Moses Mendelssohn

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Dr Moses Mendelssohn, Gmäld vom Christian Bernhard Rode, 1768, früener im Gleimhaus Halberstadt, sit em 20. Jhd. verscholle
Dr Moses Mendelssohn (1771, Bordret vom Anton Graff, Kunstbsitz vo dr Universidäät Leipzig)

Dr Moses Mendelssohn (* 6. Septämber 1729 z Dessau; † 4. Januar 1786 z Berlin) isch e dütsche Filosoof vo dr Ufkläärig gsi und gältet as Wäägberäiter vo dr Emanzipazioon vo de Juude und dr Haskala.

Si Lääbe[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Im Moses Mendelssohn si Vater isch dr Mendel Heymann gsi, wo as Sofer, Gmäindischriiber z Dessau und Brimaarschuelleerer gschafft het. Dr Mendelssohn isch seer begabt gsi, scho mit zääni häig er sig er en usgezäichnete Talmudstudönt gsi. Si Muetersprooch isch s spoote West-Jiddisch gsi; Hebräisch und Aramäisch het er scho as chliises Chind gleert.[1]

Um 1739 het er bim Dessauer Oberrabbiner David Fränkel (1707–1762) afo studiere. Wo dr Fränkel 1743 zerst uf Frankfurt/Oder und denn as Oberrabbiner uf Berlin gange isch, isch dr Mendelssohn uf Berlin an d Talmudschuel go leere. Er het denn au Dütsch und spööter Latiinisch, Franzöösisch und Änglisch gleert und anders wältligs Wüsse. Er het sich für Filosofii intressiert; dr änglisch Früeufkläärer John Locke het en intressiert wie au dr Christian von Wolff und dr Universalgleerti Gottfried Wilhelm Leibniz. De mäiste franzöösische Ufkläärer, bis uf e Rousseau, isch er eender mit Skepsis gegenübergstande.[2] Bald isch er sälber zum Ufkläärer worde.

Er het denn as Husleerer (1750), Buechhalter (1754) und Gschaftsfüerer (1761) gschafft und schliesslig isch er 1768 Betriibsläiter vom Issak Bernhard sim Siidegschäft worde, wo dä gstorbe isch. [3]

1754 het er dr Gotthold Ephraim Lessing kennegleert. Dä het em ghulfe si ersti Schrift uf Dütsch, „Philosophische Gespräche“, z veröffentlige und het en mit em Friedrich Nicolai bekannt gmacht. Eso isch er Mitarbäiter bi dr Zitschrift Briefe, die Neueste Litteratur betreffend worde.[4] Zämme mit em Lessing und em Nicolai isch er Mitgliid vom Montagsclub vo dr Berliner Ufkläärig worde.

D Fromet Mendelssohn, geb. Gugenheim. (1737–1812. Graab uf em jüüdische Friidhoof z Hamburg-Altona)

1762 het dr Mendelssohn d Fromet Gugenheim ghürootet, und si häi zämme zää Chinder ghaa, wo säggs von ene erwaggse worde si.

Dr Mendelssohn isch am 4. Januar 1786 z Berlin gstorbe und isch uf em Berliner Jüüdische Friidhoof begraabe

Si Wärk[ändere | Quälltäxt bearbeite]

1755 het dr Mendelssohn im Rousseau sini Discours sur l’origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes übersetzt. 1763 het e, vor em Immanuel Kant, mit eme filosofische Ufsatz dr Erst Briis vo dr „Königlichen Academie“ (dr spöötere Pröissische Akademii vo de Wüsseschafte) überchoo und isch allgemäin as Dänker anerkennt worde. 1767 het er Phädon oder über die Unsterblichkeit der Seele veröffentligt, wo denn in zää Sprooche übersetzt worde isch.

