Stirn unter Sternen

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Stirn unter Sternen
Orginalusgob
Genre Gedicht
Autor Hermann Burte
Erschinigsjoor 1957

Stirn unter Sternen isch e Gedichtband, wu dr ditsch un alemannisch Dichter Hermann Burte 1957 rüsgä het. Uf däne fascht 250 Sitte sin 210 Gedichter in gleiner Schrift, des heißt, diä Gedichtsammlig isch nit grafisch ufbähjt. S sin fascht alles neiji Gedichter; s Gedicht „Robert Burns“ isch 1937 scho in s Burtes Sammlig „Anker am Rhein“ gsii.

Dr Band isch in drei Abschnitt gordnet: Stirn unter Sternen, Stirn ohne Sterne un Stirn über Sternen.

Unter däne Ibertitel sin Gedichter zu allene nur vorstellbare Theme versammlet – wiä fascht alliwiil bim Burte in bundener Sproch – mit Reim un Versmaß, do drunter aü Sonnet. E baar drvu handle iber s Markgräflerland.

D meischte Gedichter in Stirn unter Sternen, aber aü in dr andere Gedichtswärk vum Burte, zeichne sich dur des üs, ass mer sich viil drzue ka dänke - d gnapp un bildhaft Sproch losst viil Platz fir Interpretation. Uf dr andere Sitte läse sich diä Gedichter, wu so viil enthalte, nit alliwiil licht.

Im Gedicht „Über Eck“ bschribt dr Burte e riisige Glaswirfel, wu des drin bassiärt:

„(...)
In seinem Innern liegt ein Weib
von schönem Wuchs an Haupt und Leib:
Natur, Frau Hulda Denkerschreck,
schläft hingelehnt im fernen Eck.“

Diä Fraü ka numme e Mann verwecke, wu üs em andere Ecke vum Glaswirfel e mords Gump zuen ere macht:

„(...)
Auf Tod und Leben geht der Sprung
Und fordert Wille, Kraft und Schwung.
Das Auge blitzt, der Jüngling springt,
Die Ecke bricht, die Scherbe klingt –
Und, von den scharfen Splittern wund,
Eindringt der Springer in den Grund
Des Würfels, und das Weib erwacht,
Es reckt die Glieder, gähnt und lacht.
Dann küsst sie ab das rote Blut
Dem Mann, der ihr am Busen ruht,
Und flüstert ihn ein Wort ins Ohr,
Das ruft ein Lied aus ihm empor,
Ein Lied in Dur, der Freude voll,
Sie singt es leise nach in Moll
Und neigt sich immer wieder hin
In Lust und Liebe über ihn,
Der sie vom Bann erlöste keck
Im Todessprung aus: Über Eck!“


Die allermeischte Gedichter in däm Band hän wiä in allene Gedichtbänd vum Burte kei oder ke uffesichtlige Bezug zu dr politische Realität. Zu dr wennige Üsnahme ghert „Deutsches Schicksal“, do heißts:

„Der Vater ging in den Krieg hinein;
Er fiel. Wir Kinder waren allein.
Im zweiten Kriege fielen dann
Zwei Brüder und mein lieber Mann.
Nun droht der dritte! Es dient mein Sohn
In Tonking bei der Legion.
Der Vater, die Brüder, der Mann dahin:
Nur einer lebt – wann trifft es ihn?“


Politischi Interpretation in dr Mediäkampagne[ändere | Quälltäxt bearbeite]

E üsfiährligi Wirdigung vu dr 110 Gedichter in Stirn unter Sternen isch nit bekannt, aber ei Gedicht isch in dr Effentligkeit rüsgriffe un politisch interpretiärt wore:

1978 hets e effentlige Stritt um d Benännung vu Schuele noch em Burte gä. Im Zug vu däre Mediäkampagne het s Oberschuelamt Friiburg i.B. schliäßlig d Benännig vu Schuele noch em Burte verbotte. Zu dr Ferderer vu däm Nammensverbot het dr Wolfgang Heidenreich ghert, wu dertemol Programmleiter un Studioleiter-Stellverdrätter vum Landesstudio Friiburg vum Südweschtfunk (SWF) gsii isch. In dr Sändig "DER BURTE - Neuvermessung (...)"[1] am 19. 11. 1978 (widerholt am 10. 2. 1079) het dr Heidenreich e Gsätzli üs eme Gedicht in Stirn über Sternen rüsgriffe un des as Ufruef ("Vorschlag") zum staatlige Mord (sic!) interpretiärt. Des Gsätzli isch üs em Gedicht „Gerechter Staat“, do gohts ums Wahlrächt; s heißt:

Bleibt noch der Geist: Es lässt sich nicht verhehlen,
Daß vielen Wählern Kunst und Wissen fehlen.
Der ist gescheit geboren, jener dumm –
Was soll man tun? Bringt die Gescheiten um!


Diä Ziilte, wu im e satiirische Gedicht stehn, sin vum Wolfgang Heidenreich zimli am Schluss vu dr Sändig brocht un eso interpretiärt wore:

„Daß einer, der einem Staat gedient hat, in dem man das sogenannte unwerte Leben mordete, im Jahre 1957 den zynischen Mut besitzt, der Bundesrepublik, die nicht nach seinem Denkmuster zugeschnitten war, die Vernichtung der Begabten vorzuschlagen, ist konsequent.“

Diä erschte zwei Gsätzli vu „Gerechter Staat“, wu nit zitiärt sin, heiße:

Hier sind vom gleichen Wert Besitz und Bettel:
Sie werfen in die Urnen ihre Zettel.
Die Stimmen werden endlich ausgezählt,
Und wer die meisten hat, der ist gewählt.
Allein, das Geld ist immer bei den Reichen:
Das muss man ändern! Jedermann den gleichen
Anteil am Erbe dieser goldnen Welt!
Dann ist im Staate alles wohlbestellt!


Drno kunnt des Gsätzli, wu dr Heidenreich zitiärt het un wun er e Mordufruef ("Vernichtung der Begabten") drin siiht.

S viärt un letscht Gsätzli vu däm satirische Gedicht heißt:

Wir brachen keine besseren Gehirne!
Wir hingen alle an dem gleichen Zwirne.
Im idealen Staat darf auch zum Schein
Nicht einer klüger als der andere sein!“

Quälle[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  1. Wolfgang Heidenreich: Der Burte – Neuvermessung des alemannischen Dichters, Redners und Malers Hermann Burte – Texte, Analysen, Gespräche. (Manuskript vun ere SWF-Radiosändig am 19. 11. 1978, widerholt am 10. 2. 1979)

Bemerkig zum Urheberrächt[ändere | Quälltäxt bearbeite]

S Urheberrächt fir d Wärk vum Hermann Burte lit bi dr Hermann-Burte-Gesellschaft. Diä zitiärte Gedichtstext do stehn wiä alli Wikipedia-Text unter dr GNU-FDL, si sin vum Albärt mit dr Erlaübnis vum 26. 10. 2007 vu dr Burte-Gsellschaft unter däre Lizens vereffentligt.