Sebastian Sailer „Baurenhochzeit“

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Losat auf und hairat zua,
was i jetz gauh’ singa thua:
was si aischt vôr litzel Daga
hôt zuatraga
bey deam Schtigelwiath im Haus
uf am nuia Hauchzeitschmaus.

’s Bläsis Deis und Bella Threi’
hau’t anander g’nomma fei’,
und anander d’ Aih verschprocha
vôr drey Wocha:
wearat Hauchzeit macha bald;
freut si druf so Jung as Alt.

’s riicht si jô schau’ jederma’
uf dia Hauchzeit, wia as ka’.
Dear Wiath hôt fai’f Schtier druf g’schlaga,
lau’t ui saga:
hôt au g’metzgat no darzua
vier Sau und an alte Kuah.

Mädla, Buaba, Weib und Ma’
riicht si, wia a Jedes ka’.
Jäck sein Schaupa lôt umkaihra,
theant nu’ haira.
D’ Hosa schmitza lau’t dia Kneacht,
daß zur Hauchzeit taugat reacht.

Nuie Hauba und Visier,
raute Bändel, geale Schnüer
thuat ma ällerhand ei’kaufa
und umlaufa
um nuie Schuah und anders Zuig;
schla’ mi’s Bleachle, wenn i luig.

Bibers Hans und Dulla Bua
schpringat schau’ am Wiathshaus zua.
Schäfers Michel kommt im Kraga,
lau’t ui saga.
Domma dear ischt gar itt faul,
bringt sei’ Appel ufam Gaul.

Knode Hans schreyt überlaut:
’s kommt dear Bräuckel und dia Braut.
D’ Buaba theand äll Juhe schreya:
dia Schalmeya
g’waltig überei’ mit schtimmt,
Hans da Dudelsack brav klimmt.

Wiath, schpring! deck da Disch g’schwind auf.
Peter! hol du ’s Drinka rauf.
Köche! laß dar’s itt lang saga,
thua auftraga
d’ Morgasupp für d’ Hauchzeitleut,
daß ma eassa ka’ bey Zeit.

Machat g’schwind, dia Wiathe schreit,
vôr ma gar in d’ Kircha läut’t.
D’ Mädla gauh’t schau’ mit dar Juppa
zua dar Suppa.
D’ Kneacht, dia sitzat ziemle eng,
machat do koi’ grauß Gedräng.

Wia ma z’sämma läuta thuat,
winkt dar Meßmar mit am Huat,
daß ma soll in d’ Kirch begloita
mit di Soita
dean Hauchzeiter auf das Bescht
und dia Braut samt alle Gäscht.

Knüpfel Mathe füahrt dia Braut,
ear schreyt Juhe überlaut.
Kälber Leart und Neissa Bäschte
seand dia Nähschte,
dia noah deam Hauchzeiter gauh’t
und am nähschta bey am schtauh’t.

In dar Kircha jederma’
seaha thuat dees Hairle a’,
was as denn wead nuias singa
und fürbringa.
D’ Buaba singat überlaut
aell zu Aihra eusar Braut.

Wia dar Gottsdeanscht g’fanga a’,
Jung und Alt und Weib und Ma’
um dan Altôr kommat ganga
mit viel Pranga.
Opfrat jedas, was as will,
Heller, Pfenning in dar Schtill.

D’ Braut gôht um dan Altôr rum,
as wenn grad d’Amtmänne komm.
Sui thuat si ganz zierle bucka.
Aells thuat gucka
nu’ uf sui und ihren Ma’,
wia as Hauchzeitkloid schtand a’.

Glei druf hôt ma, wia’s gebührt,
boide zum Altôr na’ g’führt.
’s Hairle us am Buach thät leasa,
mieach a Weasa,
daß koi’ Mensch auflosa ka’,
sui sey ’s Weib und ear dar Ma’.

Dô dar Gottsdeanscht hôt an End,
gôht ma us dar Kirch behend;
aelle Schpielleut uf sie waata
hinderm Gaata.
Pfeifa, Geiga und Schalmey
theand, as wenn älls wüatig sey.

Wia se kommat zum Wiathshaus,
schpringt dar Wiath beym Gau’sschtall raus,
und thuat saga zua di Gäschta:
Mit am Beschta,
so i hau’ in meinem Haus,
will ui geaba einen Schmaus.

