Islamismus

Us der alemannische Wikipedia, der freie Dialäkt-Enzyklopedy
Hops zue: Navigation, Suech

Islamismus isch e sozialwüsseschaftligs Konzept, wo sit de 1990er Joor zur Charakterisierig vo verschiidene Ideologie und Beweegige verwändet wird, wo sich spezifisch uf en Islam düen berüefe. Es git die verschiidenste Ideä, wie mä d Begriff „Islamismus“, „Islam“, „Islamische Fundamentalismus“ und „Politische Islam“ chönnt vonenander abgränze. Au was „Islamismus“ genau söll bedüte und wenn er e sozials Fenomeen worde isch, wird underschidlig beurdäilt.

D Ideologii[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Wariante vo dr IS-Faane mit em erste Däil vo dr Schahāda.

Im Islamismus existiere verschiideni Ströömige, wo sich zum Däil widerspräche, drunder dr Fundamentalismus, dr islamischi Neofundamentalismus und d Salafiyya. Äinzelni Grubbe si usserdäm vo orthodox-fundamentalistische Beweegige wie em saudischen Wahhabismus und dr pakistanische Ahl-i Hadith beiiflusst.[1]

Hauptmerkmol[ändere | Quälltäxt bearbeite]

D Leere vo de islamistische Ströömige in de verschiidene Länder vo dr islamische Wält underschäide sich zum Däil stark vonenander. Da chunnt vor allem vo de Dradizioone vom Land und vo siner Konfessioon. Das cha mä gsee, wemm mä islamischi Bardeie in de Länder im Middlere Oste und Südostasie vergliicht. Aber es git doch gwüssi Konstante im islamistische Gedankeguet. Doodrzue ghööre:

1. Dr Islam isch d Referänzkwelle für all Aspäkt vom Lääbe: Religion, Politik, Wirtschaft, Rächt, dr Umgang zwüsche Maa und Frau, Bildig und Erziejig.

2. Es wird verlangt, ass mä zum „woore“ Islam säll zruggoo, em Islam vom Koran und vo dr Sunna, und vilmol git s e Wäigerung, s Ändi vom Ijtihad z anerkenne, wie s vo dr sunnitische Orthodoxii bredigt wird. Wie die mäiste Muslim lääbe und handle wird as unislamisch aagluegt und es sig brägt von ere falsche Religiosidäät.

3. Dorum wird dr taqlid abgleent, d. h. die religiöse und kulturelle Dradizione, wo d Islamiste as Verfelschig vo dr woore Leer vom Islam aaluege. Noch em Salafismus söll d Religion vo allem, wo iire fremd sig, gräinigt wärde und mä müess zum woore Glaube vo de fromme Vorväter zrugg.

4. Es git en Ufruef zur politische und religiöse Äihäit zwüsche alle Muslim (Panislamismus), dr umma. Wichdigi Aktividäätsfälder vo islamistische Grubbe si doorum Ufrüef zur Solidaridäät mit Muslime uf dr ganze Wält, bsundrigs de Palestinenser und zur Zit de Iraker, wo noch dr islamistische Uffassig bäides Völker sige, wo vom ene unglöibige Find underdrückt wärde.

5. D Staatligkäit vo dr Religion. Der Koran wie au dr Brofeet Mohammed häi kä wältlige Staat und käi Nazionalidäät kennt, genauso wenig d Kalifat und Sultanat, wo sich e Nazionalgfüül erst am Ändi vom 19. Joorhundert het afo usebilde. Dr Sinn vom ene Staat in siner übergordnete Form isch doorum nit d Beherrschig vom ene bestimmte Volk gsi, sondern d Umsetzig vom göttlige Gsetz, dr Scharia für alli Glöibige und in dr ganze Wält. Noch dr Überzüügig vom Islamismus cha die richtigi Usüebig vom Glaube nume dur en islamische Staat sichergstellt wärde, wo uf de Gsetz us em Koran und dr Sunna basiert. Die genaui Staatsform isch umstritte, nume no wenigi islamistischi Grubbe wäi nume e Kalifat anerkenne, vili hingege berüefe sich uf verschiideni Staatsforme, wo sich uf s Brinzip vo dr shura (Konsultazion vom Herrscher mit dr Bevölkerig) gründe. Essenziell blibt, ass Gott dr woori Suverään im islamische Staat isch.

6. Widerstand gege jedi fremdi, nit-islamischi Iimischig, Beherrschig oder Fremdregierig dur s nit-muslimische Usland. Islamischi Länder döfe nume vo Muslime regiert wärde. E Hufe islamistischi Beweegige gründe sich uf em politische Widerstand gegen e Bsatzigsmacht, zum Bischbil in de Palestinensergebiet und em Libanon.

