Text:Otto Gittinger/So semmer Leut/Glück ond Liabe

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Glück ond Liabe

D'Neufrieders Käther - 's kommt em Blatt -
Dia krieagt en Herra-n-aus der Stadt -
Do gucka d'Leut - en nobla Vetter -
Er riaft ar Käthchen anstatts Käther.
Se kriagt en Huat' ond Fengerreng
Ond om da ganza Hals a B'häng.
Ond nobel mueß au d'Hochzich sein,
Zom Anfang sengt der G'sangverein.
Sia hot anstatts am Myrtakranz
Em Hor en kurze Bloamaschwanz.
Er stoht mit Glazehendschich dran
Ond b'hält's au beim Kupliara-n-an.
Nochher wird tanzt, des hot en Schlag,
Ond tronka, was en d'Haut nein mag.
Der Frieder schwätzt nenz, d'Händ em Sack
Raucht er Ziehgarra statts Tuwak.
Ond d'Muater kan se gar net freua,
Se muaß all'weil hehlenga schreia.
Am andra Morga früah goht's ab,
Ond wia no 's Kütschle kommt en Trab,
No goht der Alt zu seine Küah,
Ond sia hot überlaut nausg'schriea.
A wenga nochher ond au später
Kommt als a Briefle von der Käther,
Se schreibt, wia schön se's jetzet häb
Ond wia mer en der Stadt guat leb,
's Tags zweimol Fleisch, ond mai wia g'nua,
Ond Mittags no Musik derzua,
Der König lauf am Haus verbei,
Ond em Thiater sei se g'sein,
Ond über gar nenz könn se grauba -
Der Frieder sait: "Mer sott's net glauba."
Bald druf schreibt d'Muater au der Käther
Vom Viech, ond no vom Regawetter,
Ond no vom Jomer, ond se soll
Se doch b'suacha ball amol.
Schreibt d'Käther druf, sie käm am End,
Iar Man well net, der sei's net g'wöhnt
So d'Hear ond Säuble en der Stub
Ond alltag Milch ond Wassersupp -
Se häb's pressant, drom well se schliaßa,
Se laß da Vater veilmol grüaßa.
Uf des mag d'Mauter nemma schreiba,
Ond d'Käther lots au druf bleiba.
So gean drei Jährle schnell verbei,
's ischt a Novemberobed g'sein,
Mer hot schaun Feierobed g'macht,
Der Frieder ond sei Weib ißt z' Nacht.
Drauß heult der Sturm ond treibt da Schnai
Ond Rega fascht dur d'Fenster nein.
"Des Wetter!" hot der Frieder g'sait,
"Do gnad Gott alle Wandersleut!"
Kaum hot er's g'sait, klopft's an der Tür,
Der Frieder ziegt da Riegel für
"Wer klopft do draußa-n-en der Nacht?"
Kein Antwort! Wia-n-er d' Tür ufmacht,
No fallt der Liachtschein uf a Weib,
Des zitterat am ganza Leib.
Se traut net, soll se fürsche gaun,
Ond ka vor Elend schiar net staun.
Jetz fahrt de Alt vom Stuahl en d' Höh,
Schießt naus zur Tür ond schreit:
"Herrjeh! Mein Kätherle! Mein Kätherle!" -
Se ziagt se rein an Ofa nan
Ond streichelt se ond schilt da Man
"Was stohscht ond schwäzscht net! - Reg de, Frieder!
Gottlob, mer henn doch 's Mädle wieder."