Hermann Sernatinger

Us der alemannische Wikipedia, der freie Dialäkt-Enzyklopedy
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Dr Hermann Sernatinger („Herimann aus der Zelle“; * 30. Juli 1870 z Radolfzell; 8. Juni 1950 ebedert) isch e dytsche Bfaarer, Bruuchdumspflääger un Haimetschriftsteller gsii.

Lääbe[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Dr Sernatinger isch e Suhn vum Senes Sernatinger (1841–1929), eme Schuemachermaischter, un dr Luise geb. Zopf (1846–1946) gsii. Är het sechs Gschwischtrig ghaa, fimf Schweschtere, Luise Theresa (1871–1947), Frieda Johanna (1872–1961), Maria (1874–1875), Anna Maria (1875–1954), Klara Katharina (1880–1960), un ai Brueder, Eugen (1883–1890). Är isch us ere kadolische Familie chuu, vor allem sy Mueter isch diefglaibig gsii.

Anne 1876 isch er z Radolfzell uf d Volksschuel gange un ab 1883 uf s Großherzogli Gimnasium z Fryburg, wun er 1890 s Abitur gmacht het. An dr Universitet Fryburg het er derno kadolischi Theology studiert un isch 1894 in syre Haimetstadt zum Prieschter gweit wore. Noch eme Vikariat z Säckinge, z Neistadt un z Schwarzach isch er Bfaarverwäser z Zunswier wore, derno Bfaarverwäser z Haiwiler un z Luuse. Anne 1901 isch er schließli Bfaarer z Huuse wore.

Scho frie het er aagfange si au kulturäll un sozial z engaschiere, z Zunswier het er Sorg ghaa zum Kadolische Arbaiterverain, au het er um des Zyt scho chunschthischtorischi oder volkskundligi Vordreg ghalte. Z Huuse, wun er 27 Johr lang Bfaarer gsii isch, het er s Bfaararchiv neigordnet, het dr Theaterverain „Thalia“ grindet un regelmäßig Vordreg ghalte. Dernäbe het er Imme ghalte, Blueme zichtet, in dr Wärchstatt gschafft un het au dr Buure bi dr Ärn ghulfe, wänn si eber bruucht hän. In dr Nechi vu Huuse het er im Wald e Kapäll böue loo, wun er gärn aane isch go schryybe.

Dr Sernatinger het vyl uf Hochdytsch gschribe, aber au als uf Alemannisch. Fir ais vu syne erschte Wärch, s hischtorisch Feschtspiil „Anno 1489“ iber di friejer vordereschtrychisch Stadt Briilinge het er 1906 vum eschtrychische Chaiser Franz Joseph I. s Guldi Verdienschtchryz iberchuu. Noch em Manfred Bosch het dr Sernatinger schyns z kämpfe ghaa mit em Zölibat. In e Dail Gedicht findet mer Aadytige vu unterdruckte erotische Fantasie. Zem Byschpel handlet dr Gedichtband „Es war ein Traum“ (1907) vun ere „Liebi, wu im Dod Erlesig vum Lyd gfunde het“. Dr Gedichtband „Aus Dämmerstunden“ vu 1908 het er syre „lieben Mutter“ gwidmet um umfasst Gedicht, wu s Glick vu dr Chindhait bschrybe. Im Band „Blut und Blüten“ (1912), gwidmet em Vater, het s ender schwäri, melancholischi Gedicht. Mit Sage „Blumegg-Tannegg“ (1912) un „Eine Immortelle auf’s Grab der Mutter“ (1917) hert syni literarisch Schaffeszyt uf. Populär isch bis hit sy letscht Buech „Jiszapfe zum Schlozze“ vu 1938 mit 15 Gedicht im Radolzellfer Dialäkt.

