S Hilfswärk «Kinder der Landstrasse»

Us der alemannische Wikipedia, der freie Dialäkt-Enzyklopedy
Zur Navigation springen Zur Suche springen

S Hilfswärk «Kinder der Landstrasse» isch 1926 as Projekt vo dr halbstaatlige schwiizerische Stifdig Pro Juventute entstande. Mit dr Understützig vo de Vormundschaftsbehörde het mä Chinder vo "Fahrende" ihre Familie wäggnoh. Bis 1972, wo s Projekt noch öffentligem Druck iigestellt worden isch, si drvo öbbe 600 Chinder betroffe worde. S Ziil vo «Kinder der Landstrasse» isch s gsi, d Chinder em Iifluss vo Läbensverheltniss, wo as "asozial" beurdeilt worde si, z entfremde und si an die vorherrschendi Läbenswiis vo dr Mehrheit aazbasse.

D Grundlage[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Die rächtlige Grundlage für s Wägneh vo de Chinder isch s Zivilgsetzbuech vo 1912 gsi, wo de Vormundschaftsbehörde bi pflichtwidrigem Verhalten der Eltern, dauernder Gefährdung oder ganz allgemein bi Verwahrlosung s Rächt gee het, de Eltere s Sorgrächt über ihri Chinder z entzieh. Zwar erwähnt s Zivilgsetzbuech en Ufsicht über d Arbet vo de Behörde, die het s aber kuum gee. As Grund für zum d Chinder ihre Eltere wägzneh het s glängt, ass si zun ere fahrende Familie ghört hai.

Für die fachlig-fürsorgerischi Rächtfertigung het mä psychiatrischi Guetachte gha, wo s Hilfswärk über sini Mündel het lo mache. Ihri allgemeinwüsseschaftligi Grundlegig het d Haltig vo de Verantwortliche nit ellei in dr Überzüügig vo dr Schädlikeit von ere familiäre Sozialisation in Familie, wo as "asozial" kategorisiert worde si, als was Familie mit "fahrender" Härkumft per se gulte hai, gfunde, sondern gliichzitig au in erbbiologische Vorstellige vom "minderwärtige Erbguet" vo de "Asoziale", öb si sässhaft siige oder nit, wo s "wärtvolle Erbguet" vo dr sässhafte Mehrheitsbevölkerig wurd schädige, wenn mä nid wurd verhindere, ass es wiitergee wurd. Zu de Protagoniste vo sonige bevölkerigssanitäre und rassehygienische Konzept het dr Graubündner Psychiater Josef Jörger mit siine psychiatrisch-eugenische Schrifte über d «Familie Zero» ghört oder dr dütsch Rassehygieniker und "Zigüüner"-Expärt Robert Ritter.

Praxis[ändere | Quälltäxt bearbeite]

S Hilfswärk het Chinder vo nitsässhafte wie au vo sässhafte Familie vo "fahrender" Härkunft interniert bzw. in Fremdfamilie underbrocht. Es isch nid wichdig gsi, öb d Eltere e "fahrendi" Läbenswiis haige, s entscheidende Kriterium für zum ene d Chinder wägzneh isch gsi, ass mä sä as Mitgliider von ere Randgrubbe vo "Chessler, Chorber, Bättler oder Schlimmerem" charakterisiert het, wo as kollektivi Drägere vo sozial schädlige Eigeschafte iigstueft worden isch, wo, wie dr Bundesroot Häberli gsait het "einen dunklen Fleck in unserm auf seine Kulturordnung so stolzen Schweizerlande bilden" wurde.[1]

In e baar Fäll het mä Chinder de Müetere diräkt noch dr Geburt wäggnoh. Die Chinder het mä im Allgemeine in Heim gsteckt, in mängge Fäll au in Fremdfamiliene, in psychiatrischi Aastalte und au in Gfängniss oder as Verdingchinder Buurefamilie as Arbetschreft zuedeilt. Kontakt zwüsche Chinder und Eltere het mä systematisch verhinderet. Chindsmisshandlige si as „Erziehig zur Arbet“ legitimiert worde. In de 1930er/40er Johr hai d Chindswägnohme ihre Höhepunkt erreicht. Es het Zite ge, wo meh as 200 Chinder under dr Kontrolle vom Hilfswärk gstande si.[2]

