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Nochhaltigkeit

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Nochhaltigkeit (hochdütsch: Nachhaltigkeit, englisch: Sustainability) bezeichnet d'Eigeschaft vo einzelne Sache oder vo ganze Syschteme, über ganz langi Zit trotz Beaschpruchig b'schtoh z'bliibe oder sich immer wieder regeneriere z'chönne. Entschtande isch dr Begriff vor allem in dr Forstwirtschaft. Im Rahme vo dr nochhaltige Entwicklig (hochdütsch: nachhaltige Entwicklung, englisch: sustainable development) isch er schpöter usdehnt worde zue ne me Konzept für e weltwiti, zwüsche de Länder un de verschiedene Generatione gerächte Wirtschaftswiis.

Begriffsgschicht

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Nochhaltigkeit isch vor allem sit dem Mittelalter noch de große Rodige in dr kontinentaleuropäische Forstwirtschaft entstande und het erscht emol bedütet, ass mr dr Wälder un Forste erhalte un nit witer abholze sött. So schriibt der französisch König Philipp VI. in siinere Ordonance de Brunoy vo 1346, die königliche Wasser- und Forstbeamte miesste druf luege, ass d Wälder «se puissent perpetuellement soustenir en bon estat», also sich b'schtändig in guetem Zuestand erhalte chönnte. Ähnlichi Regelige het s au in Dütschland für d'Wälder vo de Riichsschtädte un für d'königliche Forste ge. Au viele Vorschrifte für de holzintensive Betrieb vo Saline im schpote Mittelalter, zuem Bischpiil im schpötere Bad Reichenhall, wie d'Iifiehrig un de Betrieb vo spezielle Sudwälder, sin vom Nochhaltigkeitsgedanke b'schtimmt gsi. Doderzue g'hört au no die Entwicklig vo Verfahre zur künschdliche Saat vo Noodle- un schpöter au Laubbäum sit em End vom 14. Johrhundert in Nürnberg, wo zue ne me iiträgliche G'schäftszwiig vo dr Schtadt wore n isch. In dr Literatur findet me Nochhaltigkeit au usserhalb vo dr Forstwirtschaft als Kennzeichnig vo Ussduur un B'schtändigkeit, zuem Biischpiil bi dr Arbet. So heisst es öbbe biim Jeremias Gotthelf über Lüt, wo ihr Tagwärch g'wüssehaft verrichte: sie "lagen ihm auch mit großem Fleiß und staunenswerter Nachhaltigkeit ob"[1]. Als umfassendes forstwirtschaftlichs und schpöter sogar forstwüsseschaftlichs Konzept isch d'nochhaltigi Nutzig («nachhaltende Nutzung») aber erscht noch de Verwieschdige vom Drissigjöhrige Chrieg vom sächsische Oberberghauptma Hans Carl von Carlowitz in siinere Sylvicultura Oeconomica vo 1713 aasatzwiis entwicklet worde.[2] Das isch de Start zue ne me umfassende Schrifttum über Theorie un Praxis vo dr Nochhaltigkeit im Forstwäse gsi. Scho friehj findet sich au dr Gedanke vo dr Rucksichtnahm uf schpöteri Generatione («die liebe Posterität», wie öbbe de Carlowitz schribt). Neu isch aber au, ass me s alti Prinzip «mer sott nit mehr Holz schlage wie nochwachst» - das isch jo dr Kern vo dr Nochhaltigkeitsidee - jetz au drzue verwendet, dem «Nochwachse» e bizzeli nochz'helfe, zuem Bischpiil durch Pflanzig vo schnell wachsendi Baumarte, wie öbbe Fichte.

Begriffskarriere

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In verschiedene dütsche Fürschtetümer isch in dr Folgezit e umfangriichi forschtwirtschaftlichi, immer stärker wüsseschaftlich usg'richtete Literatur entstande, im 19. Johrhundert sin verschiedene forschtwirtschaftliche Lehranschtalte gründet worde. Drus hän sich schpöter forstwüsseschaftliche Hochschuele oder Fakultäte entwicklet. In de beide letschte Johrhunderte sin denne großflächigi Ufforschtigsaktione dureg'fiehrt worde, meischtens mit schnellwachsende Fichte un Tanne, wie im Schwarzwald, oder au mit „rauchfeschte“ Bäum, wie öbbe Eberesche im Erzg'birg, wo de «suure Räge» us de Abgase vo Fabrike un Kraftfahrzüg hän besser ushalte chönne. So sinn an Schtelle vom natürlige Mischwald öfter au mänggi Monokulture entstande, wo im Blick uf d'Biodiversität nit so arg nochhaltig sin. Trotzdem sin nebe die enge wirtschaftliche Kriterie wie Holzertrag zuenähmend ökologischi G'sichtspünkt in Theorie un Praxis iibezoge worde, wie die Funktione vo de Wälder für d'ganzi Natur- un Läbenserhaltig (Wasserschpeicherig, Bodebefeschtigung, Suuferhaltig vo dr Luft, Suurstoffproduktion un so witer), für d'Äschthetik vom Landschaftsbild un für d'Erholig vo dr Bevölkerig. Drnäbe hän sich sit em Mittelalter in de Alpe, vor allem in dr Schwiiz un in Österrich, aber au in so unterschiedliche Regione wie Spanie, Japan, Philippine oder Kalifornie, schpontan kollektivi un nochhaltigi Nutzigsforme vo „Allmändgieter“ usebildet, wo zuem Teil no hüt b'schtöhn (lueg Elinor Ostrom 1999). Sit dr Mitte vom 19. Johrhundert hän die Erfolg vo dr nochhaltige Forschtwirtschaft - vor allem über usländischi Absolvente vo de forschtliche Lehranstalte - usgschtrahlt nach England, Amerika, Russland un bis hi zuem Vordere un Mittlere Orient. Dr „nochhaltige Ertrag“ isch als „sustained yield“ verbreitet un usdifferenziert worde (zuem Bischpiil as „maximum sustainable yield“, kurz „MSY“, als „maximal nochhaltiger Ertrag“), un d'forstwirtschaftlichi Nochhaltigkeit het im 20. Johrhundert als „sustained yield method“ weltwiti Karriere g'macht. Usserdem het me d'nochhaltigi Bewirtschaftig au no usdehnt uf anderi regenerierbari Tier- und Pflanzenarte.