Wichdig isch dr Underschiid zwüschen em moderate Islamismus und em radikale, gwaltberäite, mit vile Ströömige, wo sich zwüsche de bäide Kategorie befinde. Radikali Grubbe ghööre genauso in d Kategorii „Islamiste“ wie moderati, wo nume zum Ziil häi, dr Islam zur Richtschnuer vom soziale und politische Verhalte z mache. Islamistischi Bardeie und Inträssigrubbe häi vilmol seer underschidligi Ziil – moderati islamistischi Aktiwiste leene Gwalt, radikalreligiösi Füerer und d Iischränkig vo vile persönlige Freihäite vilmol entschiide ab. Au muess mä uf d Underschiid zwüsche islamistische und islamische oder muslimische Grubbe und Bardeie acht gee. „Muslimischi“ Grubbe und Bardeie underschäide sich vo de Islamiste in däm, ass si sich nit für e Politisierig vo dr Religion iisetze.

Litratuur[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  • Muriel Asseburg (Hrsg.): Moderate Islamisten als Reformakteure – Rahmenbedingungen und programmatischer Wandel. SWP, Berlin 2007 (PDF); Neuausgabe unter dem Titel Moderate Islamisten als Reformakteure? Bpb, Bonn 2008, ISBN 978-3-89331-883-4.
  • Abteilung Verfassungsschutz der Senatsverwaltung für Inneres und Sport Berlin (Hrsg.): Islamismus – Diskussion eines vielschichtigen Phänomens. Berlin 2005
  • Floris Biskamp, Stefan E. Hößl (Hrsg.): Islam und Islamismus. Perspektiven für die politische Bildung. NBKK, Gießen 2013, ISBN 978-3-00-041758-0.
  • Michael Bröning, Holger Weiss (Hrsg.): Politischer Islam in Westafrika. Eine Bestandsaufnahme. Lit, Berlin / Münster 2006, ISBN 3-8258-9349-9.
  • Dan Diner: Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen Welt. Propyläen, Berlin 2005, ISBN 3-549-07244-9.
  • Mohammed Djassemi: Die Grundzüge der islamischen Ideologie. In: Politische Studien. Sonderheft Naher Osten, München 1980; erweiterter Reprint: Der Islamische Fundamentalismus. Grundzüge der islamischen Ideologie im Iran. Djassemi, Tinnum 2004, ISBN 3-938104-03-1.
  • Gisbert Jörg Gemein, Hartmut Redmer: Islamischer Fundamentalismus. Aschendorff, Münster 2005, ISBN 3-402-06556-8.
  • Julia Gerlach: Zwischen Pop und Dschihad. Muslimische Jugendliche in Deutschland. Links, Berlin 2006, ISBN 3-86153-404-5.
  • Johannes Grundmann: Islamische Internationalisten. Strukturen und Aktivitäten der Muslimbruderschaft und der islamischen Weltliga. Reichert, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89500-447-2.
  • Hamid Reza Yousefi, Sarah Ginsburg: Kultur des Krieges. Amerikanismus – Zionismus – Islamismus. Nordhausen 2007.
  • Gilles Kepel: Le prophète et pharaon. 1984
    • Der Prophet und der Pharao. Das Beispiel Ägypten: Die Entwicklung des muslimischen Extremismus. Piper, Münche / Züri 1995, ISBN 3-492-03786-0.
  • Gilles Kepel: Jihad. 2000.
    • Das Schwarzbuch des Dschihad. Aufstieg und Niedergang des Islamismus. Piper, Münche / Züri 2002, ISBN 3-492-04432-8.
  • Gilles Kepel: Fitna. 2004.
    • Die neuen Kreuzzüge. Die arabische Welt und die Zukunft des Westens. Piper, München / Zürich 2004, ISBN 3-492-04643-6.
  • Bernard Lewis: The Emergence of Modern Turkey. Oxford University Press, London 1961
  • Bernard Lewis: The Political Language of Islam. University of Chicago, 1988.
  • Bernard Lewis: The Crises of Islam. Modern Library, 2003.
    • Die Wut der arabischen Welt. Warum der Jahrhunderte lange Konflikt zwischen dem Islam und dem Westen weiter eskaliert. Campus, Frankfurt am Main / New York, 2003, ISBN 3-593-37343-2.
  • Albrecht Metzger: Islamismus. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2005, ISBN 3-434-46238-4.
