Text:Johann Peter Hebel/J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 1/Der Schmelzofen

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[43] Der Schmelz-Ofen.

Jez brennt er in der schönsten Art,
und ’s Wasser ruuscht, der Bloosbalg gahrt,
un bis aß d’Nacht vom Himmel fallt,
se würd die ersti Maßle chalt.

Und ’s Wasser ruuscht, der Blosbalg gahrt;
i ha druf hi ne Gulde g’spart.
Gang Chüngi, lengis alte Wi,
mer wen e wengli lustig sy!

Ne Freudestund isch nit verwehrt;
me g’nießt mit Dank, was Gott bischert,
me trinkt e frische frohe Mueth,
und druf schmeckt wieder ’s Schaffe gut.

E Freudestund, e guti Stund!
’s erhaltet Lib und Chräfte gsund;
doch muß es in der Ordning goh,
sust het me Schand und Leid dervo.

[44] E frohe Ma, ne brave Ma!
Jez schenket i, und stoßet a:
„Es leb der Marggrov und si Huus!“
Ziehnt d’Chappen ab, und trinket us!

Ne bessre Her trait d’Erde nit,
’s isch Sege, was er thuet un git,
i cha’s nit sage, wieni sott:
Vergelts em Gott! Vergelts em Gott!

Und ’s Bergwerch soll im Sege stoh!
’s het menge Burger ’s Brod dervo.
Der Her Inspekter lengt in Trog,
und zahlt mit Freud, es isch kei Frog.

Drum schenket i, und stoßet a!
Der Her Inspekter isch e Ma,
mit üsers Gattigs Lüte g’mei,
und fründli gege groß und chlei.

Er schafft e guete Wi ufs Werk,
er holt en über Thal und Berg,
er stellt en luter uffe Tisch,
un mißt, wie’s recht un billig isch.

Sell isch verbei, der Ma am Füür
muß z’trinke ha, wärs no so thür.
[45] Es rieslet menge Tropfe Schweiß,
und wills nit goh, men ächzet eis.

Me streift der Schweiß am Ermel ab,
me schnufet, d’Bälg verstuune drab,
un mengi liebi Mitternacht
wird so am heiße Herd verwacht.

Der Schmelzer isch e plogte Ma,
drum bringem’s ein, un stoßet a:
Gsegott! Vergiß di Schweiß und Ach,
’s het jeden Andren au si Sach!

Am Zahltag theiltisch doch mit kei’m,
und bringsch der Lohn im Nastuech heim,
se luegt di d’Marei fründli a,
und seit: „I ha ne brave Ma!“

Druf schlacht si Eiern-Anken i,
und sträut e wenig Imber dri;
sie bringt Salat und Grüebe dra,
und seit: „Jez iß, du liebe Ma!“

Und wenn e Ma si Arbet thuet,
se schmeckt em au si Esse guet.
Er tuuschti nit in Leid und Lieb
mit mengem riche Galge-Dieb.

[46] Mer sitze do, und ’s schmektis wohl.
Gang, Chüngeli, lengis no nemol,
?wil doch der Ofe wieder goht,
und ’s Erz in volle Chübel stoht!

So brenn er denn zu guter Stund,
und Gott erhaltich alli gsund,
und Gott biwahrich uf der Schicht,
aß niemes Leid und Unglück gschicht!

Und chunnt in strenger Winters-Zit,
wenn Schnee uf Berg und Firste lit,
en arme Bueb, en arme Ma,
und stoht ans Füür, und wärmt si dra,

und bringt e paar Grumbireli,
und leits ans Füür, und brotet sie,
und schloft by’m Setzer uffem Erz -
schlof wohl, und tröst der Gott di Herz!

Dört stoht so ein. Chumm, arme Ma,
und thunis Bscheid, mer stoßen a!
Gsegott, und tröstder Gott di Herz!
me schloft nit lieblig ufem Erz.

Und chunnt zur Zit e Biderma
ans Füür, und zündet ’s Pfifli a,
[47] und setzt si näumen ane mit,
se schmecks em wohl, und - brenn di nit!

Doch fangt e Büebli z’rauchen a,
un meint, es chönns, as wie ne Ma,
se macht der Schmelzer churze Bricht,
und zieht em’s Pfifli usem Gsicht.

Er keits ins Füür, und balgt derzu:
„Heschs au scho glehrt, du Lappi du!
„Sug amme Störzli Habermark,
„Weisch? Habermark macht d’Bube stark!“ *)[1]

’s isch wohr, ’s git mengi Churzwiil mehr
am Suntig no der Chinderlehr,
und strömt der füürig Ise-Bach
im Sand, es isch e schöni Sach.

Frog menge Ma: „Sag, Nochber, he!
„hesch au scho Ise werde seh
„im füür’ge Strom de Forme no?
Was gilts, er cha nit sage: Jo!

[48] Mir wüsse, wie me ’s Ise macht,
und wie’s im Sand zu Massle bacht,
und wiemes druf in d’Schmidte bringt,
und d’Luppen unterm Hammer zwingt.

Jez schenket i, und stoßet a:
Der Hammermeister isch e Ma!
Wär Hammer-Schmid und Zeiner nit,
do läg e Sach, was thät me mit?

Wie giengs im brave Hamberchs-Ma?
’s muß jede Stahl und Ise ha;
und muß der Schnider d’Nodle ge *)[2],
sen ischs au um si Nahrig gscheh.

Und wenn im früeihe Morgeroth
der Buur in Feld und Fuhre stoht,
se muß er Charst und Haue ha,
sust isch er e verlohrene Ma.

Zum Broche brucht er d’Wägese,
zum Meihe brucht er d’Sägese,
und d’Sichle, wenn der Weize bleicht,
und ’s Messer, wenn der Trübel weicht.

[49] So schmelzet denn, und schmiedet ihr,
und dankich Gott der Her derfür!
Und mach en andre Sichle drus,
und was me bruucht in Feld und Hus!

Und numme keini Sebel meh!
’s het Wunde gnueg und Schmerze ge; *)[3]
’s hinkt Mengen ohni Fueß und Hand,
und Menge schloft im tiefe Sand.

Kei Hurlibaus, ke Füsi meh!
Mer hen ’s Lamento öbbe gseh,
und ghört, wie’s in de Berge chracht,
und Aengste gha die ganzi Nacht.

Und glitte hemmer, was me cha; **)[4]
drum schenket i, und stoßet a:
Uf Völker-Fried’ und Einigkeit
von nun a bis in Ewigkeit!

Jez zahlemer! Jez göihmer hei,
Und schaffe hüt no allerlei,
und dengle no bis tief in d’Nacht,
und meihe, wenn der Tag verwacht.


  1. [47] Ausgabe I.
    *) Er keits ins Füür, und balgt derzu:
    „Du dunderschießige Lappi du,
    „sug amme Zipfeli Leberwurst,
    „’s isch besser für so chleini Burst!“
  2. [48] Ausgabe I.
    *) Und het der Schnider kei Nodle meh,
  3. [49] Ausgabe I.
    *) ’s het gnueg misrabli Chrüppel ge;
  4. **) und glitte, was me lide cha;