Rätische Sprache

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S Rätische isch en antiki Sprooch gsii, wo im 1.Jh.n.Chr. uusgstorben isch. S isch i öppe 100 Inschrifte öberliferet, wo inere aigne Schrift gschribe wore sind, wo zu de Gruppe vo de norditalische Alphebet ghört. De Bigriff "Rätischi Sprooch" isch e moderne Uusdruck vo de Wösseschaft, s isch aber nöd ganz sicher öb die Sprooch au wörkli vo de historische Räter gredt woren isch.

Inschrifte[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Alphebet vo Magrè und vo Bozen-Sanzeno

Di rätische Inschrifte sind im Tirol, im Südtirol und im Trentino gfunde wore, aber au um Verona ume. Us de Schwiz stammt ai Inschrift, nämli us Ardez im Underengadin. D Inschrifte sind entweder im Alphebet vo Sanzeno oder im Alphebet vo Magrè gschribe. Degege zaiget d Inschrifte vom Val Camonica offesichtlich en anderi Sprooch.

Di rund 100 Inschrifte bifindet sich uf chliine Objekt, wo as Votivgoobe gopferet wore sind. Si bistönd nu us wenige Wörter, vili devo sind Näme. E vollständigi Sammlig vo de rätische Inschrifte het ane 1992 de Stefan Schumacher usegee.

Verwandtschaft[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Römischi Schriftsteller hend öberliferet, as d Räter vo Etrusker abstammid, wo sich i d Alpe zruggzoge hebid [1]. Au di maiste moderne Wüsseschaftler vertretet d Mainig, ass s Rätische mitem Etruskische verwandt isch. De Noowiis, as s Rätische nöch zum Etruskische stoot, het de Etruskolog Helmut Rix nochegwise [2]. Somit ghört s Rätische, zäme mitem Etruskische und em Lemnische, zu de Tyrsenische Sproochfamili.

Denebet werd aber au d These vertrette, as s Rätische en isolierti Sprooch sai, wo kai witteri bikannti Verwandti heb.

Öberholt und wösseschaftlich widerlait isch d These, as s Rätische e semitischi Sprooch sai. Die These isch vom Linus Brunner imene Buech vertrete wore [3]. I dem Buech versuecht er all rätischi Inschrifte ufgrund vom Hebräische und Akkadische z düüte, wobii er sogär au hethitischi Leenwörter gfunde haa will.

Verhältnis zum Rätoromanische[ändere | Quälltäxt bearbeite]

S Rätoromanische isch e romanischi Sprooch, wo sich usem Latiin entwicklet het, debi aber natürli au anderi Eliment enthaltet. Hüüfig versuechet Wüsseschaftler us rätoromansiche Wörter oder Flurnäme e rätisches Substrat z erschlüsse. S Problem debii isch aber, ass usem Bündnerland kai Rätischi Inschrifte bikannt sind. Dodemit isches guet mögli, as di antiki Bivölkerig im Bündnerland, sofern si nöd en keltische Tielekt gredt het, en anderi Sproch as s Rätische gredt ghaa het.

Wortschatz[ändere | Quälltäxt bearbeite]

De grööst Tail vom bikannte Wortschatz mached di rund 70 Näme uus. Mit em Etruskische verwandti Wörter sind: akvil / aχvil "Geschenk" (etr. -(a)χvil, nu i Komposita), sφura "Gmaind" (etr. spura), eluku "dediziert" (etr. ilucu) oder "und" (etr. -c).

Strukutur vom Rätische[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Wie im Etruskische cha nebet em Name no de Vatersname stoo, wobii bi Mane s Patronymsuffix -nu (etr. -na) und bi Fraue -na (etr. -nei) draghenkt werd; z.B. knuse susi-nu oder φrima pitam-na. Wie s Etruskische naigt s Rätische zur Agglutination; so cha usem Genitiv uf -s (etr. -s) de Pertinentiv bildet were, indem d Lokativendig -i (etr. -i) aghänkt werd, aso -si (etr. -si). S aktivi Präteritum bim Verb endet uf -χe/-ke (etr. -ce), und s Partizip Perfekt uf -ku (etr. -cu/-χu).

Luutsystem[ändere | Quälltäxt bearbeite]

S Rätische kennt drai Plosiv: p, t, k und ai Affrikate: z. Im Aaluut sind φ, θ, χ vermuetli Frikativ, im Wortinnere aber chönet φ, θ, χ und p, t, k wechsle (z.B. zinake / zinaχe "er het gwait"). Wie s Etruskische gits zwee Sibiliante: s und ś, d Uusprooch vo beedne isch aber nöd bikannt. Witteri Konsonante sind no: m, n, l, r, h und v. Wie im Etruskische gits vier Vokal: a, e, i, u. Im Gegesatz zum Etruskische, wo Vokäl noch de erst Silbe abgschwächt oder synkopiert wore sind, sind im Rätische alli Vokäl voll erhalte.

Ainzelnoowiis[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  1. Titus Livius: Römischi Gschicht 5,33,1 - Plinius de Älteri: Naturgschicht 3,24 - u.a.
  2. Helmut Rix: Rätisch und Etruskisch; Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft, Vorträge und Kleinere Schriften 68. Innsbruck 1998. ISBN 978-3-85124-670-4
  3. Linus Brunner: Linus Brunner: Die rätische Sprache – enträtselt; Sanggalle 1987. ISBN 3-908048-09-1.

Büecher[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  • Stefan Schumacher: Die rätischen Inschriften; Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft Bd 79; Innsbruck 2004. ISBN 3-85124-155-X
  • Stefan Schumacher: Sprachliche Gemeinsamkeiten zwischen Rätisch und Etruskisch; i: Der Schlern. Bd. 72, Heft 2, S. 90–114 (Bozen 1998)
  • Helmut Rix: Rätisch und Etruskisch; Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft, Bd. 68: Vorträge und kleinere Schriften; Innsbruck 1998. ISBN 3-85124-670-5

Link[ändere | Quälltäxt bearbeite]