Text:Johann Peter Hebel/J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 1/Vorrede zur vierten Auflage

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[10] Vorrede zur vierten Auflage.

Mehrere Freunde der allemannischen Gedichte haben den Wunsch geäußert, in einer neuen Auflage die Lesarten der ersten wieder hergestellt zu sehen. Ich fühle, wie viel in diesem Wunsche Schmeichelhaftes liegt. Er verbürgt mir in einem neuen Beweis das Wohlwollen, mit welchem diese Gedichte bei ihrer ersten Erscheinung aufgenommen worden, und der Aufmerksamkeit, mit welcher das Publikum dieselben fortdauernd beehrt. Was wir lieb haben, gefällt uns am längsten in der Gestalt, in welcher es uns lieb geworden ist. Mit einiger Schüchternheit, und nicht ohne den Versuch einer kurzen Rechtfertigung, gebe ich daher in dieser neuen Auflage den veränderten Text der dritten wieder.

Die neuen Lesarten und größern Umarbeitungen, die in denselben eingeführt sind, entstanden aus dreierlei Rücksichten.

[11] Kaum konnte eine mißbilligende Miene auf die Veränderungen fallen, die ich hie und da versucht habe, um einzelne Härten des Dialekts zu mildern, oder dem Vers, in welchen sich derselbe nicht überall gerne schmiegt, in etwas nachzuhelfen. Sie sind wenig auffallend und, wie ich wünsche, verbessernd. — Eben so wenig können wohl einzelne ältere Lesearten vermißt und zurückgewünscht werden, die, wie Seite 18 Vers 1. oder ebendaselbst Vers 8—11. der ersten Ausgabe, auf ganz lokale Umstände und bereits vorübergegangene Erscheinungen anspielen, und eben deswegen nur für die wenigen Leser an Ort und Stelle Sinn und Interesse haben konnten. — Eine andere Bewandtniß dürfte es mit Verwischungen einzelner Züge und größeren Umarbeitungen der alten Ausgabe haben, die eine dritte Rücksicht veranlaßte. Sie scheinen vielleicht ganz willkührlich und zwecklos zu seyn, sind es aber am wenigsten. Fast nur durch ein Wunder könnte bei aller Vorsicht ein Schriftsteller, der den engen Kreis, aus welchen er seine Gegenstände heraushebt, selber angibt oder verrathet, und das Leben, das sich in ihm bewegt, mit Treue darzustellen sucht, vor dem Unglück verwahrt bleiben, zu treffen, was er nicht treffen wollte. In mehreren Stellen ist mir dieses widerfahren. Personen, die ich nicht kenne, glaubten da und dort sich, ihre Schicksale und persönlichen Eigenheiten angedeutet zu sehen, und [12] fanden sich dadurch betrübt oder beleidigt. Ich benutze diese Gelegenheit zur öffentlichen Versicherung, daß ich durch das ganze Werklein auf Niemand deuten, Niemand kränken und höhnen wollte. Zugleich aber darf ich von allen übrigen Lesern hoffen, daß sie die Umarbeitung solcher Stellen, wenn auch die Gedichte selbst dadurch verloren hätten, moralisch billigen werden.

Zu dem Allem berechnet der Verleger, der auch seine Meinung mit einzutragen um Erlaubniß bittet, daß um ein Gutes mehr Exemplare der veränderten dritten, als bei der ersten Auflage in das größere Publikum gekommen seyen, und es scheint etwas an der Besorgniß desselben zu seyn, daß den Lesern, die diese Gedichte erst aus besagter dritter Auflage kennen, eine zweite und zurückgehende Aenderung auffallender und wieder eben so unangenehm werden könnte, als manchen ältern Freunden derselben die erste war.