Text:Johann Peter Hebel/J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 1/Wächterruf

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DE Hebel Werke 1834 1 148.png
DE Hebel Werke 1834 1 149.png

[148] Wächterruf.

Loset, was i euch will sage!
D’Glocke het Zehni gschlage.
Iez betet und iez göhnt ins Bett,
Und wer e rüeihig G’wisse het,
schlof sanft und wohl! Im Himmel wacht
e heiter Aug die ganzi Nacht.

Loset, was i euch will sage!
D’Glocke het Oelfi gschlage.
Und wer no an der Arbet schwitzt,
und wer no bi der Charte sitzt,
dem bieti iez zum letztemol, –
’s isch hochi Zit – und schlofet wohl!

Loset, was i euch will sage!
D’Glocke het Zwölfi gschlage.
[149] Und wo no in der Mitternacht,
e Gmüeth in Schmerz und Chummer wacht,
se geb der Gott e rüeihige Stund,
und mach di wieder froh und gsund!

Loset, was i euch will sage!
D’Glocke het Eis gschlage.
Und wo mit Satans G’heiß und Roth
e Dieb uf dunkle Pfade goht,
– i wills nit hoffen, aber gschiehts ‑
gang heim! Der himmlisch Richter sieht’s.

Loset, was i euch will sage!
D’Glocke het Zwei gschlage.
Und wem scho wieder, eb’s no tagt,
Die schweri Sorg am Herzen nagt,
Du arme Tropf, di Schlof isch hi!
Gott sorgt! Es wär nit nöthig gsi.

Loset, was i euch will sage!
D’Glocke het Drü gschlage.
Die Morgestund am Himmel schwebt,
und wer im Friede der Tag erlebt,
dank Gott, und faß e frohe Mueth,
und gang ans G’schäft, und – halt di guet!