Text:Johann Peter Hebel/J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 2/Die Hauensteiner Bauernhochzeit

Us der alemannische Wikipedia, der freie Dialäkt-Enzyklopedy
Zur Navigation springen Zur Suche springen

[75] Die Hauensteiner Bauernhochzeit

Aufgeführt, in Gegenwart Ihrer Königlichen Hoheit
der Frau Großherzogin Stephanie, von einer
Gesellschaft auf einem Maskenballe im Dezember
1814


Ein Schulmeister tritt auf mit den Hochzeitsleuten und spricht:

An das Gefolge:
Jez stelletich! - du doher, hani gseit!
Und du dört mit dim große Dreispitz links!
Und neig si ieds, und betet lisi no!

An die Großherzogin:
Do bringi, liebi gnädigi Fürste-Frau,
ne ganzi Hochzit usem Hauestei
vo Herischwand. Vor vierzeh' Johre hen
sie alli 's A, B, C no bi mer g'lert
und treui Fürsteliebi. - Der do het
[76] scho in der Schuel gern 's Marianli gseh,
und Töpli g'hobe für 's. Drum, d'Liebe het
kei Zit. Jez endli vor Michelitag
hen's d'Väter us g'macht. - Loset, hani gseit,
lönts mittem Chilchgang, mittem Frundesprung
no Zit ha bis zuem heilige Stephanstag!
Mer göhn go Carlisrueh! Wer weiß, es macht
der liebe Fürstinn au ne chleini Freud.
Sie isch io au zue üs cho. - Großi Freud
Isch 's gsi im Land. - O, gnädige Fürste-Frau,
mer chönnes nie vergesse. D'Muetter seit's
im Chindli uffem Schoß, und 's Chindli lacht
und zuckt vor Freude. Dankich Gott der Her
für Eui Liebi, und was Euer Herz
erfreue mag, das gebich Gott! - 's erfreut
viel tausig tausig Herze. - Uiser eis
cha's nit so sagen, au ne Schuel-Her nit.
- 's isch viel g'seit. - Bring der lieb Gott gesund und froh
bald wieder üse Heren in sein Schloß,
und segne seine Kronen und sein Haus
auf späte Zit! - Sin Eui Chinder brav?
's gröst wird iez bald in d'Schuel go, denki wohl.
Erhalt Gott ihri Bäckeli frisch und roth,
und schenkene der Muetter chöstlig Herz
und bald e Brüederli. - Jez weihet au
mi Pärli do mit Euem liebe Blick,
und chömmet, wenn der Maie wieder grüent,
und Bluest zue neui Freude-Chränze bringt,
au wieder ufe! - 's grothet Frucht und Wi
nit, biß der wieder in der Nöchi sind,
und Sege bringet, wie im Johrgang Oelf.
's isch Sege, wo der sind. -

An die Braut:
Jez, Marian,
Gang, gieb's Papierli umme! Bisch nit schüch!
(indem sie bereits vor der Großherzogin steht und sich von selbst neigt)
und neig di zimpfer! Zeig!