Text:Johann Peter Hebel/J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 1/Freude in Ehren

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DE Hebel Werke 1834 1 037.png
DE Hebel Werke 1834 1 038.png

[37] Freude in Ehren.

(Mit einer Melodie.)

Ne G’sang in Ehre,
wer wills verwehre?
Singt ’s Thierli nit in Hurst und Nast,
der Engel nit im Sterne‑Glast?
e freie frohe Mueth,
e gsund und frölich Bluet
goht über Geld und Guet.

Ne Trunk in Ehre,
wer will’s verwehre?
Trinkt ’s Blüemli nit si Morgenthau?
Trinkt nit der Vogt si Schöppli au?
Und wer am Werchtig schafft *)[1],
dem bringt der Rebesaft
am Suntig neui Chraft.

[38] Ne Chuß in Ehre,
wer will’s verwehre?
Chüßt ’s Blüemli nit si Schwesterli,
und ’s Sternli chüßt si Nöchberli?
In Ehre, hani gseit,
und in der Unschuld G’leit,
mit Zucht und Sittsemkeit.

Ne freudig Stündli,
ischs nit e Fündli?
Jez hemmers und iez simmer do;
es chunnt e Zit, würds anderst goh.
’s währt alles churzi Zit,
der Chilchhof isch nit wit.
Wer weiß, wer bal dört lit?

Wenn d’Glocke schalle,
wer hilftis alle?
0 gebis Gott e sanfte Tod!
e rüeihig Gwisse gebis Gott,
wenn d’Sunn am Himmel lacht,
wenn alles blizt und chracht,
und in der lezte Nacht!


  1. *) Ausgabe I.
    Am Werchtig hemmer gschaft.
    Drum bringt der Rebesaft
    am Sunntig neui Chraft.