Moritz Daniel Oppenheim: Der Lavater-Streit, 1856. Links Mendelssohn, stehend Lessing, rechts Lavater

1770 het dr Schwizer Pfarrer Johann Caspar Lavater dr Mendelssohn öffentlig ufgforderet, äntwääder in aller Form s Christedum z widerleege oder sälber Christ z wärde,[5] und das het zun ere öffentlige Usenandersetzig zwüschen em Mendelssohn und em Lavater gfüert,[6][7]. Wil d Situazioon vo de Juude häikel gsi isch - si si im christlige Öiropa kuum duldet gsi - het mä dr Mendelssohn afo as iire Verdräter und Sprächer aaluege und er isch immer wider, under anderem vom Johann Balthasar Kölbele, öffentlig aagriffe worde.[8][9][10] 1771 isch dr Mendelssohn zämmebroche, villicht wil dr Druck uf en so grooss gsi isch. Won en in däm Joor dr Johann Georg Sulzer für die Pröissischi Akademii vo de Wüsseschafte vorgschlaage het, het dr Friedrichs II. daas abgleent.

1777 het dr Mendelssohn dr jüüdisch Gleerti und Wüsseschaftler Rafael Levi droffe.[11]

Er het denn Bibelpsalme übersetzt und het mit ere dütsche Übersetzig vom Pentateuch aagfange, wo vo 1780 bis 1783 erschiine isch. Er het immer wider brobiert d Stellig vo de Juude z verbessere. 1783 isch si Jerusalem oder über religiöse Macht und Judenthum uusechoo, won er din abgleent het ass s Rabbinat Stroofe chönn uferleege, aber au die jüüdische Religioonsgsetz verdäidigt het. Dr Mendelssohn het dr Staat und d Religion welle drenne und het für bäidi verlangt ass si tolerant sige. Dr religiöösi Glaube sig individuell und es dörf bi däm käi Zwang herrsche. As Vorriter vo dr jüüdische Emanzipazioon isch er äng mit em David Friedländer befründet gsi, wo die Jüüdischi Freischuel z Berlin gründet het und dr erst jüüdisch Stadtroot gsi isch.

D Mendelssohn-Büste im Jüüdische Museum Berlin
Gedänkdaafele am Geburtshuus

Im Joor 1779 het dr Lessing sim Fründ in sim berüemte Ideädrama Nathan der Weise e Dänkmol gsetzt. Wäärend dr Lessing voll vom ene Fortschrittsoptimismus gsi isch und glaubt het, ass d Religionen vom Juudedum über s Christedum zun ere Vernumftreligion wurde ufstiige, het s für e Mendelssohn käi sonige Fortschritt gee, weder in dr moralische no in dr religiööse Hinsicht. Er het nid dänggt, ass d Moralidäät und d Religiosidäät vo dr Zit wurde abhänge. D Menschäit as Ganzes chönni «glückselig» si, unabhängig drvo, öb si sich im Naturzuestand oder im Zuestand vo dr Zivilisazioon wurd befinde.[12]

Dr Friedrich Heinrich Jacobi het noch em Dood vom Lessing gsäit, dä sig e „Spinozist“, was öbbe s Gliiche bedütet het wie„Atheist“, und zu sälle Zite het so öbbis dr Ruef von ere Person schweer chönne schäädige. Das het e lengere Briefwäggsel zwüschen em Jacobi und em Mendelssohn noch sich zooge. Dr Jacobi het die Brief 1785 under em Ditel Über die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn veröffentligt. Die filosofischi Kontrovärse isch in dr Gschicht vo dr Filosofii as dr Pantheismusstrit bekannt. Dr Friedrich Nicolai het si Fründ Mendelssohn drbii understützt.