Dr Sernatinger het in Artikel fir Zytige au gege d Modärni aagschribe. Scho 1896 het er in dr katholische Radolfzeller „Freie Stimme“ unter em Titel „Fin de siècle“ di „total abgelebte, abgestumpfte Weltmüdigkeit“ un „Blasirtheit“ vum 19. Johrhundert kritisiert un sy Zyt en Epoche vu „Geschmacksverirrungen und Absonderlichkeiten“ gnännt. Des lägi am e „Ungehorsam gegen eine Autorität“, gege „Sitte, oder Gewohnheit, oder Wohlanstand, oder Vernunft, oder Staatsgesetz, oder Kirchengebot, oder Gotteswille“. Gege die „allgemeine Weltkrankheit ‚Unzufriedenheitʻ“ un dr „Pestgeist“ vu dr Modärni het dr Sernatinger e anti-urban Haimetkonzäpt gsetzt mit ere regionalbewusste Bodeständigkait. Mit dr „Haimet“ het er welle di gsellschaftlige Veränderige verhebe, wun er gferchtet het. Anne 1919 het er d Draachtegruppe Radolfzell grindet, 1921 dr Draachteverain Boor un 1922 di di sozialkonservativ Zytschrift „Jetz Grüeß Gott!“, wu si yygsetzt het fir dr Dialäkt, fir Huuswoobe, Buuremeebel un Volksdänz. Dr Bosch schrybt in dr „Badische Biografien“: „Heimat- und Trachtenfeste galten Sernatinger als ein Aufbäumen der Volksseele gegen die Einflüsse fremder Moden und welscher Sitten, gegen die er Vorträge hielt und Versammlungen mobilisierte.“ Är het fir dr Radolfzeller Draachteverain d Radhuubedraacht entworfe (1921), Uustellige wie „Volkskunst und Volkskultur der Baar“ oder „Welt der Bildniskunst“ veraastaltet (1922) un d 1100-Johr-Fyyr vu Radolfzell mitorganisiert (1926).

Im Johr 1928 isch er us Gsundhaitsgrind in Ruestand gange, im Vorjohr het er e Huus uf dr Mettnau diräkt am Stade vum Bodesee gchauft. Anne 1949 isch er in e chlaini Wohnig im Radolfzeller Chrankehuus zoge, sy Huus het er dr Stadt vermacht. Anne 1950 isch dr Sernatinger im Alter vu 79 Johr gstorbe.

Ihm z Ehre isch z Radolfzell e Stroß gnännt un an sym Geburtshuus hangt e Mahndafle.

Wäärch[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  • Poetische Huldigung an den Großherzog von Baden zu Ehren seines 50-jährigen Regierungsjubiläums. 1902
  • Ehemalige Benediktinerabtei – und nunmehrige Pfarrkirche zu Schwarzach (Baden). 1896
  • D’ Bärebuebe. Nachklang aus vergangener Volkspoesie. 1901
  • [Herimann aus der Zelle] Blumegg-Tannegg. Eine Sage aus dem Wutachtal. o. J. [um 1902]
  • Anno 1489. Ein Festspiel aus Bräunlingens Vergangenheit. 1905
  • Es war ein Traum. Eine alte Geschichte. 1907
  • [Herimann aus der Zelle] Was ich am Wege fand. 1907
  • [Herimann aus der Zelle] Aus Dämmerstunden. 1908
  • [Herimann aus der Zelle] Blut und Blüten. 1912
  • Eine Immortelle auf’s Grab der Mutter, 1917
  • (Hg.) Jetz Grüeß Gott! Landbote des Trachtenvereins Baar. 1. 1922 – 2. 1923
  • [Seehas], Jiszapfe zum Schlozze. 1938
  • Herbert Berner (Hg.): Hermann Sernatinger. Leben und Vermächtnis. 1978.

Literatur[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  • Hermann Ginter: Hermann Sernatinger. In: Necrologium Friburgense, in: FDA 71, 1951, 252 f.
  • Josef Albicker: Der Dichter Hermann Sernatinger. In: Der Lichtgang 2, 1952, H. 3, 1–2
  • Josef Zimmermann: † Pfarrer Hermann Sernatinger. In: Hegau 1, 1956, 64 f.
  • Helmut Klausnig: Wir sollten sie nicht vergessen. Zwei Heimatdichter aus dem Hegau. In: Bodensee-Hefte 13, 1962, 62–64
  • Konrad Gunst: Hermann Sernatinger – Einem edlen Priester und Freund des Volkes zum Gedächtnis. In: 500 Jahre Münsterkirche Unserer Lieben Frau zu Radolfzell, 1966, 30–34
  • Franz Götz: Geschichte der Stadt Radolfzell. o. J. [um 1966], passim
  • Herbert Berner: Hermann Sernatinger. Leben und Vermächtnis. In: ders. (Hg.), Hermann Sernatinger. Leben u. Vermächtnis, 1978, 1–23
  • Lorenz Honold: Der Trachtenpfarrer der Baar. Aus Anlass des 30. Todestages von Hermann Sernatinger. In: Almanach des Schwarzwald-Baar-Kreises 4, 1980, 206 f.
  • Manfred Bosch: Hermann Sernatinger. In: Badische Biographien. Neue Folge 6, S. 373–376

Weblink[ändere | Quälltäxt bearbeite]