isch en Gaisterzuug wo z Nacht dur d Luft ruuscht, bsundrigs i de Zwölfte, e Vorstelig wo im ganze germanischsproochige Ruum bikannt isch, aber au z Frankriich und z Irland. De Name, d Brüüch und d Gstalte wo demit verbunde sind, zaiget, as im Wüetisheer de germanischi Gott Wotan witterlebt.

Aart und Wiis[ändere | Quälltäxt bearbeite]

S Wüetisheer het im ganze Verbraitigsruum vo de Alpe bis uf Skandinavie vil verschidnig Näme. Im alemannische Ruum werd s s wüetig Heer, s Wüetisheer oder s Wuetes gnennt, i allne Variante, i de Eifel haissts Wudesher, z Dänemark und z Schweede Odens jakt, z Norweege Oskoreia und z England the Wild Hunt. Me redt au vom Wilde Heer oder vo de Wilde Jagt.

Da wildi Heer zücht voralem i de Zwölfte, da isch d Zit zwüschet de Wienacht und em Draikönigstag ume. S isch e gaisterhafte Heerzug i de Lüft wo en förcherliche Chrach macht, schrait und joolet, oder au joommeret und stööhnt und hüület. Mengisch machts aber au wundervolli Musig. Au bestimmti Rüef ghöört mer vom Wüetisheer, wie "ho! ho! ho!" oder "hopp hudada!".

D Lüt - Mane, Fraue und Chind - wo mitzüchet sind Verbrecher oder Lüt wonen ussergwönnliche oder gwaltsame Tod gfunde hend, aber au Chind, wo nöd tauft sind. S cha au vorchoo as en Mensch wo da Heer aluegt, mitzoge werd. Er isch den de letscht im Zuug und jedesmol wen an Noie dezue chunnt, rutschter en Platz före, bis er de Vorderst isch und so erlöst werd. Au Tier, voralem Ross und Hünd züchet mit.

Mengisch riitet a de Wilde Jagt e Maa voruus, wo d Lüüt vorem Wüetisheer warnt, da Motiv isch voralem z Mittel- und z Nordtütschland verbraitet. De Aafüerer werd z Schwede maist Oden gnennt, im tütsche aifach nu de Wild Jäger oder Helljäger aber au bsundrigi Bizaichnige wie Hackelbernd oder Diterbernat.

S Wüetisheer isch aber au verantwortlich för e gueti Ern oder de Hoiet. So hend no im 19. Joorhundert schwedischi Buure globt, as si mitere schlechte Hoiern bistrooft werdid, wenn si a de Ross vom Oden ka Gräsbüscheli opferid. Im Bayrische isch d Waudlsmähe en Erntefest, womer no bis is 18. Joorhundert em Waude, em Waudlgaul und ade Waudlhünd Milch, Brot, Bier und Ärebüschel "gopferet" het.

Gschicht[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Di ältischte Zügnis usem tütsche Sproochruum stammed usem 13. Joorhundert. Im Gidicht "Reinfried vo Braunschweig" werd vonere Ritterschar gsait, as si "rûschent sam daz Wuotes her" und de Münchner Nachtsege usem 14.Jh. nennt "Wûtanes her und alle sîne man". Älteri Text bruuchet zwoor de Uusdruck "wüetigs Heer", doch mue da nöd sicher uf s Wüetisheer bizoge werde. So werd im Rolandslied (um 1100) s Heer vom Pharao wo de Moses verfolgt und im Meer vertrinkt: "sîn wôtigez her". E schwöbisches Gedicht wo ane 1486 gschribe worden isch, nennt s "wilde wůti∫sher".

Gnaueri Bricht fanget aber erst im 15. Joorhundert aa. De Historiker Schradin maint ane 1499, as de Stier vo Uri asen wüeste Gsang heb, so "grusam als wärs ein wuetisher" und ane 1519 het me im Emital e Frau vertribe, well si gsait heg, si fari mit de "frow Selden und dem Wútis her" ume. En erste uusfüerliche Bricht het de Luzerner Stadtschriiber Renward Cysat (†1614) verfasst.