Won em 1783 die ghäimi Gesellschaft der Freunde der Aufklärung (Berliner Mittwochsgesellschaft) d Mitgliidschaft aabote het, het dr Mendelssohn abgleent. Er isch aber denn churz druf Eeremitgliid worde Er het sich mit dr Froog, was d Ufkläärig sig usenandergsetzt und gmäint, ass d Freihäit vo de Gedanke und vo dr Reed nit dur Gsetz und Zensur döfi iigschränggt wärde. In dr Berliner Monatszeitung het er gschriibe, ass d Bildig s Ziil vo alle Besträäbige müess si und die wurd us dr Kultuur (Praxis wie Handwärk, Kunst und Sitte) bestoo und dr Ufkläärig as Theorii, und die bäide sige mitenander dialäktisch verschränkt.[13]

Im Mendelssohn si Graabstäi uf em Jüüdische Friidhoof Berlin-Middi, vo bäide Site.

As letschts Wärk het dr Mendelssohn dr Ufsatz An die Freunde Lessings gschriibe, wo im Februar 1786 postum uusechoo isch. Din het er klar gstellt, ass dr Lessing d Vertäidigung vo andere nid bruchi.

Eerige[ändere | Quälltäxt bearbeite]

D Büste im Dessauer Stadtpark

Z Dessau het s iim zu Eere e groosses Brunnedänkmol in de Baanhofsaalaage.

Z Berlin stoot e Mendelssohnbüste vom Rudolf Marcuse vor em Schuelhuus Große Hamburger Straße 27.

Sit 1994 verdäilt s Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrum d Moses-Mendelssohn-Medallie für Toleranz und Völkerverständigung.

Im April 2013 het d Bezirksverordneteversammlig vo Friedrichshain-Kreuzberg beschloss dr nöij Stadtblatz z Berlin-Kreuzberg an dr Lindestrooss noch dr Fromet und em Moses Mendelssohn z benenne. Si si doo in ere Zwickmüüli vo dr political correctness gsi, wil si äigentlig dr Moses Mendelssohn häi welle eere, aber wil e Frau für die Eerig an dr Räije gsi isch, het men em Blatz dorum dr Naame vom Eebaar gee.[14]

Wärk/Usgoobe (Uswaal)[ändere | Quälltäxt bearbeite]

Nöiusgoobe

  • Moses Mendelssohn: Gesammelte Schriften. Jubiläumsausgabe. Hrsg. von Alexander Altmann s. A., Eva J. Engel, Michael Brocke und Daniel Krochmalnik. frommann-holzboog Verlag, Stuttgart-Bad Cannstatt 1972 ff., ISBN 978-3-7728-0318-5.
  • Phädon oder über die Unsterblichkeit der Seele. Hrsg. v. Dominique Bourel. Meiner, Hamburg 1979, ISBN 978-3-7873-0468-4.
  • Ästhetische Schriften. Hrsg. von Anne Pollok; Meiner Verlag, 2005, ISBN 978-3-7873-1759-2.
  • Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum. Hrsg. v. Michael Albrecht. Meiner, Hamburg 2005, ISBN 978-3-7873-1692-2.
  • Leben und Charakter des Sokrates. Hrsg. v. Raphael Baer. Verlag Bär, Niederuzwil 2007, ISBN 978-3-9523212-3-2.
  • Ausgewählte Werke. Studieusgoob in 2 Bänd; uusegee uns iigläitet vom Christoph Schulte, Andreas Kennecke und Grażyna Jurewicz. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-15872-0.

