Das Gewitter

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Dialäkt: Schwäbisch

Das Gewitter (schwäbisch: S Gwiddr) ischt a Ballade, wo vom Gustav Schwab em friha 19. Jôhrhondert vrfasst wôrra ischt. Des Werk hôt seggs seggs-zeilige Strofa, wo sich paarweis reimet.

Handlong[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Lightning NOAA.jpg

A viirkepfiga Familie, wo sich us dr Urahna (Uroma), dr Ahna (Oma), dr Muadr ond amma Kend zammasetzt, vrbrengt an Ôbed vôr-a-ma Feierdag drhoim en dr Stub. D Luft ischt ganz schwiil, ond mr heert, wia a Gwiddr raufziagt. Älle machet sich Gedanka driber, was se môrga am Feierdag doa kenndet. S Kend will em Wald schbiila, rommrenna ond Blôama pflicka. D Muadr hôt vor, ihr scheests Kloid ôô-zo-ziha ond frehlich zo sei. Fir d Ahna brengt dr Feierdag nix Bsondrs; er ischt so wia emmr: Se muaß halt schaffa. D Urahna plôget Krankheida; drom dät-se môrga am gernschda sterba.

Uff oimôl duat’s an arga Schlag: Dr Blitz fehrt en d Stub nei ond vrnichdet s Haus mit dr ganza Familie.

De ganz Ballade[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Das Gewitter[1]

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
In dumpfer Stube beisammen sind;
Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt,
Großmutter spinnet, Urahne gebückt
Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl -
Wie wehen die Lüfte so schwül!

Das Kind spricht: „Morgen ists Feiertag,
Wie will ich spielen im grünen Hag,
Wie will ich springen durch Tal und Höhn,
Wie will ich pflücken viel Blumen schön;
Dem Anger, dem bin ich hold!“
Hört ihrs, wie der Donner grollt?

Die Mutter spricht: „Morgen ists Feiertag,
Da halten wir alle fröhlich Gelag,
Ich selber, ich rüste mein Feierkleid;
Das Leben, es hat auch Lust nach Leid,
Dann scheint die Sonne wie Gold!“
Hört ihrs, wie der Donner grollt?

Großmutter spricht: „Morgen ists Feiertag,
Großmutter hat keinen Feiertag,
Sie kochet das Mahl, sie spinnet das Kleid,
Das Leben ist Sorg und viel Arbeit;
Wohl dem, der tat, was er sollt!“
Hört ihrs, wie der Donner grollt?

Urahne spricht: „Morgen ists Feiertag,
Am liebsten morgen ich sterben mag:
Ich kann nicht singen und scherzen mehr,
Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer,
Was tu ich noch auf der Welt?“
Seht ihr, wie der Blitz dort fällt?

Sie hörens nicht, sie sehens nicht,
Es flammet die Stube wie lauter Licht:
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
Vom Strahl miteinander getroffen sind,
Vier Leben endet ein Schlag -
Und morgen ists Feiertag.

A Parodii uff dui Ballade[2][ändere | Quälltäxt bearbeite]

Dr Heinz Erhardt hôt jô an Haufa klassische Ballada parodiirt, so ischt zom Beischbiil us-em Goethe seim Erlkönig dr König Erl ond us-em Schiller seim Taucher dr Tauchenichts wôrra. Drneaba hôt’r abr au a baar Ballada vo de kleinere litrarische Talent durch da Kakao zooga. So ischt us-em Schwab seim Gewitter s 18-zeilige Gedicht Das Unwetter wôrra. Dô drbei hôt der Heinz Erhardt de erschde zwoi Zeila fascht wertlich vom Schwab ibrnomma:

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
in dumpfer Stube versammelt sind.

Dr Witz beim Heinz Erhardt entstôht dô dren, dass dia boide Zeila am Schluss vo de oinzlne Strofa emmr a bissle abgwandlet werret: Z’erschda so:

Und es sind versammelt in dumpfer Stube
Urahne, Großmutter, Mutter und Bube.

Ond schbätr so:

Und in dumpfer Stube – man weiß das schon –
Sind Urahne, Großmutter, Mutter und Sohn.

Nôchdem dr Blitz em Haus eigschlaga hôt, heert s Gedicht so uff:

Die dumpfe Stube entflammt und verglimmt
mit Urhammel, Großbutter, Butter und Zimt ...

Beim Heinz Erhardt isch dr Titl vo seim Gedicht mit-ma Sternle vrseha. En dr Fuaßnot hoißt’s: Frei nach Ludwig Uhland, dem Erfinder der gleichnamigen Straße.

(Vom Heinz Erhardt geit’s au a Gedicht mit-em Titl Das Gewitter. Des hôt abr ibrhaupt koin Bezug zom Gustav Schwab!)[3]

Oinzlne Nôchweis[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  1. Die schönsten Balladen, rausgäa vom Carl Stephenson, Gebrüder Weiss Verlag Berlin-Schöneberg, 1962, S. 178 bis 179
  2. Das große Heinz Erhardt Buch, Fackelträger-Verlag Hannover, 11. Ufflag 1970
  3. Das Neueste von Heinz Erhardt, Verlag Klemmer + Müller, Oldenburg, 1976, S. 185, ISBN 3-9800107-0-8