Alemanischi Öberliferig[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Elsass[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Im Elsass isch s Wietigher e Gspengst wo z Nacht mit usbraitete Flügel dur d Luft faart, aber mengisch au dur Hüser, wa Unglück bringt. Z Ringedorf machts aber au Musig.[1]

Bade-Württeberg[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Nördlich vom Bodesee jagt znacht s Wuetes und am Nägger und z Pforze s Modesher vorlem i de Zwölfte, aber au wered de Fasnacht dur d Lüft. S macht schöni Musig und mengisch hets aigni Tanzplätz. Anderimool aber isches e Hüüle, Joommere und Stööne. Wemerem bigegnet muesmer sich uf de Bode werfe. A dem nächtliche Gaisterzug nemed Verbrecher, Lüt wo bsoffe gstorbe sind, nödtaufti Chind oder asig wo vernochlässigt worde sind tail. No vor hundert Joor sölet i abglegne Gegete d Lüüt draglobt haa.[2]

Vorarlberg[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Im Vorarlbergische stürmt s Wuetes oder s Wuetehee um d Mitternacht ume und riisst ales mit, wo öber chnüühöchi isch, drum mue mer sich bugge, wemeren bigegnet. Mengisch werd s au mit Musig beglaitet. S Wuetes chan aber au en starche Sturm oder en üsserst wüetige Mensch bizaichne.[3]

Schwiz[ändere | Quälltäxt bearbeite]

I de Ostschwiz rasslet i dunkle Nächt s Wuetihee miteme riisige Lärm dur d Luft und warnt: "Fliend ussweg und abweg, demit niemert gschändt werd!" wäred s zörcherische Muetiseel: "Dräi Furren us Wääg, sust schniid dr d Bäi wäg!" rüeft. Do erschiints bi Nöimoo miteme Grassel oder au mit Musig. Me cha sich vorem schütze, wemer di drai hächste Näme sprecht. Im Aargau globt mer degege, ases s Joor bsundrigs fruchtbar werdi, wenn s Guenisheer bsunders schöö singi.[4]

Dütig[ändere | Quälltäxt bearbeite]

De Sagekomplex vom Wüetisheer werd i de Forschi underschidli dütet. Näme wie berndütsch Wüetisheer oder schwedisch Odensjagt wiiset aidütig uf de germanischi Gott Wotan/Odin und au vill Brüüch und Ainzelhaite chönet uf de alti haidnischi Gott zruggfüert werde, aber s git au Widersprüch. De Religioswüsseschaftler Jan de Vries git meriri Hindergründ aa: Zum aine trait s Masketriibe wäred de Julzit z Skandinavie zude Uusbildig vode Saag bi, denn erinnert aber au s Wildi Heer a d Einherjer i de Walhalla vom nordische Gott Odin und schlussendli mag ono s "feralis exercitus" vo de römerzeitliche Harier, emene germanische Stamm, en mögliche Hindergrund zude Vorstelig vom Wilde Heer bitrait haa.

Quelle[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  1. E. Martin, H. Lienhart: Wörterbuch der Elsässischen Mundarten (Heer; Wuet); Strossburi 1904
  2. Hermann Fischer: Schwäbisches Wörterbuch (Bd. 4: Mutesher), Tübinge 1914
  3. Leo Lutz: Vorarlbergisches Wörterbuch (Wuetes); Wien 1960
  4. Schweizerisches Idiotikon (Bd. II 1555ff: Her); Frauefeld 1885

Büecher[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  • Renward Brandstetter: Die Wuotansage im alten Luzern. I: Der Geschichtsfreund 62, 1907, 101–160. [e Zämestellig vo Täggschtquälle.]
  • Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. 1835.
  • Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. Berlin 1956.