Die alte Kirchenglocke

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Dialäkt: Schwäbisch

Die alte Kirchenglocke, schwäbisch De alt Kirchaglock, isch a Märle vom dänischa Dichter Hans Christian Andersen, wo zom gröschda Doil em Schwobaland spielt, ond deswega hot‘s au a bissle mit dr schwäbischa Kultur zo doa.

D‘ Gschicht[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Dr Hans Christian Andersen isch jo de meischte Leit bekannt durch seine Märla. Au deane, wo net älle von em kennat, fallet zomindescht a baar von em ei: „Em Kaiser seine neie Kloidr“, „Dr standhaft Zennsoldat“, „D‘ Gschicht vom hässlicha jonga Entle“ ond „D‘ Prinzessin uf dr Erbs“. Dia kommet au en älle Märlessammlonga vom Hans Christian Andersen vor. „De alt Kirchaglock“ dagega kennet blos a baar wenig Ei’gweihde.

Mit deam Märle hot’s de folgend Bewandtnis:

Em Johr 1860 hot dr dänische Märlesdichter Hans Christian Andersen amol Stuegert bsuacht. Deet isch er vom Verleger Carl Hoffmann eiglada worda. Wia no dia zwoi bei a baar Viertela Trollenger zsammagsessa send, hot dr Hoffmann zom Andersen gsait: „Du, i geab dr a Honorar, wo de selbscht bestemma kooscht, wiaviel’s sei soll. Du muescht mr bloß a Märle liefra, wo no et veröffentlicht worda isch.“ So isch’s no au komma: Zemlich gnau a Johr später isch ‘s "Schiller-Album der Allgemeinen deutschen National-Lotterie zum Besten der Schiller- und Tiedge-Stiftungen" erschiena, ond det isch des Märle vo dr Kirchaglock ‘s erschte Mol abdruckt gwäa.

Inhaltsogab[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Mir schreibet’s Johr 1759. En Marbach am Necker wohnt em a kleina ärmlicha Heisle a brava ond fleißiga Familie. Dera hot dr liabe Gott nomol a Kend schenka wella. Wia bei dr Frau grad d‘ Weha eisetzet, hört se vom Kirchdurm, wo ganz en dr Näh isch, a Glock leida, ond en deam Moment brengt se an Bua zor Welt. Do drieber isch se froh ond glicklich. Dr Vadder vermerkt d‘ Geburt en dr Familiabibel: „Den 10. November 1759 schenkte Gott uns einen Sohn.“ Bei dr Dauf kriagt’r da Nama Johann Christoph Friedrich.

A baar Johr send verganga, ond dui Familie zuiht en na andra Stadt om. Weil se en Marbach aber no emmor viel Bekannte hot, kommt d‘ Mueder mit ihrm Kend amol zu deane uf Bsuach. Wia se grad am Kirchhof vorbeilaufet, sehet se neaba dr Mauer dui alda Glock liega. Se isch bei ma Sturm raaghaglet, hot an jesas Sprong kriagt ond ko jetzt nemme schella. Se isch au scho durch a nuia ersetzt worda. Des nemmt d‘ Mueder zom Olass, ihrem Bua zo vorzähla, wia a Glock ‘s ganz Leaba begloida duat: Se läudet bei Daufa, bei Hochzeida ond bei de Beerdigonga.

Dr Bua wuud größer ond kriagt a guada Ausbildong en dr Herzoglicha Milidärschual. Abr do g’fällts em ieberhaupt et. Mit deane viele „Marsch!“„Halt!“ ond „Front!“ ka-ner sich gar et ofreinda, ond wia-ners gar nemme aushält, haut’r oifach ab ond goht ens Ausland, zerscht en d‘ Kurpfalz ond später noch Weimar.

Wia abr goht’s mit dera Glock weiter? – Dui def au a großa Reis macha. Weil se zo nix meh daugt, soll se eigschmolza werda, ond des bassiert mit’ra en Bayern, abr viele, viele Johr später.

S Schillerdenkmal
vom Bertel Thorwaldsen
en Stuegert

Jetzt folgt en deam Märle a kleiner Toil, wo en dr Hoimat vom Märlesdichter spielt, nämlich en Dänemark. Deet leabt a Bildhauer, wo scho viel herrliche Marmorwerk gschaffa hot. Er isch deshalb au dr Stolz vo seim ganza Land. Abr au em Ausland isch’r koi Obekannter. Er kriegt Ufträg aus äller Welt. Jetzt zom Beispiel soll’r a Statue schaffa vo ma ganz berihmda andra Mo, wo vor hondert Johr en Marbach am Neckor gebora worda isch.

S isch a sonniger Tag. En dr keniglicha Hauptstadt Stuegert wehet d‘ Fahna vo Dirm ond Dächer. D’Kirchaglocka leidet zom Fescht; abr o i Glock isch ganz still. Dui leichtet en deam klara Sonnaschei vom Kopf ond vo dr Bruscht vo dera Statue, wo se uf deam Platz vor em Schloss ufgstellt hend ond heit eiweihet, hondert Johr noch seira Geburt en Marbach: Johann Christoph Friedrich Schiller.

Dr wohre Kern[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Au wenn dr Andersen sei Erzählong a Märle gnannt hot, so enthält dui Gschicht doch viele Sacha, wo wohr send. An aufmerksamer Leser merkt bald, dass‘s om da Schiller ghot, au wenn dr Dichter sein Nochnama erscht ganz am Schluss vorrote duet. Ond dia en dem Märle enthaldena Ospielonga ans Lied vo dr Glock send au ganz offakundig. Mit dem Bildhauer moint dr Andersen sein großa Landsmo Bertel Thorwaldsen, ond der isch au en Wirklichkeit dr Schöpfer vom Schillerdenkmal, wo uf em alda Schlossplatz en Stuegert errichdet worda isch. Heit hoißt der Platz „Schillerplatz“.

Lidratur ond Quell[ändere | Quälltäxt bearbeite]

„Aus tausend grünen Spiegeln...“, a poedischa Entdeckongsreis en Bada-Wirdaberg vom Thomas Vogel mit Fotografia vom Michael Büchner, Konrad Theiss Verlag Stuegert, 1995 (S. 126-127), ISBN 3-8062-1159-0