Litratuur[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  • Meyer Kayserling: Moses Mendelssohn, sein Leben und seine Werke. Nebst einem Anhange ungedruckter Briefe. Leipzig, 1862.
  • Helmuth Vetter: Mendelssohn, Moses. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 5, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3, Sp. 1251–1254.
  • Klaus-Werner Segreff: Mendelssohn, Moses. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 46–49.
  • Alexander Altmann: Moses Mendelssohn. London 1998 (Erstausgabe 1969), ISBN 1-874774-53-6.
  • Dominique Bourel: Moses Mendelssohn. Begründer des modernen Judentums. Eine Biographie. Aus dem Französischen von Horst Brühmann, Ammann Verlag, Zürich 2007, ISBN 978-3-250-10507-7. Das Buch erhielt den Deutsch-frz. Parlamentspreis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten 2004.
  • Heinz Knobloch: Herr Moses in Berlin. Auf den Spuren eines Menschenfreundes. Buchverlag Der Morgen Berlin 6. Auflage, 1993; ISBN 3-371-00356-6. Jaron-Verlag Berlin 2006; ISBN 978-3-89773-076-2.
  • Stephen Tree: Moses Mendelssohn. Rowohlt Verlag, Reinbek 2007, ISBN 3-499-50671-8.
  • Shmuel Feiner: Moses Mendelssohn. Ein jüdischer Denker in der Zeit der Aufklärung. Aus dem Hebräischen von Inge Yassur, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-35097-3.
  • Lexikon deutsch-jüdischer Autoren / Archiv Bibliographia Judaica. Bd. 9, Berlin: de Gruyter, 2009, S. 43–64. ISBN 978-3-598-22697-7
  • Heinz Ludwig Arnold, Cord-Friedrich Berghahn (Hrsg.): Moses Mendelssohn. (= Edition Text und Kritik: Sonderband.) München: Edition Text und Kritik, 2011; ISBN 978-3-86916-109-9.
  • Hermann Simon: Moses Mendelssohn. Gesetzestreuer Jude und deutscher Aufklärer; Hentrich & Hentrich, Berlin 2012; ISBN 978-3-942271-58-5.

Weblingg[ändere | Quälltäxt bearbeite]

 Allmänd (Commons): Moses Mendelssohn – Album mit witere Multimediadateie

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Wikisource S dütschsprochig Wikisource hät Originaltegscht zum Thema „Moses Mendelssohn“.

Fuessnoote[ändere | Quälltäxt bearbeite]

  1. Stephen Tree: Moses Mendelssohn, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2007; S. 11.
  2. Manfred Geier: Aufklärung. Das europäische Projekt. Reinbek b. Hamburg 2012, S. 179ff.
  3. Stephen Tree: Moses Mendelssohn, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2007, S. 144.
  4. Stephen Tree: Moses Mendelssohn, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2007, S. 28 ff.
  5. Johann Caspar Lavater: Johann Caspar Lavaters Zueignungsschrift der Bonnetischen Philosophischen Untersuchung der Beweise für das Christenthum an Herrn Moses Mendelssohn in Berlin, Zürich 1769.
  6. Moses Mendelssohn: Schreiben an den Herrn Diaconus Lavater zu Zurüch, Berlin 1769.
  7. Johann Caspar Lavater: Antwort an den Herrn Moses Mendelssohn zu Berlin, Berlin und Stettin 1770.
  8. Johann Balthasar Kölbele: Schreiben an den Herrn Moses Mendelssohn über die Lavaterische und Kölbelische Angelegenheiten gegen Herrn Moses Mendelssohn, Andreä, Frankfurt am Mayn 1770.
  9. Johann Balthasar Kölbele: Zweytes Schreiben an Herrn Moses Mendelssohn insonderheit über den ehemahligen Mendelssohnischen Deismus, über das Mendelssohnische Kennzeichen einer Offenbarung, und kürzlich über die Glaubwürdigkeit der Evangelischen Geschichte, Andreä, Frankfurt am Mayn 1770.
  10. 118. Kapitel: Aufklärung und Berliner jüdisches Geistesleben im 18. Jahrhundert VI - Moses Mendelssohn. Geschichte der Juden in Deutschland. Abgrüeft am 5. Juli 2011
  11. Peter Schulze: Rafael Levi, in: Stadtlexikon Hannover, S. 512
  12. Manfred Geier: Aufklärung. Das europäische Projekt. Reinbek b. Hamburg 2012, S. 205ff.
  13. Manfred Geier: Aufklärung. Das europäische Projekt. Reinbek b. Hamburg 2012, S. 216f.
  14. Karin Schmidl: Streit um Platznamen beendet; (druckti Usgoob: Mendelssohn im Zweierpack, in: [[Berliner Zeitung vom 25. April 2013; abgrueft am 27.April 2013
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