S «Hilfswärk für d Chinder vo dr Landstrooss» het d Understützig vo dr Fürsorg, vo Lehrer, Pfärrer und gmeinnützige Iirichdige brucht und übercho. D Rächtsvorschrifte hai Handligsspiilrüüm möglig gmacht, wo vo de Verantwortlige in underschiidliger Wiis, hüfig aber extensiv usgnützt worde si. Drbii si d Gränzen zur offene Rächtswidrigkeit hüfig überschritte worde.

D Ufdeckig und Folge[ändere | Quälltäxt bearbeite]

1972 het der Schweizerische Beobachter d Schicksal vo Mensche, wo us ihrer Familie usegrisse worde si, veröffentligt. Die meiste Chinder und Eltere hai s ganze Läbe lang under de Aktivitäte vom Hilfswärk glitte. Dr Bund, wo d Stifdig Pro Juventute johrelang finanziell understützt het, het finanzielli Entschädigunge vo zwüsche 2'000 und 7'000 Franke pro Person zahlt.

Die beide Hauptverantwortlige vom Projekt «Kinder der Landstrasse», dr Dr. Alfred Siegfried (1890–1972) und d Clara Reust, und die Verantwortlige in de Vormundschaftsbehörde, wo ihri Ufsichtsfunktion nit erfüllt hai, si stroofrächtlig nit verfolgt worde.

Sprächer und Understützer vo de Jenische as dr Gruppe, wo under de Schwiizer Fahrende am meite betroffe gsi isch, hai em Bund Völkermord vorgworfe.[3] D UNO-Konvention vo 1948 het die gwaltsami Überfüehrig vo Chinder von ere „nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe“ in en anderi Gruppe mit dr Absicht, si ganz oder deilwiis z zerstöre, as „Völkermord“ definiert. [4] Däm folgt s schwiizerische Stroofrächt im Art. 264 StGB mit Blick uf „eine durch ihre Staatsangehörigkeit, Rasse, Religion oder ethnische Zugehörigkeit gekennzeichnete Gruppe“.[5] D Froog, öb mä die Jenische zu einere vo de erwähnte Gruppe sött zelle, wird in dr Rächtsprächig, Politik, Gsellschaft und Forschig ganz überwiegend abglehnt und isch under de Jenische sälber umstritte.

Litratur[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Künstlerischi Bearbeitige[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Litratur[ändere | Quälltäxt bearbeite]

S Blakat zum Film «Kinder der Landstrasse» vo 1992
  • Mariella Mehr – e Hufe Titel zum Thema, mit autobiografischem Hindergrund
  • Peter Paul Moser – e Hufe Titel zum Thema, mit autobiografischem Hindergrund
  • Erhard Stocker: Marienseide. Herisau: Appenzeller Verlag 2006. ISBN 3-85882-434-8
  • Sara Galle/Thomas Meier “Von Menschen und Akten” Cronos Verlag Zürich 2009 ISBN 978-3-0340-0944-7
  • Willi Wottreng: Zigeunerhäuptling. Vom Kind der Landstrasse zum Sprecher der Fahrenden - Das Schicksal des Robert Huber. Zürich: Orell Füssli Verlag 2010. ISBN 978-3-280-06121-3

Film[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Weblingg[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Quelle[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  1. Vorwort von Heinrich Häberlin, Bundesrat und Stiftungsratspräsident der Pro Juventute, zur Broschüre "Kinder der Landstrasse", Zürich 1927.
  2. Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg, Roma, Sinti und Jenische. Schweizerische Zigeunerpolitik zur Zeit des Nationalsozialismus, siehe: [1].
  3. En Arbet vom Jurist Lukas Gschwend understützt die Position, lueg: Analyse zur Frage „Völkermord an den Jenischen?“.
  4. UNO-Konvention über d Verhüetig und Bestroofig vo Völkermord. Archivlink (Memento vom 21. Novämber 2008 im Internet Archive) (PDF, dütsche Text)
  5. Art. 264 StGB.