  • Beverley Milton-Edwards: Islamic fundamentalism since 1945. Routledge, London 2005, ISBN 0-415-30172-6.
  • Peter L. Münch-Heubner: „Islamismus oder Fundamentalismus? Ein Beitrag zu einem akademischen Glaubenskrieg“ in Hans Zehetmair: Der Islam. Im Spannungsfeld von Konflikt und Dialog. Wiesbaden 2005. S. 36–48.
  • Tilman Nagel: Islam oder Islamismus? Probleme einer Grenzziehung. In: Hans Zehetmair: Der Islam. Im Spannungsfeld von Konflikt und Dialog. Wiesbade 2005. S. 19–35.
  • Martin Riesebrodt: Die Rückkehr der Religionen. Fundamentalismus und der „Kampf der Kulturen“. Beck, Münche 2000, ISBN 3-406-45928-5.
  • Olivier Roy: L’Echec de l’Islam politique. Seuil, Paris 1992.
    • The Failure of Political Islam. Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 1994, ISBN 0-674-29141-7.
  • Bobby S. Sayyid: A Fundamental Fear: Eurocentrism and the Emergence of Islamism. Überarbeitete Auflage. Zed Books, 2003, ISBN 1-84277-196-5.
  • Bernhard Schmid: Algerien – Frontstaat im globalen Krieg? Neoliberalismus, soziale Bewegungen und islamistische Ideologie in einem nordafrikanischen Land. Unrast, Münster 2005, ISBN 3-89771-019-6.
  • Thomas Schmidinger, Dunja Larise (Hrsg.): Zwischen Gottesstaat und Demokratie. Handbuch des politischen Islam. Zsolnay, Wien 2008, ISBN 978-3-552-06083-8.
  • Tilman Seidensticker: Islamismus: Geschichte, Vordenker, Organisationen, Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66069-6.
  • Bassam Tibi: Die Krise des modernen Islam. Eine vorindustrielle Kultur im wissenschaftlich-technischen Zeitalter. Beck, München 1981, ISBN 3-406-06028-5; erweiterte Ausgabe: Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-28489-4.
  • Bassam Tibi: Der religiöse Fundamentalismus im Übergang zum 21. Jahrhundert. BI-Taschenbuchverlag, Mannheim u. a. 1995, ISBN 3-411-10501-1.
  • Matenia Sirseloudi: Zwischen Assimilation und Abgrenzung. Die Bedeutung der Religion für die Identität der türkischen Diasporagemeinschaft in Deutschland. In: B. Oberdorfer, P. Waldmann: Die Ambivalenz des Religiösen. Religionen als Friedensstifter und Gewalterzeuger. Rombach, Freiburg 2008, S. 289–314.
  • Matenia Sirseloudi: Radikalisierungsprozesse in der Diaspora, in: APuZ 44/2010, S. 39–43 (link)
  • Isabelle Werenfels: Vom Umgang mit den Islamisten im Maghreb. Zwischen Einbindung und Unterdrückung. SWP, Berlin 2005 (PDF)
  • Khadija Katja Wöhler-Khalfallah: Islamischer Fundamentalismus. Von der Urgemeinde bis zur Deutschen Islamkonferenz. Schiler, Berlin 2009, ISBN 978-3-89930-229-5.
  • Ernst Nolte: Die dritte radikale Widerstandsbewegung: Der Islamismus. Landt, Berlin 2009, ISBN 978-3-938844-16-8.
  • Johannes Kandel: Islamismus in Deutschland – Zwischen Panikmache und Naivität. Herder, Freiburg im Breisgau / Baasel 2011, ISBN 978-3-451-30399-9.
  • Boualem Sansal: Allahs Narren. Wie der Islamismus die Welt erobert. Merlin, Vastorf-Gifkendorf 2013, ISBN 978-3-87536-309-8.
  • Imad Mustafa: Der politische Islam. Zwischen Muslimbrüdern, Hamas und Hizbollah. Promedia, Wien 2013, ISBN 978-3-85371-360-0.

Weblingg[ändere | Quälltäxt bearbeite]

 Commons: Islamismus – Sammlig vo Multimediadateie

Fuessnoote[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  1. Olivier Roy:The Failure of Political Islam. I. B. Tauris & Co., London 1999, ISBN 1-85043-880-3, S. 2.
Information icon.svg Dä Artikel basiert uff ere fräie Übersetzig vum Artikel „Islamismus“ vu de dütsche Wikipedia.

E Liste vu de Autore un Versione isch do z finde.