Text:Magdalenenklage

Us der alemannische Wikipedia, der freie Dialäkt-Enzyklopedy
Hops zue: Navigation, Suech

Magdalenechlag vu Im Land vu 1830

Handgschribe Fragmänt uf zwei Bletter, wahrschyns e Rolleabschrift us eme Passionsspiil.

Quälle: Paul Zinsli: Walser Volkstum in der Schweiz, in Vorarlberg, Liechtenstein und Italien. Verlag Huber, Frauenfeld 1968

1. Blatt

Maria Magdalena

Dir bin ich herr alzit bereit
zu dancken um deine frindlikeit
die du meinem bruder und uns allen
bewisen hast noch unserem gefallen
Dorum ich dir on alles ferdriessen
dein haupt wil salben und begiesen
mitt balsam, und kostlihen salben
zu ring [1] um dein leib und allenhalben
du weist auch herr dos als beschiht
aus rechter treu und guter pflicht ...


Wo ich for den jude konte dienen
(aus rechter treu)[2] old dorf ich komen zu im allein
ich wollte im etwas sterkin gebn
in seinem mund dem ist gor eid ...

er ist ab kon seiner angst und nott.
ob Gott lob und seines biteren tods
dorum ich Gott wil freülich loben
im dancken in dem himel oben
dann er mir hatt mein sind [3] ferzochen[4]
dorum ich seine ehr kon nitt ferschwigen ...


2. Blatt

So wil ich hie mitt meinen salben
dem lichnom kristi allenthalben
bestrichen in allen seinen wunden
die seir noch sind und unferbunden
mitt dem die grebnus unseres herren
wil ich fest loben und ferehren
hott er mein bruder fon dem grob [5]
erweckt fom tod ich glouben hob
die weil er ist Gottes sohn
er werde auch zur Gesuntheit kon
fom[6] zum lebin auf erston
Dorum ich auch wil mitt eich gon
jch lug old gügk gleich wos ich thun
sonst[7] der leichnum cristi nit mehr hier
ein suder [8]ist mir kommen on [9] Ende
Das ich for angst kum reden kon

Aamerkige (us Zinsli 1968)[Quälltäxt bearbeite]

  1. ringsum
  2. In der Handschrift gestrichen.
  3. Sünde
  4. Ursprünglich wohl: wohl: verzigen „verziehen“
  5. Grab
  6. Wohl: fom tod zum lebin
  7. Wohl verschrieben für: so ist ...
  8. suder = schuder, 'Schauder']
  9. an
Zruck zum alemannische Wikisource