Suppa, Kraut und Kuttelfleack,
schöane grauße Schtücker Schpeack,
Zwetschga, brôtne Gäu’s und Dauba,
Schnitta, Schtrauba,
Bauraküachla, Oierbraud.
Lenz frißt si schier halba daud.

Rüaba, Rindfloisch, Sulz und Reis,
geale Brôtwu’scht, süaße Schpeis
thuat ma läschtle viel auftraga.
Deiß thät saga:
Schtellat’s fei’ wohl in di Mitt,
i bi’ klei’, verlangt su’scht itt.

Nu’ brav trunka, dar Wiath schreyt.
Ueri, Jôckel, Hans und Veit
saufat grad wia Büschtabinder,
hau’t itt minder
g’soffa aus wohl zwanz’g Môß Bier,
g’freassa au an halba Schtier.

Kaschpers Michel und sei’ G’schpa’
schreyat, was a jeder ka’:
Lau’t is gauh’ da Danz a’fanga,
itt lang pranga.
Jeder neahm sei’ Mädle raus;
i will schpringa, daß a Graus.

Jäck thät saga überlaut:
I will danza mit dar Braut;
mach auf, Schpielma’! laß di haira,
daß in Aihra
Jetzt an schöana Danz ka’ thoa’;
nimm dui Landmünz zua dei’m Loah.

Dar Hauchzeiter ischt itt faul,
schpringt as wia a junger Gaul.
Hans und Mäte, dia zwea’ Lappa
Theant drei’ tappa;
Jô sia schtampfat so au’keit,
daß ma’s hairt, woiß itt wia weit.

Dô as Zeit zum Schenka ischt,
hôt ma Braut und Bräuckel grüßt,
daß sie könnat sei’ bey Zeita
vo’ die Leuta
g’schenkte Sacha neahma ei’,
wia ma’s bringt in d’ Schtuba nei’.

Schenkleut geit as ziemle viel,
bringt a jedas, was as will.
Krüag und Kübel, Schwinga, Breacha,
Gabla, Reacha.
Werg geit ma ganz Schaußa voll,
zwanzig Knitta seand as wohl.

Ma geit Enta, Gäu’s und Schmalz,
kleine Pfändla und a Salz;
Nudelbreatt, an Trog zum kneatta,
Leuchter, Kreatta,
Schüssla, Häfa geit ma g’nua,
a jungs Kitzle au darzua.

Wia dees thät vorüber sei’,
nimmt dar Schultas a Glas Wei’;
sait: dar Bräuckel und Braut eaba
sollat leaba
maih as zwoy, druy hundert Jôhr,
wenn sui nu’ itt schterbat vôr.

Jetz gôht ’s Danza wieder a’,
schpringt a jedes, wia as ka’.
Mädla, Buaba gauh’t sealbander
mitanander
grad naus zua des Pfeifers Saul;
koi’s zum Danza ischt zua faul.

Ueberlaut schreit Schtoffels Koart:
Sitz a Jeder an sein Oart!
I glaub, ihr hau’t ’s Drinka, Eassa
gar vergeassa:
i will aischt reacht heba a’,
seaha, wear mar’s vôrthua ka’.

Wia a Sau dar Kaschper frißt;
Hans leit dunda ufam Mischt.
Schultas Kneacht leit ufam Schraga,
dear Saumaga.
Jôckel schtinkt vom Brändtawei’,
daß koi’ Mensch ka’ bey am sei’.

Michel ällweil Hundsfud schreyt,
Domma ihn d’ Schtieag abi keit;
Schäfers Velte hôt ma d’ Goscha
brav verdroscha.
Bläsi hôt ma d’ Finger g’schtutzt,
Kälber Mäthe ’s Maul ausbutzt.

Endle kommt dar Wiath herei’,
sait, was nu’ dia Zeach soll sei’.
Jetz hoißt’s halt: mei’ lieaber Veitel,
zuih da Beutel;
zahl dei’ Zeach und gang nach Haus;
’s hôt an End dar Hauchzeitschmaus.

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Sebastian Sailer „Baurenhochzeit“ in „Deutsche Gedichtebibliothek“