Josef Jörger
| Dialäkt: Züritüütsch |
De Johann Josef Jörger (* 21. Oktoober 1860 z Fallsch; † 31. Augschte 1933 z Chuur) isch en Schwyzer Psichiaater gsy. Er isch der eerscht Tiräkter vo de Klynik Waldhuus z Chur gsy und hät das Amt 38 Jaar lang ghaa. Mit rassehigieenische Schrifte hät er di theoreetische Grundlaage für s «Hülfswèèrch» Kinder der Landstrasse gläit, wo 1926 gründet woorden isch. Vil Erfolg hät er as Mundaartautoor ghaa.
syn Läbeswääg
[ändere | Quälltäxt bearbeite]De Johann Josef Jörger isch der äinzig Bueb vom Schmiid Johann Benedikt Jörger und synere Frau Fidelia geboorener Vieli gsy. Wo-n-er zwölfi gsy isch, hät er s Leererseminaar z Chuur bsuecht, aber deet häts em gaar nöd gfale. Er isch drum as Kolegi Schwyz und hät deet d Matuur gmachet. Ab 1880 hät er a den Uniwèrsitèète Basel und Züri Medizyn gstudiert und hät 1888 z Basel mit eren Aarbet über s «induciert Irresein» de Toktertitel überchoo. 1885 hät er d Paulina Hubert ghüraate, wo us em glyche Doorff wie-n-èèr choo isch. Die beede händ zwee Bueben und zwäi Chind ghaa.
Drufaben isch er churzi Zyt z Andeer im Hinderrhytaal, nachane sächs Jaar i de psichiaatrische Klynik Pfääfers Aarzt gsy. Vo 1892 bis 1930 hät er dänn as Tiräkter vo de doozmaal ganz nöie psichiaatrische Klynik Waldhuus z Masans bi Chur ggamtet. I dère Zyt isch er under anderem Presidänt vom Pündnerische Hülfsveräin für Gäischteschranki, Presidänt vo de Schwyzerische Gsellschaft für Psichiatry, Mitgliid vo de Gmäinnützige Gsellschaft vom Kanton Graubünde und Stiftigsraat vo de Pündner Fraueschuel gsy. Taatchrefftig hät er sich au für e zwäiti Klynik z Realta bi Cazis und für di nöi Psichiaatrisch Klynik z Herisau ygsetzt.
di Jäänische
[ändere | Quälltäxt bearbeite]De Jörger hät inere Zyt gwürkt, wo überall i de Schwyz nöii «Aarmegsetz» useggèè woorde sind. Mer hät d Mäntsche, wo nöd esoo gsy sind, wie s di bürgerlich Meerhäitsgsellschaft guet gfunde hät, welen umerzie oder wäggspeere. Im Püntnerland häts vil Jäänischi ggèè, und die händ vili nöd eso gèèrn gsee. De Jörger hät die wele wüsseschaftlich (im Sinn vo synere Zyt) undersueche und hät zwoo jäänischi Sippe, «Zeno» (1905) und «Markus» (1918), daadezue in Fokus gnaa. I dène hät er en «Abirig vom gwöndliche Familietipus» dur «Vereerbig» diagnoschtiziert, wo tüütlich wèèrdi i «Vagabundismus, Verbräche, Unsittlichkäit, Gäischtesschwechi und Gäischesstöörig, Pauperismus.»[1] Mit syne Schrifte hät er di «wüsseschaftlich» Grundlaag gläit, das me de Jäänische d Chind ewäggnimmt und «versoorget». Zueständig für daas isch s «Hülfswèèrch» Kinder der Landstrasse gsy, wo 1926 ggründet und eerscht 1973 ygstelt woorden isch.
sys beletristisch Schaffe
[ändere | Quälltäxt bearbeite]De Jörger hät im walsertüütsche Tialäkt vo sym Häimetdoorff und uf Hoochtüütsch e Zylete Verzeligen und zwee Romään über s ländlich Puuren- und Chindeläbe gschribe. Urchigi Lüt vo 1918 isch e Sammlig vo Gschichte, wo-n-er voranen i Zytigen und Zytschrifte publiziert gha hät. Wil die de Lüüt eso guet gfale händ, händ de Schierscher Pfarer Benedikt Hartmann und der Idiotikon-Scheffredakter Albert Baachme de Jörger trängt, die doch imene Band namal ali zämen usezgèè. Im Romaan Der hellig Garta vo 1920 isch der Undergang vom Bèèrgdoorff Zervreila imene Stausee s Theema. Und 1926 isch uf Hoochtüütsch de Romaan Die letzte Schattenmauer usechaa, wo s um s Schicksaal und de Nidergang vomene stolze Puuregschlächt gaat. Luut em Albert Baachme ghööred em Jörger syni Tialäktschrifte «zum Besten […] was unsere reiche mundartliche Literatur an Erzeugnissen ähnlicher Art aufzuweisen hat. […] Es sind wahre Kabinettstücke volksmässiger Erzählkunst darunter.»[2]
1931 hät er syni Mundaartgschicht Eine bequeme Hochzeit uf e Gramofonplatte vom Berlyner Fonogramm-Archyv gredt.
Publikazioone (Uuswaal)
[ändere | Quälltäxt bearbeite]Medizyn:
- Das inducierte Irresein. Inaugurationsdissertation (= Zeitschrift für Psychiatrie. Band 45). Berlin 1888.
- Ueber die Gründung einer bündnerischen Versorgungsanstalt. Chur 1903.
- Beitrag zur Kenntnis der Pseudologica phantastica. I: Vierteljahresschrift für gerichtliche Medizin und öffentliches Sanitätswesen. Band 27 (1904).
- Die Familie Zero (= Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie. Band 2). Berlin 1905.
- Die Familie Markus (= Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. Band 43). Berlin 1918.
- Psychiatrische Familiengeschichten. Berlin 1919.
- Heil- und Pflegeanstalt Waldhaus. Zürich 1932.
Sachliteratuur und Belestristik:
- Bei den Walsern des Valsertales. Basel 1913.
- Urchigi Lüt. Geschichten im Valserdialekt. Chur 1918. 2. Uflaag: Chur 1966 (umgsetzt i d Dieth-Schrybig); 3. Uuflaag: Appenzell 1989.
- Der hellig Garta. Geschichte im Valserdialekt. Chur 1920.
- Die letzten Schattenauer. Basel 1926.
Literatuur
[ändere | Quälltäxt bearbeite]- Paula Jörger: Johann Josef Jörger 1860–1933. I: Wir Walser. 3. Jahrgang, Nr. 1 (Mai 1965), S. 3–8 (mit eme Schrifteverzäichnis).
- Liliana Mornaghini-Zweidler: Der Psychiater Johann Joseph Jörger (1860–1933). Juris, Zürich 1975.
- Stefan Schulz: Johann Joseph Jörger.. In: Historisches Lexikon vo dr Schwiiz.
- Anna Stüssi: Jörger, Johann Joseph. I: Deutsches Literatur-Lexikon. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 8: Hohberg–Kober. Useggèè vom Heinz Rupp und Carl Ludwig Lang. Francke, Bern/München 1981, ISBN 3-7720-1537-9, S. 594 (s stimmt daa nöd ales).
Beletristik:
- David Bielmann: Angelina – Verlorene Familie. Roman. Zytglogge, Basel 2023, ISBN 978-3-7296-5134-0