Begriffsüberdehnig?

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E dramatischi un nit unproblematischi Uswitig het d'Nochhaltigkeit anne 1987 g'macht, wo d'„Weltkommission für Umwelt un Entwicklig“ („World Commission for Environment and Development“) in ihrem Bericht Unsere gemeinsame Zukunft (Hauff 1987), noch dr Vorsitzende au kurz Brundtland-Report g'heiße, mit dr Idee vo dr nochhaltige Entwicklig (sustainable development, hochdütsch au „dauerhafte Entwicklung“) e globali Kompromissformle ufg'schdellt het, um die unterschiedliche Interesse vo de riiche Länder im Norde un de meischtens ärmere Länder im Süde unter ei Dach z'bringe un au no mit eme faire Usglich vo de Lebensbedingige vo de hütige Mensche mit denen, wo in dr Zuekunft au exischtiere wänn, z'verbinde - wenigschdens uf em Papier. D'Wältwirtschaft isch aber kei abgrenzbari Kultur vo nochwachsende Bäum, sundern e globale Konnex vo wirtschaftliche un politische Beziehige, wo primär uf erschöpfliche Energie- un andere Ressource beruehe, wo ebe nit nochwachse un drum au it im Wortsinn nochhaltig g'nutzt wärde chönne. Mit alle mögliche Idee vo schwacher versus starker Nochhaltigkeit oder vo n eme «Drei-Süüle-Modell» vo ökonomischer, ökologischer un sozialer Nachhaltigkeit het me versuecht, des Problem uf d Site z'schiebe. Alli hänn jetz vo Nochhaltigkeit g'schwätzt, un dr Weltbankexperte John Pezzey (1992) het intern scho zweu Johr noch em Brundlandt-Report Dutzendi vo enander widersprächendi Definione vo Nochhaltigkeit (Sustainability) festg'schdellt un von eme „'motherhood and apple pie'-Konzept“ g'schproche, wo jeder defür isch, wil s guet klingt, aber niemez so rächt weiß, was es eigentlich bedütet. Wenn s in dr nöchschde Zuekunft nit g'lingt, Nochhaltigkeit zue ne me operationale un dodemit au verbindliche Konzept z'mache, denn b'schtoht d G'fohr, ass es zue ne me Plastikwort im Sinn vom Friburger Sprochwüsseschaftler Uwe Pörksen wird und notwändige Politik durch nutzlosi Begriffshueberei ersetzt.

  • Carlowitz, Hans Carl von: Sylvicultura Oeconomica. Hausswirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht. Leipzig: Braun, 1713
  • Hauff, Volker: Unsere gemeinsame Zukunft. Greven: Eggenkamp, 1987
  • Nutzinger, Hans G.: „Von der forstwirtschaftlichen zur kulurellen Nachhaltigkeit“. In: Erziehung, Wissenschaft, Ethik 21(2010), Heft 4, S. 481-483
  • Ostrom, Elinor: Die Verfassung der Allmwende. Tübingen: Mohr Siebeck, 1999
  • Ott, Konrad/Döring, Ralf: Theorie und Praxis starker Nachhaltigkeit. Marburg: Metropolis, 2004
  • Pezzey, John: Sustainable Development Concepts. An Economic Analysis (World Bank Environment Paper No.2). Washington, D.C.: World Bank 1992
  • Pörksen, Uwe:Plastikwörter. Die Sprache einer internationalen Diktatur. Stuttgart: Klett Cotta, 1988
  1. Jacob Grimm/Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Band 7, Leipzig: Hirzel 1889, Sp.69
  2. Sylvicultura Oecomica. Hausswirtschaftliche Bachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht. Leipzig: Braun, 1713